Alexander Loginow, der ungeliebte Sieger

Über diesen Sieger freut sich ausserhalb Russlands keiner: Alexander Loginow, überraschender Sprint-Weltmeister an der Biathlon-WM, muss wegen seiner Doping-Vergangenheit heftige Kritik einstecken.

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Ein kleines Lächeln, aber für wen? Alexander Loginow, der neue Sprint-Weltmeister im Biathlon, sorgt für Unmut
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Am Samstag nachträglich wegen Dopings gesperrt: der zweifache russische Biathlon-Olympiasieger Jewgeni Ustjugow
Einer der schärfsten Kritiker von Loginow: Frankreichs Biathlon-Star Martin Fourcade
Auch der Norweger Tarjei Bö schiesst scharf gegen Loginow: «Er verdient es nicht, hier zu sein.»

Ein kleines Lächeln, aber für wen? Alexander Loginow, der neue Sprint-Weltmeister im Biathlon, sorgt für Unmut

KEYSTONE/EPA/ANDREA SOLERO
(sda)

Der grosse Eklat blieb diesmal aus. An der WM vor zwei Jahren hatte Martin Fourcade das Podest wieder verlassen, als Alexander Loginow als Mitglied der drittplatzierten russischen Mixed-Staffel dieses betrat. Diesmal verzichtete der Franzose, der in Antholz im Sprint hinter Überraschungssieger Loginow und seinem Landsmann Quentin Fillon Maillet Bronze gewann, auf eine öffentliche Protestaktion. Der Ärger, dass der wegen EPO-Missbrauchs von 2014 bis 2016 gesperrte Russe wieder starten darf, ist aber noch immer gross. Nicht nur bei Fourcade.

«Loginow hat es nicht verdient, hier zu sein», meinte zum Beispiel auch der viertplatzierte Norweger Tarjei Bö. Und an der Pressekonferenz der drei Medaillengewinner war die Anspannung geradezu mit Händen zu greifen. Fourcade wiegelte erst ab. «Immer wenn es um Doping geht, erwarten alle, dass ich meine Stimme erhebe. Alle wissen, wie wichtig dieses Thema für mich ist und wie sehr es mich schmerzt. Aber wir erleben hier eine wunderbare WM, lasst uns doch nicht über Doping sprechen.» Er gab dann aber doch klar zu verstehen, dass er den Russen noch immer nicht über den Weg traut.

«Es wäre einfacher, ihnen zu verzeihen oder zu glauben, wenn sie mal mit uns reden würden. Aber wenn man weder in der Öffentlichkeit noch mit uns Athleten redet und kein Englisch spricht, ist es schwierig, Vertrauen aufzubauen.» Der 28-jährige Loginow sass derweil mit steinerner Miene daneben und schien kein Wort zu verstehen. Auch sieben Jahre nach seinem Debüt im Weltcup kommuniziert der Russe nur via Dolmetscherin.

So liess er ausrichten, er sei in dieser Saison 12 bis 16 Mal getestet worden. «Vielleicht sollte ich mit meiner Frau eine grössere Wohnung kaufen, damit die, die das wollen, ein paar Tage bei uns verbringen und sehen können, was ich tue.» Tatsache ist aber, dass Loginow im Weltcup gut, aber selten überragend läuft, bei Grossanlässen aber oft auf den Punkt bereit ist. Einem Weltcupsieg stehen nun vier WM-Medaillen (zwei im Einzel nach Sprint-Silber vor einem Jahr) gegenüber. Und Tatsache ist auch, dass der Internationale Biathlon-Verband just am Samstag den mittlerweile zurückgetretenen russischen Doppel-Olympiasieger Jewgeni Ustjugow rückwirkend wegen Dopings für zwei Jahre sperrte.