1992 zwingt der Zürcher Underdog das Grande Lugano in die Knie

Vor 28 Jahren schaffte der ZSC (noch ohne «Lions»-Zusatz) die bis anhin grösste Sensation der Schweizer Playoffs. Die Zürcher setzten sich in den Viertelfinals gegen das favorisierte Lugano durch.

Drucken
Teilen
Der ZSC schrieb vor 28-Jahren mit dem Sieg in den Playoffs gegen Lugano Playoff-Geschichte

Der ZSC schrieb vor 28-Jahren mit dem Sieg in den Playoffs gegen Lugano Playoff-Geschichte

Keystone/STR
(sda)

Sie heissen Kent Ruhnke und Larry Huras. Harold Kreis und Bob Hartley. Marc Crawford und Hans Kossmann. Sie gewannen mit den ZSC Lions nach der Jahrtausendwende je einen Meistertitel. Doch über ihnen steht noch immer ihr Vorgänger Arno Del Curto. Denn allen ekstatischen späteren Meisterjubelszenen zum Trotz feierte der ZSC seinen schönsten Sieg schon 1992 unter dem Bündner.

Am 17. März 1992 bodigte der damalige Zürcher Chaos-Klub den grossen Favoriten HC Lugano in den Playoff-Viertelfinals. Selten war im Schweizer Eishockey die Kluft zwischen David und Goliath grösser. Hier das «Grande Lugano», das unter dem Magier John Slettvoll zwischen 1986 und 1991 vier Mal Meister wurde und sechs Mal im Final stand. Dort das «Piccolo Zurigo» mit dem 37-jährigen NLA-Trainergreenhorn Arno Del Curto, das eben erst zum zweiten Mal überhaupt die Playoffs erreicht hatte.

Der ZSC gewann die ersten beiden Spiele, verlor dann aber Match 3 im Tessin 0:10. Es kam das vierte Duell im proppenvollen Hallenstadion, wo offiziell 11'500 Zuschauer auf den Bänken und Treppenaufgängen standen und sassen. Inoffiziell waren es 2000 bis 3000 Zuschauer mehr. Nie war die Legende der stickigen, rauchigen und ungesund warmen Luft im Oerlikoner (Eis-)Tempel lebendiger als an diesem Dienstagabend des 17. März 1992.

Slettvolls Luganesi waren besser, dominierten und führten, doch Effizienz im Abschluss und ein starker Rolf Simmen im Zürcher Tor retteten den ZSC ins Penaltyschiessen. Dort scheiterten die Tessiner reihenweise, während für die Zürcher Adrian Hotz, Wladimir Krutow und Sergej Prijachin erfolgreich waren. Die russische Ikone Krutow, körperlich angeschlagen und übergewichtig, fuhr beim Penalty im Zeitlupentempo über das weiche Eis. Schier hatten die Fans das Gefühl, sie müssten hinunterspringen, um den Altmeister anzuschieben.

Von solchen Szenen und Eindrücken lebt(e) dieser Abend, der in Zürcher Fankreisen noch heute ein Mythos ist. Als der ZSC-Sieg feststand, zitterten die Wände des Hallenstadions derart, dass die lebende Radioreporter-Legende Walter Scheibli auch zwei Jahrzehnte und ein paar Meistertitel später erzählte: «So wie an diesem Abend gegen Lugano war die Stimmung im Hallenstadion nie mehr.»

Während die Zürcher ihren Sieg zelebrierten, wurde Luganos Trainer John Slettvoll angezählt. Der «Sport» schrieb von einer «Logik des Scheiterns» und davon, «dass Cheftrainer John Slettvoll mit Arroganz und Selbstüberschätzung den HC Lugano sportlich ins Leid gebracht hat.» Lugano kam danach tatsächlich lange nicht mehr auf die Beine. Im Hallenstadion wurde an diesem Abend eine Ära beendet. John Slettvoll musste fürs Erste gehen - und erst sieben Jahre später feierten die Tessiner ihren nächsten Meistertitel.