Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Zürcher Gewalttäter «Carlos» droht die Verwahrung

Dem Zürcher Gewalttäter «Carlos» droht die Verwahrung - und das im Alter von nur 24 Jahren. Der Staatsanwalt sieht keine Alternative. Der Anwalt von «Carlos» will ihn hingegen per sofort frei lassen. Das Bezirksgericht wird das Urteil in einer Woche eröffnen.
«Carlos» erschien am Mittwoch nicht vor Gericht: Gefangenentransporter der Polizei beim Zürcher Bezirksgericht. (Bild: KEYSTONE/WALTER BIERI)«Carlos» erschien am Mittwoch nicht vor Gericht: Gefangenentransporter der Polizei beim Zürcher Bezirksgericht. (Bild: KEYSTONE/WALTER BIERI)
Der Staatsanwalt will den Jugendstraftäter «Carlos» verwahren. Die Öffentlichkeit müsse vor ihm geschützt werden, forderte er am Mittwoch in seinem Plädoyer. (KEYSTONE/Zeichnung Linda Grädel) (Bild: KEYSTONE/ENNIO LEANZA)Der Staatsanwalt will den Jugendstraftäter «Carlos» verwahren. Die Öffentlichkeit müsse vor ihm geschützt werden, forderte er am Mittwoch in seinem Plädoyer. (KEYSTONE/Zeichnung Linda Grädel) (Bild: KEYSTONE/ENNIO LEANZA)
2 Bilder

Zürcher Gewalttäter «Carlos» droht die Verwahrung

(sda)

Natürlich sei es krass, einen erst 24-jährigen Mann für unbestimmte Zeit wegzusperren, sagte der Staatsanwalt. Aber «Carlos» sei ein Extremfall, es gebe keine Alternative. Lasse man ihn im Justizvollzug, also in einem Gefängnis, brauche es so viel Personal und hohe Sicherheitsanforderungen «wie noch nie in der Schweiz».

«Carlos» nach Verbüssung einer Freiheitsstrafe auf freien Fuss zu setzen, kommt für den Staatsanwalt zudem erst recht nicht in Frage. «Das wäre eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit.» Ein Todesopfer sei dann so sicher wie das Amen in der Kirche.

«Verwahrung ist die einzige Lösung. Wobei das Problem natürlich nicht gelöst wird», räumte der Staatsanwalt ein. Doch die Öffentlichkeit müsse vor «Carlos» geschützt werden. Er beantragte eine Freiheitsstrafe von 7,5 Jahren. Folgt das Gericht seinem Antrag, würde diese zugunsten der Verwahrung aufgeschoben.

«Bester Fighter im Universum»

Der Staatsanwalt beantragt eine Verwahrung nach Artikel 64, also ein Wegschliessen ohne Therapie. Denn zu einer Therapie ist «Carlos» nicht bereit. Er wollte nicht einmal dem Psychiater Auskunft geben, weshalb das Gutachten anhand der Akten erstellt wurde.

Gutachter attestieren dem Kampfsportler eine Persönlichkeitsstörung, konkret eine dissoziale Persönlichkeitsstörung mit ausgeprägt psychopathischen Wesenszügen. «Carlos» ist narzisstisch, leicht zu kränken und nimmt die ganze Welt als feindlich war.

Er selber sieht sich als «besten Fighter im Universum», als Killer, dem alles egal ist und der den Krieg gegen den Justizapparat aufgenommen hat. Um ein Ziel zu erreichen, kann er sich zwischendurch zwar zusammenreissen. Dann kommt aber schnell der nächste Rückfall, der für andere gefährlich werden kann.

Wie gefährlich «Carlos» ist, mussten in den vergangenen Jahren zahlreiche Mithäftlinge, Polizisten und Gefängnisaufseher am eigenen Leib erfahren. Die Anklageschrift listet 19 separate Vorfälle auf. Er wollte Gefängnismitarbeitende mit Urin übergiessen, er biss, kratzte, verprügelte und beschimpfte sie.

In der pinkfarbenen Arrestzelle

Die Justiz reagierte mit Härte und Repression. Diese grenzt nach Ansicht des Anwalts von «Carlos» an Folter. «Natürlich ist er kein Unschuldslamm», sagte der Anwalt. «Carlos» habe zweifelsohne Fehler gemacht. «Aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Justiz die Grenze des zulässigen Handelns überschritten hat.»

Seit einem Jahr sitze «Carlos» alleine in einer pinkfarbenen Arrestzelle. Er sei an den Füssen gefesselt worden, habe keine Unterwäsche tragen und sich nicht duschen dürfen und auf dem Boden schlafen müssen. Und er habe Wasser und Brot erhalten.

Der Anwalt forderte ein «Ende der Härte», denn das mache alles nur noch viel schlimmer. «Carlos» habe in den Kampfmodus geschaltet und das Vertrauen in den Justiz-Apparat verloren. Eigentlich sei «Carlos» ein anständiger Mensch, eine Verwahrung unverhältnismässig.

Der Anwalt verglich seinen Mandanten mit einem Hund, der wegen schlechter Behandlung zubeisse. Statt einer Verwahrung forderte der Anwalt lediglich eine «angemessene» Freiheitsstrafe wegen Sachbeschädigung, Drohung und Beschimpfung.

Diese habe er mittlerweile ohnehin abgesessen. Deshalb sei «Carlos» sofort zu entlassen. Dann könne er endlich seinen Traum verfolgen, nämlich ein erfolgreicher Boxer zu werden.

Polizisten mit Musik begrüsst

«Carlos» müsse eine Chance erhalten, sich in Freiheit zu bewähren. Dies könne funktionieren, wie vor Jahren beim «Sondersetting» mit Thaibox-Unterricht, zeigte sich der Anwalt überzeugt.

Das erste Mal mit der Justiz in Konflikt geriet «Carlos» im Alter von nur zehn Jahren, weil er im Verdacht stand, einen Brand gelegt zu haben. Dabei wurde der Knabe auch in Handschellen gelegt. Die Vorwürfe lösten sich jedoch in Luft auf.

Der Prozess am Mittwoch fand ohne Hauptdarsteller statt, weil sich dieser weigerte, aus der Zelle zu kommen. Als «Carlos» abgeholt werden sollte, begrüsste er die Polizisten mit lauter Musik und erhobenen Fäusten. Dann legte er sich hin und bewegte sich nicht mehr.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.