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Yves Netzhammer im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen

An der 52. Kunstbiennale Venedig hat Yves Netzhammer den Schweizer Pavillon bespielt. Ab Freitag zeigt der 1970 in Schaffhausen geborene Medien- und Installationskünstler im Museum zu Allerheiligen in seiner Heimatstadt aktuelle Werke.
«Biografische Versprecher» heisst die computeranimierte und installative Ausstellung von Yves Netzhammer im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen. Sie dauert vom 28. September 2018 bis 17. Februar 2019. (Bild: Yves Netzhammer)

«Biografische Versprecher» heisst die computeranimierte und installative Ausstellung von Yves Netzhammer im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen. Sie dauert vom 28. September 2018 bis 17. Februar 2019. (Bild: Yves Netzhammer)

(sda)

Die über das Museum verteilte Ausstellung heisst «Biografische Versprecher», der Künstler nennt sich Yves Tell Netzhammer. Tell: ein Versprecher? Kann sein oder auch nicht. Jedenfalls hat Netzhammer am 1. August Geburtstag. Und dass die Ausstellung bis 170. Februar 2019 dauert, macht auch Sinn, könnte es doch sein, dass sich der kürzeste Monat unverhofft in den längsten verwandelt.

Tell und Netzhammer: eine Analogie ist vielleicht die folgende. Der Freiheitsheld Tell hat Gessler erschossen, Netzhammer als sein Alter Ego gibt jeder diktatorisch eindimensionalen Interpretation des Lebens und der Welt, jeder vermeintlichen Wahrheit, den künstlerischen Todesstoss. Bei Netzhammer ist alles in Bewegung, im Wandel begriffen. So mutiert schon im Titel der «Versprecher» alsbald zum «Versprechen» und schliesslich zum «Verbrecher».

Narr aus Fleisch und Blut

Leitfigur ist aber nicht explizit der Tell, sondern ein Narr, ein Till Eulenspiegel, künstlerisch verfremdet und doch aus Fleisch und Blut. Immer wieder taucht er auf in Computeranimationen, schaut einmal in den Spiegel, verkrümmt sich, schlägt sich die Nase blutig, stirbt weg. Oder er liegt auf dem Rücken, seine Beine jonglieren die Weltkugel, wobei sich auch hier Überraschendes ereignet.

Netzhammer ist ein fantastischer Geschichtenerzähler, dessen fliessenden, surrealen Bilderfolgen man gebannt zuschaut. Mitunter sind diese Geschichten lebenslustig, voller Poesie, mitunter gleiten sie bitterböse ab in Aggression. In einer Animation traktiert ein Messer eine Hand, bis sich eine riesige rote Blutlache ausbreitet. Die Brüche sind es, die Netzhammer interessieren, die Kippmomente, bei denen eine vermeintliche Idylle zur Katastrophe wird.

Frischer Wind im Museum

Netzhammer habe dem Museum «frischen Wind» gebracht, sagte die Museumsdirektorin Katharina Epprecht am Mittwoch anlässlich der Medienkonferenz. Wer die von Jennifer Burkhard kuratierte Ausstellung besucht, merkt, was damit gemeint ist. Netzhammer bespielt nicht nur die grosse Ausstellungshalle. Mit Objekten, Animationen oder Skulpturen interveniert er auch siebzehn Mal in den permanenten Ausstellungen und wirft ein neues Licht auf Exponate und Räume, wie zum Beispiel eine spätgotische Nonnenzelle.

Faszinierend sind auch die mit Luftdruck angetriebenen Skulpturen, die Netzhammer an verschiedenen Orten installiert hat. So begegnet man einem riesigen Galgen, an dem eine gelenkige Figur hängt, die an ein Skelett erinnert. Alle 30 Sekunden fällt die Figur zu Boden, immer anders. Der Zufall, der bei Netzhammers präzisen und gestochen scharfen Animationen keine Rolle zu spielen scheint, bricht sich hier Bahn.

Technisch scheinen diese Skulpturen äussert ausgeklügelt zu sein. Das täusche, sagt der Künstler. Das sei nämlich ganz einfach: «Luftdruck, gute Gelenke, und schon bewegt sich etwas.»

Zwischenspiel in den Hallen für Neue Kunst

Eine weitere Installation von Yves Netzhammer ist in der Nachbarschaft des Museums, in den ehemaligen Hallen für Neue Kunst, zu sehen. Im 2. Obergeschoss, wo das Museum zu Allerheiligen eine neue permanente Sonderausstellung einrichten wird, hat er für die Dauer von zwei Wochen ein künstlerisches Tennisspiel mit Wurfmaschinen und Wandzeichnungen eingerichtet.

Und hier in diesem riesigen Raum mit seinen Säulen gibt es am 5. (19.30 Uhr) und 6. Oktober (17.30 Uhr) auch Tanz: Anna Huber lädt zu einer vom Cellisten Martin Schütz begleiteten Performance.

Die Ausstellung dauert vom 28. September bis 17. Februar 2019. Am 27. November erscheint der Katalog «Yves Netzhammer. Installationen 2008-2018» (hrsg. von Jennifer Burkhard). 48 Franken.

Verfasser: Karl Wüst, ch-intercultur

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