Interview

«Wir hätten die Tournee abbrechen müssen»: Nock-Schwestern sprechen erstmals über Zirkus-Aus

Letzte Woche musste die Zirkusfamilie das Aus des Betriebs melden. Nun geben Franziska, 43 und Alexandra Nock, 41, die beiden letzten Direktorinnen des ältesten Zirkus der Schweiz, zum ersten Mal Auskunft.

Daniel Fuchs
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Franziska (links) und Alexandra Nock: «Der Zirkus war unser Leben. Er wird uns sehr fehlen, vor allem das Leben auf Achse.» (Bild: Alex Spichale / CH Media)

Franziska (links) und Alexandra Nock: «Der Zirkus war unser Leben. Er wird uns sehr fehlen, vor allem das Leben auf Achse.» (Bild: Alex Spichale / CH Media)

Wie war der Gemütszustand in den Tagen, nachdem Sie das Aus für den Zirkus Nock verkünden mussten?

Alexandra Nock: Es schmerzte schon sehr, insbesondere, als wir dann auch sahen, wie die Öffentlichkeit Anteil nahm. Es waren traurige Tage für uns.

Welche Reaktionen bekamen Sie auf Ihren Entscheid?

Franziska Nock: Viele, wir erhielten Briefe und E-Mails von treuen Zirkus-Besuchern aus der Schweiz und aus ganz Europa. Viele zeigten sich traurig, manche räumten aber auch ein, dass sie schon länger nicht mehr einen Zirkus besuchten.

Das muss Ihnen zu denken geben. War es das ausbleibende Publikum, das Ihnen letztlich das Geschäft kostete?

Alexandra Nock: Natürlich, die Einnahmen konnten zuletzt die immer weiter anwachsenden Ausgaben nicht mehr decken. Finanziell ging das Geschäft einfach nicht mehr auf. Wir hätten sofort viel Geld gebraucht, hätten uns fremdverschulden müssen. Doch das wollten wir nicht.

Franziska Nock: Wir sahen einfach ein, dass das Geld nicht mehr ausreichen würde, um auf Tournee zu gehen. Uns hätten die Mittel mitten in der Tournee ausgehen können, so dass wir sie hätten abbrechen müssen. Dieses Risiko wollten wir nicht eingehen.

Wie kam der Entscheid zustande?

Franziska Nock: Das entschieden wir alle zusammen, innerhalb der Familie, das heisst ich, meine Schwester Alexandra sowie unsere Eltern.

Fällt Ihnen das Sprechen darüber leicht?

Franziska Nock: Nein, das Ganze kommt natürlich wieder hoch. Es fällt mir überhaupt nicht leicht. Der Zirkus war unser Leben. Er wird uns sehr fehlen, vor allem das Leben auf Achse.

Alexandra Nock: Aber auch das Sägemehl, die Gerüche, der Austausch mit all den Menschen im Publikum und unter den Artisten.

Und Ihre Kinder? Wie reagierten sie darauf?

Alexandra Nock: Wir besprachen das natürlich auch mit ihnen. Wie wir, sind auch sie mit dem Zirkus aufgewachsen, sie hatten da auch Auftritte.

Ist Ihren Kindern die Tragweite des Entscheids wirklich bewusst?

Alexandra Nock: So ganz konnten sie es, glaube ich, noch nicht fassen. Meine beiden kleineren Kinder sind dazu aber sowieso noch zu jung. Doch mein Älterer ist 14 und ihm ist das schon klar. Er erkennt nun sogar gewisse Vorteile, kann er doch nun hier länger am Stück die Schule besuchen und seinen Freundeskreis pflegen.

Sie Beide hatten ja als junge Menschen ganz auf den Zirkus gesetzt. Wie ist das nun bei Ihrem 14-jährigen Sohn?

Alexandra Nock: Er wird eine Lehre machen, doch das war bereits klar, bevor das Ende unseres Zirkus besiegelt war.

Franziska Nock: Bei meinem Sohn stellt sich diese Frage noch nicht. Er ist jünger, doch auch er wird logischerweise ein Auskommen neben dem Zirkus finden müssen.

Bedeutet das Aus für den Zirkus Nock auch, dass Sie nie wieder Zirkus machen?

Alexandra Nock: Wir sind und bleiben Zirkus-Menschen und hoffen, dass wir dereinst wieder in irgendeiner Form Zirkus machen können.

In welche Richtung könnte das zielen?

Alexandra Nock: Das können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Wir müssen erst einmal verdauen, was geschah. Aber es gäbe schon Optionen.