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Verzweiflung bei «Sion 2026»

Der Bundesrat will eine Milliarde Franken für Olympische Winterspiele in der Schweiz sprechen. Doch der Etappensieg trügt: In zwei Wochen stimmt die Walliser Bevölkerung ab – und sagt wohl Nein.
Dennis Bühler
Jürg Stahl, Präsident von Swiss Olympic. (Cyril Zingaro/Keystone, Sion, 7. Mai 2018 )

Jürg Stahl, Präsident von Swiss Olympic. (Cyril Zingaro/Keystone, Sion, 7. Mai 2018 )

Er schlafe schlecht, sagt Jürg Stahl, und das schon seit Wochen. Inzwischen vergeht kaum noch eine Stunde, ohne dass der Präsident von Swiss Olympic über «Sion 2026» spricht, die Schweizer Kandidatur für die Winterspiele in acht Jahren. Und nun sieht es ganz so aus, als ob ihm die Walliser Stimmbevölkerung einen Strich durch die Rechnung machen würde, noch bevor der Kampf richtig beginnt: Gemäss einer Umfrage im Auftrag des Westschweizer Radio und Fernsehens RTS erteilen 58 Prozent der Stimmberechtigten der Olympiakandidatur eine Absage, bloss 42 Prozent unterstützen sie. Laut Politgeograf Michael Hermann, der mit seinem Institut Sotomo für die Umfrage verantwortlich ist, ist es unwahrscheinlich, dass die Stimmung im Wallis bis zur Abstimmung noch kippt. «Die Meinungsbildung ist sehr weit fortgeschritten», sagt er.

«Es wäre schade, wenn sie zu Mördern eines derart überzeugenden Projektes würden.»
Jürg Stahl, Präsident von Swiss Olympic

Das Resultat betrübt Stahl, der sich sicher ist, dass «Sion 2026» bei der Vergabe der Spiele im September 2019 obenaus schwingen würde: «Es nützt nichts, wenn wir zwar für das Endspiel bereit sind, aber bereits im Viertelfinal ausscheiden.» In gut zwei Wochen, am Sonntag 10. Juni, entscheiden die Walliserinnen und Walliser an der Urne über die finanzielle Beteiligung des Kantons in der Höhe von 100 Millionen Franken. «Ich hoffe, dass sie sich als stolze Bürger erweisen, die etwas Grossartiges auf die Beine stellen wollen», sagt Stahl, der nicht nur oberster Sportler des Landes ist, sondern auch Zürcher SVP-Nationalrat. «Es wäre schade, wenn sie zu Mördern eines derart überzeugenden Projektes würden.»

Von den Bündnern gelernt

Sagt das Wallis Nein, ist der für Stahl und seine Mitstreiter so positive Bundesratsbeschluss Makulatur: Die Landesregierung beantragt dem Parlament, einen Beitrag von bis zu 994 Millionen Franken zu sprechen, sollte die Schweiz den Zuschlag erhalten. Für das Austragungsland stellten die Spiele eine grosse Chance dar, die die Risiken überwiege, heisst es in der bundesrätlichen Botschaft.

An der Höhe der Kreditsumme, die er dem Parlament zur Genehmigung vorlegt, hat der Bundesrat trotz teilweise grosser Bedenken mehrerer Kantone und Verbände in der Vernehmlassung nichts geändert. «Das spielt keine Rolle», glaubt Brigitte Wolf, die Präsidentin der Oberwalliser Grünen. «Denn wir werden das Projekt bereits bei der kantonalen Abstimmung bodigen.» Ihr Nein-Komitee habe in den letzten Monaten stark von den Erfahrungen des erfolgreichen Komitees gegen Winterspiele im Kanton Graubünden profitiert, sagt Wolf. «Wir punkten mit denselben Argumenten: mit den überrissenen Kosten des Projekts, der Unglaubwürdigkeit des Internationalen Olympischen Komitees und unseren Sorgen betreffend Nachhaltigkeit.»

Berner Strafanzeige

Bei Wolfs Gegnern scheint sich derweil Verzweiflung breitzumachen. So hadert der Berner SP-Ständerat Hans Stöckli, der im Kandidaturkomitee als Vizepräsident fungiert, öffentlich mit den überwiegend Olympia-skeptischen Medienschaffenden, deren Berichterstattung er im Gespräch als «eher trauriges Kapitel» bezeichnet. «Mit dem Foulspiel in der letzten ‚Sonntagszeitung’ fand dieses ihren Tiefpunkt», klagt er. Das Blatt hatte kürzlich berichtet, der Berner Regierungsrat habe sich nach einer Unterredung mit Stöckli dafür entschieden, höhere Sicherheitskosten aus Rücksicht auf die bevorstehende Abstimmung im Wallis vorerst zu verschweigen. «Einen derart krassen Verstoss gegen die Regeln habe ich seit meinem Eintritt in die Politik im Jahr 1976 nie erlebt», schimpft Stöckli.

Auch die Berner Kantonsregierung reagierte am Mittwoch ungewohnt heftig: Sie kündigte an, Strafanzeige einzureichen, um so allenfalls zu erfahren, «wie – falsche – Informationen über das vertrauliche Gespräch» an die Medien gelangt sind.

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