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Umfrage zeigt hohe Zustimmung für Organspende-Initiative

Eine von Swisstransplant in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass die Mehrheit der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Organspende-Initiative positiv gegenübersteht. Gleichzeitig wird der Ansatz der Initiative - die sogenannte Widerspruchslösung - kritisch beurteilt.
Die Organspende-Initiative verlangt einen Paradigmenwechsel in der Organspende. (Bild: KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER)

Die Organspende-Initiative verlangt einen Paradigmenwechsel in der Organspende. (Bild: KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER)

(sda)

Die Initiative «Organspende fördern - Leben retten» fordert den Systemwechsel von der expliziten Zustimmung hin zur vermuteten Zustimmung, auch Widerspruchslösung genannt.

Wäre die Initiative Ende August an die Urne gelangt, hätten sich 76 Prozent der Stimmbürger zumindest «eher» für die Initiative ausgesprochen, wie das für die Umfrage verantwortliche Forschungsinstitut GFS Bern auf seiner Homepage schreibt. Elf Prozent hätten zu diesem Zeitpunkt «bestimmt dagegen», sieben Prozent «eher dagegen» gestimmt. Sechs Prozent waren unentschieden.

Die Umfrage zeige generell eine grosse Offenheit der Schweizer Stimmbürger in Bezug auf die Bereitschaft, eigene Organe zu spenden, schreiben die Studienautoren. 74 Prozent der Befragten seien zumindest «eher» zu einer Organspende nach dem Tod bereit.

Zwang zur Entscheidung kommt nicht gut an

GFS Bern weist aber darauf hin, dass sich die Initianten wegen dieses «Startvorteils» nicht allzu stark in Sicherheit wiegen dürfen: Das Thema stosse zwar auf grosse Zustimmung, jedoch halte sich der damit verbundene Problemdruck in Grenzen.

Zudem zeigten sich in der argumentativen Auslegeordnung Hinweise auf Schwachstellen der Initiative. Insbesondere die Problematik einer Organentnahme ohne explizite Zustimmung könnte die Ablehnung der Initiative alimentieren, schreibt GFS Bern.

Die befragten Stimmbürger seien der Meinung, dass man nicht zu einer Entscheidung gezwungen werden solle und dass die Entscheidung für oder gegen eine Organspende immer etwas Persönliches sei. In diese habe sich der Staat nicht einzumischen. Eine Mehrheit halte zudem den Hirntod für umstritten, was eine Organentnahme heikel mache.

«Während die grundsätzliche Problemsicht der Initianten vom Stimmvolk fast vollumfänglich geteilt werde, wird der konkrete Lösungsansatz der Initiative von einer Mehrheit durchaus kritisch gesehen», resümiert das Forschungsinstitut. Nicht nur die Pro-, sondern auch die Contra-Argumente seien «mehrheitsfähig», wie das Forschungsinstitut schreibt.

Ja-Anteil nimmt erfahrungsgemäss ab

Mit dieser Ausgangslage verfüge die Organspende-Initiative über eine wesentliche Schwachstelle und über das Element, das die meisten Initiativen im Verlauf des Abstimmungskampfes zu Fall bringe, halten die Meinungsforscher fest. Werde zu Beginn nämlich meist auf das mit der Initiative adressierte Problem fokussiert, beurteilten die Stimmberechtigten im Verlauf der Hauptkampagne immer stärker die Schwachstellen der Lösung.

Erfahrungsgemäss nehme der Ja-Anteil bei Initiativen insbesondere während des Abstimmungskampfes in den letzten Wochen vor dem Urnengang noch ab. «Ein mehrheitliches Ja zu einem solch frühen Zeitpunkt endet deshalb in den meisten Fällen trotzdem in einem mehrheitlichen Nein an der Urne», heisst es in der Zusammenfassung. Dennoch könne festgehalten werden, dass die derzeitige Ja-Reserve von 26 Prozentpunkten über der absoluten Mehrheit von 50 Prozent Ja überdurchschnittlich hoch sei.

Im September hat der Bundesrat der Initiative einen indirekten Gegenvorschlag gegenübergestellt. Der Bundesrat unterstützt die Widerspruchslösung grundsätzlich, schlägt aber eine Gesetzesänderung vor, die gleichzeitig die Rechte der Angehörigen wahrt.

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