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«They Shoot Horses, Don’t They?» am Zürcher Theater Neumarkt

Das Theater Neumarkt in Zürich darf sich ins Guinessbuch der Rekorde eintragen lassen: Seine Eröffnungsproduktion der neuen Saison, der Tanzmarathon «They Shoot Horses, Don’t They?», dauert 653 Stunden.
Das Theater Neumarkt in Zürich hat die Saison 2019/2020 mit dem Tanzmarathon «They Shoot Horses, Don't They?» eröffnet. (Bild: Keystone/Philip Frowein)

Das Theater Neumarkt in Zürich hat die Saison 2019/2020 mit dem Tanzmarathon «They Shoot Horses, Don't They?» eröffnet. (Bild: Keystone/Philip Frowein)

(sda)

Der Marathon begann vor 27 Tagen anlässlich des diesjährigen Theater Spektakels, setzte sich fort in der Halle des Hauptbahnhofs Zürich und feierte am Mittwoch die Premiere der Bühnenbearbeitung im Neumarkt. Dies erzählt der Master of Ceremony, Mike Bonanno, der das Publikum im kanariengelben Anzug, mit Cowboyhut und Rollschuhen, auf denen er durch den Theaterraum (Laura Knüsel) gleitet, mehrfach begrüsst und fortwährend zum Applaus animiert.

Primetime is Showtime

Applaus für die Tänzerinnen und Tänzer: Acht sind es an diesem Abend, Tausende beteiligten sich am ganzen Marathon, insbesondere im Hauptbahnhof: Pendler, Passantinnen, Touristen. Einige davon waren auch an der Theaterpremiere zu Gast. Applaus! Applaus! Auch für den Musiker, «Mister Rhythm, my brother of another mother», der den Abend mit einem elektronischen Klangteppich unterlegt.

Ein gewiefter Einpeitscher ist das, dieser Master of Ceremony. «Primetime is Showtime», ruft er allenthalben. Ein Auspeitscher auch, der die Tänzerinnen und Tänzer dem Publikum zum Frass vorwirft, der sie mit jovialem Lächeln ausquetscht wie Zitronen - «Keep on moving!» -, bis sie völlig erschöpft nur noch Schatten ihrer selbst sind.

Gestrandete biedern sich an

Er macht sie regelrecht fertig. Das lassen sie sich gefallen, müssen sie sich gefallen lassen, denn sie sind alle Gestrandete, die nichts zu verlieren haben, die sich dem Publikum anbiedern, um zu punkten, um dann vielleicht den grossen Marathon-Preis zu gewinnen und sich ein neues Leben aufzubauen.

Die Produktion, inszeniert von Mike Bonanno, der Co-Direktorin des Theaters, Hayat Erdogan, und Jeremy Nedd, basiert auf dem 1935 veröffentlichten Roman «They Shoot Horses, Don’t They?» des Amerikaners Horace McCoy (1897-1955).

Das Buch spielt in der Zeit der Weltwirtschaftskrise, als in den USA solche Tanzmarathons zur Unterhaltung des Publikums veranstaltet wurden. Sponsoren gab es damals, wie es sie heute gibt. Der Master of Ceremony zählt sie genüsslich alle auf.

Hervorragender Tanz

80 Minuten dauert der Abend. Für die Tänzerinnen und Tänzer in permanenter Bewegung (Choreografie: Jeremy Nedd) sind sie eine körperliche Herausforderung, die sie hervorragend meistern: zu Beginn in Hochform und elegant, später zerknittert und ausgepowert.

Die Bewegung, die tollen Tanzkostüme (Daniela Zorrozua) und die englische Moderation des Masters of Ceremony sorgen dafür, dass auch das Publikum bereitwillig mitmacht. Eine unterhaltsame, eine grelle Show ist dieser Abend, nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Verfasser: Karl Wüst, ch-intercultur

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