Kantone und Bund reagieren auf die Gefahren des Corona-Virus: Tessiner Regierung sagt Grossveranstaltungen ab

Die Tessiner Regierung hat sämtliche noch bevorstehende Fasnachtsveranstaltungen abgesagt. Ausserdem sollen zwei geplante Hockeyspiele vom kommenden Wochenende ohne Zuschauer stattfinden, wie der Regierungsrat am Mittwoch bekannt gab.

Michael Graber und Gerhard Lob aus Locarno
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Die Tessiner Regierung sagt wegen des Coronavirus Fasnachtsveranstaltungen ab.

Die Tessiner Regierung sagt wegen des Coronavirus Fasnachtsveranstaltungen ab.

KEYSTONE/TI-PRESS/PABLO GIANINAZZI

Bislang ist erst ein Fall von Corona-Virus in der Schweiz nachgewiesen, doch gestern kamen neue Verdachtsfälle hinzu. Im Aargau wurde zudem eine Person positiv getestet. Dieses Resultat muss noch bestätigt werden. Das Corona-Virus zieht also weitere Kreise. Bund und Kantone verstärken ihr Abwehrdispositiv.

Gesundheitsminister Alain Berset teilte mit, dass die Testkapazitäten stark erhöht worden sind: «Mittlerweile haben wir zehn Labors, die auf das Virus testen können. So sind wir in der Lage, täglich 1000 Proben zu testen», sagte Berset. Das ist ein markanter Ausbau. Zum Vergleich: Seit Ausbruch sind in der Schweiz 300 Tests vorgenommen worden. Berset sagte auch, dass die Ärzte angewiesen worden seien, mehr Verdachtsfälle zu testen.

In den Spitälern würden nun auch schwererkrankte Personen mit respiratorischen Problemen auf das Corona-Virus getestet. Die angespannte Lage in Italien wirkt sich zudem auf die Asylverfahren aus. Italien übernimmt bis auf weiteres keine Asylsuchenden mehr im Rahmen des Dublin-Systems. Zehn Asylsuchende hätte das Staatssekretariat für Migration in den nächsten Tagen nach Italien zurückführen wollen. Die Flüge wurden annulliert.

Kein Karneval, Geisterspiele und Informationszelte im Tessin

Besonders exponiert ist das Tessin, wo es den ersten Corona-Fall gab. Der Tessiner Staatsrat hat eine Reihe von präventiven Massnahmen getroffen. So dürfen ab sofort keine Grossveranstaltungen wie der Karneval mehr durchgeführt werden. Ebenfalls werden für das kommende Wochenende bei den beiden Eishockey-Matchs im Kanton keine Zuschauer zugelassen.

Die Spiele finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Im März werden zudem alle Schulreisen ins Ausland verboten – die Schulen starten am kommenden Montag aber wieder normal. Der Kanton richtet zudem eine eigene Hotline ein, weil die Linie des Bundes stets überlastet ist und es zu lange Wartezeiten gibt.

Kantonsarzt Giorgio Merlani präzisierte, dass es bisher keinen zusätzlichen Fall gegeben habe. Von den Kontaktpersonen, die mit dem infizierten 70-jährigen Mann in Verbindung standen, sei nur einer eine Verdachtsperson. Merlani erklärte zudem, dass die Angst vieler Menschen das Gesundheitssystem ans Limit bringe, weil viele etwa einen Abstrich machen lassen wollten.

Bei den Notfallaufnahmen der Spitäler werden zusätzliche Zelte installiert, die vor allem zur Information der Bevölkerung dienen. Merlani kritisierte, dass in Spitälern Atemschutzmasken gestohlen worden sind. Die Massnahmen betreffen auch die Journalisten.

Wer an der Medienkonferenz des Tessiner Staatsrates teilnehmen wollte, musste in einer Selbsterklärung unterschreiben, dass er sich nach dem 10. Februar nicht in einer der roten Zonen in Italien aufgehalten habe.