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Süsser Weltrekordversuch: Gigantische Zuger Kirschtorte soll ins Guiness-Buch der Rekorde

Die wohl grösste Zuger Kirschtorte der Welt hat am Samstag in Zug so manchen Magen gefüllt. Eine örtliche Confiserie strebte mit der Produktion des 241 Kilogramm schweren Zuckerbackwerks einen Eintrag im Guinness-Buch an.

Nils Rogenmoser
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Höchstens bruchstückartig hat man sich im Vorfeld den Bau der Kirschtorte mit vier Meter Durchmesser vorstellen können. Eine klassische Kirschtorte wird in fünf Tagen hergestellt – die Confiserie Speck plant an diesem Samstag während nur vier Stunden durch einwandfreies Handwerk, gepaart mit Teamwork, vorgefertigte Zutaten zur übergrossen typisch zugerischen Köstlichkeit zusammenzusetzen, wobei 900 Eier, 23 Kilogramm Mehl oder 100 Liter Kirsch verwendet werden. Herausfordernd sei die Logistik, erzählt Walter Speck, Mitinhaber der Confiserie: «Als offizieller Weltrekordversuch, unterwarf uns Guinness diversen Auflagen. So vermisst ein zertifizierter Eichmeister die Torte, Lebensmittelinspektoren sind vor Ort und zur Beweisführung muss alles gefilmt und dokumentiert werden.»

Ein wenig Bedenken hegt Speck bezüglich der kalten Temperaturen: «In der Backstube arbeiten wir bei 20 Grad Celsius. Ich hoffe, dass die Buttercrème nicht zu hart wird und das Biskuit den Kirschsirup aufsaugt.» Während des Brainstormings zum 125-Jahr-Jubiläum habe sich die Weltrekordversuchsidee herauskristallisiert. Unsere Familie legt Wert auf Qualität und stellt gerne Events auf die Beine – dieser Anlass passt zu uns.» Am Abend werde das Jubiläum mit den Mitarbeitern, von denen viele nicht vor Ort sein können, gebührend gefeiert, fügt Speck schmunzelnd an.

Der Kirsch kommt von oben

Unter der Moderation von Fabienne Bamert, beobachtet von zahlreichen Schaulustigen jeden Alters und aufgenommen von diversen Medienschaffenden beginnt um 10 Uhr das emsige Arbeiten auf der Bühne. In ihren unverkennbar weissen Kitteln und blauen Hauben vereinen die zehn Konditoren Konzentration und Hingabe, als sie vorsichtig das Biskuit auf dem Japonais-Tortenboden platzieren. Sowohl Vertreter der vierten als auch der fünften Generation der Familie Speck legen Hand an. Das Tränken des Biskuits mit dem Kirschlikör bildet ein erstes Highlight. Um die Mitte der Torte zu erreichen, wurde das Unternehmen alpinwork engagiert, das in der Regel Felssicherungsarbeiten verrichtet. Der Stellvertretende Geschäftsführer Christoph Linder erläutert: «Von oben kann ich mit meinem Kollegen Seile auf- und ablassen und dadurch eine Bahre dreidimensional in der Luft steuern.» Die ganze Zeit über hängt das Zweierteam in den Seilen – die beste Aussicht ist ihnen aus der Vogelperspektive sicher.

Es mutet etwas surreal an, als Peter Speck, auf der Bahre schwebend und von der Masse bejubelt, stilsicher den Kirschlikör gleichmässig auf dem Biskuit verteilt. Danach folgt Schlag auf Schlag das Aufstreichen der Buttercrème, das Einstreuen des Randes und das Bestäuben der Torte mit Puderzucker. Schliesslich wird das unverkennbare Gittermuster gezogen und das Speck-Logo angefügt. Sogar früher als geplant stellen die sichtlich stolzen Konditoren den riesigen Leckerbissen fertig.

Anschliessend können die hungrigen Besucher davon naschen – Kindermäuler ausgenommen, versteht sich. Kathrin Kündig hat der Besuch gefallen: «Ich finde es eine lustige und schöne Idee. Vorgängig habe ich davon gelesen und meinen Einkauf damit verbinden können.» Ob es mit dem Weltrekord geklappt hat, wird Guinness in den nächsten Wochen bekanntgeben – das Stück Torte wird so oder so gemundet haben und der Anlass für lange Zeit in positiver Erinnerung bleiben.

Am Weltrekordversuch für die grösste Zuger Kirschtorte aus 100 Litern Kirschlikör, 18 Kilogramm Butter, 23 Kilogramm Mehl und über 900 Eier fehlt nur noch der letzte Schliff: das Gittermuster.
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Der Boden der Torte und das Biscuit werden zusammengesetzt beim Weltrekordversuch der grössten Zuger Kirschtorte.
Bau der grössten Kirschtorte der Welt: Und noch mehr Buttercreme.
Auf der Zielgerade: Zum Schluss wird der vier Meter Durchmesser grosse Kuchen mit Puderzucker bestäubt.
Beim Weltrekordversuch der grössten Zuger Kirschtorte wird es akrobatisch: Um die 100 Liter Kirschlikör gleichmässig zu verteilen, fliegt ein Bäcker mit der Giesskanne über den Kuchen.
Die Mutter der Speck-Söhne war auch ganz begeistert vom Rekordversuch.
 Peter Speck ist bereit für den Kirschbefüllungsflug.
Peter Speck im Anflug.

Am Weltrekordversuch für die grösste Zuger Kirschtorte aus 100 Litern Kirschlikör, 18 Kilogramm Butter, 23 Kilogramm Mehl und über 900 Eier fehlt nur noch der letzte Schliff: das Gittermuster.

Keystone/ALEXANDRA WEY

Die Torte wurde im Anschluss in zirka 3300 Stücke geschnitten und an Passantinnen und Passanten verteilt. Die Zuger Kirschtorte wurde 1915 in der Stadt Zug erfunden. Im Kanton Zug werden laut Nachrichtenagentur sda pro Jahr etwa 250'000 Kirschtorten mit rund 15'000 Litern Kirsch hergestellt.

Das Herstellungsverfahren ist seit 100 Jahren gleich, mit Ausnahme gewisser technischer Fortschritte und veränderten Zutaten. Für die Zuger Kirschtorte gelten seit 2015 strenge Regeln: Seit die alkoholhaltige Süssigkeit im Register der geschützten geografischen Angaben steht, darf für die Herstellung ausschliesslich Zuger Kirsch oder Rigi Kirsch verwendet werden. Sie darf maximal 45 Millimeter hoch sein und muss mindestens 8 Zentimeter Durchmesser aufweisen.