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Siroop-Flop ärgert Politiker

Für wirtschaftsliberale Politiker zeigt der Millionenverlust der Swisscom mit der Handelsplattform Siroop die Risiken von Staatsbetrieben exemplarisch auf. Für sie gehört das Telekomunternehmen privatisiert.
Roger Braun
Auf Ende Jahr schliesst der Online-Shop Siroop. Zurück bleiben Millionenverluste bei Coop und Swisscom. (Quelle: PD)

Auf Ende Jahr schliesst der Online-Shop Siroop. Zurück bleiben Millionenverluste bei Coop und Swisscom. (Quelle: PD)

Eine Schweizer Alternative zu Amazon: Das war das Ziel von Coop und Swisscom, als sie im November 2015 die Handelsplattform Siroop aus der Taufe hoben. Zweieinhalb Jahre später endet das Abenteuer mit einem Millionenverlust. Mittendrin: die Swisscom, die mehrheitlich dem Bund gehört und Millionen von Franken verloren hat.
«Ich weiss nicht, wie viel Geld unsere Bundesbetriebe noch verbrennen müssen, um endlich die richtigen Lehren zu ziehen», ärgert sich FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen (BE). Für ihn ist der Fall Siroop bezeichnend für die fehlgeleitete Strategie vieler Bundesbetriebe in der digitalen Welt. «Anstatt mit etablierten, durchaus auch ausländischen Anbietern zusammenzuarbeiten, versucht man immer alles selbst zu machen», sagt er. Er verweist auf die ­pannenanfällige Bezahl-App «Twint», die von der Postfinance entwickelt wurde und inzwischen mit «Paymit» der Schweizer Banken zusammengelegt wurde – allerdings weiterhin in harter Konkurrenz zum leistungsfähigen «Apple Pay» steht.

Zu spät, zu viel Konkurrenz

Für Wasserfallen stand das Siroop-Investment von Beginn weg unter einem schlechten Stern. «Ich habe nie verstanden, wieso die Swisscom in einen Markt drängt, in dem grosse Anbieter wie Amazon, Galaxus oder Digitec das Terrain bereits besetzt ­haben», sagt er. Er fordert mehr Zurückhaltung im digitalen ­Geschäft und mehr Raum für ­private Firmen. «Der Bundesrat müsste als Eigner viel härter darauf pochen, dass die Investitionen dorthin fliessen, wo es auch wirklich einen staatlichen Auftrag gibt», sagt er. Alternativ sei ein Teil der Swisscom zu privatisieren, der dann auch entsprechende geschäftliche Risiken eingehen könne.

«Der Millionenflop bei Siroop zeigt, dass der Bund seine Eignerstrategie überdenken muss», sagt SVP-Ständerat Alex Kuprecht (SZ).

Von Beginn skeptisch war auch SVP-Ständerat Alex Kuprecht (SZ). Kurz nachdem Swisscom entschieden hatte, Siroop zu lancieren, fragte er den Bundesrat, ob die Risiken dieses Investments für einen Bundesbetrieb nicht zu hoch seien und wo die Grenzen der Expansionsstrategien lägen. Auch hinterfragte er die Rolle von Hansueli Loosli, der nicht nur die Swisscom, sondern auch Coop präsidiert. Der Bundesrat sah keinen Handlungsbedarf. Er wolle über die – abstrakt gehaltenen – strategischen Ziele hinaus keinen Einfluss auf die Entscheidungen des Unternehmens nehmen, erklärte die Landesregierung. Swisscom teilt auf Anfrage mit, dass sich Loosli an den Entscheidungen zu Siroop nicht beteiligt habe und in den Ausstand getreten sei. Im Übrigen seien «internetbasierte Geschäfte» über die strategischen Ziele des Bundes abgedeckt. Über den entstandenen Schaden macht die Swisscom keine An­gaben. Beobachter gehen von ­Dutzenden von Millionen aus. Kuprecht fühlt sich in seinen ­Befürchtungen bestätigt. Er sagt: «Der Millionenflop bei Siroop zeigt, dass der Bund seine Eignerstrategie überdenken muss.»

«Bürger sind unfreiwillige Risikokapitalgeber»


Für FDP-Ständerat Andrea Caroni (AR) zeigt Siroop das Dilemma der Swisscom auf. Einerseits müsse der Bundesbetrieb die Grundversorgung sicherstellen, andererseits sich als Technologieunternehmen weiterentwickeln. Er sieht nur eine Lösung, diesen Zielkonflikt aufzulösen: die Privatisierung. «Wir brauchen Staatsbetriebe nur dort, wo sie absolut nötig sind», sagt er. Bei der Swisscom sei das nicht der Fall. Stattdessen solle der Bund dort Leistungsaufträge ausschreiben, wo es im öffentlichen Interesse ist, daneben wäre die Swisscom frei, geschäftliche Risiken auf eigene Kosten einzugehen. Die heutige Lösung findet er hingegen unbefriedigend, da der Steuerzahler für Investitionsflops wie bei Siroop haftet. «Die Bürger sind unfreiwillige Risikokapitalgeber für Hochrisiko-Investments unserer Staatsbetriebe», sagt er. «Das geht nicht.»
Die Privatisierung der Swisscom wird von Vertretern der SVP und FDP immer mal wieder gefordert. Bisher erfolglos. Zuletzt lehnte der Nationalrat vor rund einem Jahr einen entsprechenden Vorstoss mit 114 zu 55 Stimmen ab. CVP-Nationalrat Martin Candinas (GR) warnt denn auch. «Mit einer Privatisierung würden die Kosten für die Grundversorgung zunehmen. Viele Talschaften würden zudem Gefahr laufen, technologisch abgehängt zu werden.» Den Millionenverlust durch Siroop findet Candinas zwar «unschön». Er sagt aber auch: «Wer keine Risiken eingeht, gewinnt auch nicht.»

«Wir brauchen Staatsbetriebe nur dort, wo sie absolut nötig sind», sagt FDP-Ständerat Andrea Caroni (AR).

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