Selbst beim Zaubern werden Frauen schlechter beurteilt

Menschen beurteilen Zaubertricks einer Frau als weniger beeindruckend als die eines Mannes. Das zeigt eine Studie der Universität Freiburg. Allerdings fanden die Forschenden auch ein Gegenmittel gegen die Bewertungsunterschiede.

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Zauberkünstler Uri Geller mit einem verbogenen Löffel. (Bild: KEYSTONE/AP/HERMANN J. KNIPPERTZ)

Zauberkünstler Uri Geller mit einem verbogenen Löffel. (Bild: KEYSTONE/AP/HERMANN J. KNIPPERTZ)

(sda)

Vorurteile sind hartnäckig. Bereits 1968 beurteilten Probandinnen einen Artikel kritischer, wenn der Name einer Frau darüber stand, als wenn der Name einen männlichen Autor verriet. Vor allem, wenn es um (damals) Männer-dominierte Themenbereiche wie Stadtplanung und Justiz ging.

Auch 50 Jahre später weisen Forschende der Universität Freiburg diese Schlagseite bei der Beurteilung gleicher Leistung der beiden Geschlechter noch nach, wie die Uni Freiburg am Montag mitteilte. Nun auch bei einer Domäne, die bisher weniger im Fokus der Geschlechterforschung stand: der Zauberkunst.

Nathalie oder Nicolas

Das Team um Pascal Gygax liess 64 junge Probanden, davon 33 weiblich, jeweils 14 Videos von Zaubertricks beurteilen. In den Filmszenen waren allerdings nur mit weissen Handschuhen bedeckte Hände und bedeckte Arme zu sehen. Die eine Hälfte der Probanden erhielt die Information, die Tricks würden durch Nathalie ausgeführt. Der anderen Hälfte teilten die Forschenden mit, ein Mann namens Nicolas sei der Magier hinter den Tricks.

Die Probanden beurteilten die angeblich durch Nathalie ausgeführten Tricks als weniger gut und beeindruckend als die identischen Tricks von Nicolas, wie die Forschenden im Fachblatt «Social Psychological Bulletin» berichten. Tatsächlich wurden die Tricks von einer Frau und einem Mann ausgeführt, was aber an den Videosequenzen durch Handschuhe und lange Ärmel für die Probanden nicht erkennbar war.

Zusatzaufgabe hebt Vorurteil auf

Allerdings liess sich dieser Bewertungsunterschied in einem zweiten Experiment aufheben: Hierbei sollten 173 Probanden (davon 107 weiblich) nicht nur Bewertungen abgeben, sondern auch Erklärungen für die vorgeführten Tricks finden. Der Unterschied in der Beurteilung von Nicolas und Nathalie verschwand praktisch komplett.

Die Forschenden vermuten, dass die Aufgabenstellung im zweiten Experiment die Probanden dazu brachte, eine andere mentale Strategie zur Bewertung der Zaubertricks einzusetzen. Den Studienautoren zufolge ist es schwieriger, einen Trick negativ zu bewerten, wenn man ihn nicht erklären kann.

Zauberei ist ein Zweig der Unterhaltungsindustrie der stark von Geschlechterstereotypen geprägt sei, halten die Forschenden im Fachartikel fest. Zauberer wie Houdini prägten eine Betonung der Männlichkeit, Frauen tauchten lange fast nur in der Assistentinnen-Rolle auf und wurden als schwach und verletzlich dargestellt.

https://spb.psychopen.eu/article/33574/