Schockbilder gegen Deutschschweizer Touristen: Tessiner CVP-Präsident ist unzufrieden mit dem Bundesrat

Trotz Coronavirus reisen noch immer Deutschschweizer Touristen in den Kanton Tessin. Im Maggiatal werden sie nun mit drastischen Bildern empfangen. Aufgehängt hat sie CVP-Präsident Fiorenzo Dadò. Er findet, der Bundesrat hätte den Gotthard für Touristen verriegeln müssen.

Kari Kälin
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Drastische Bilder zur Begrüssung: So will Fiorenzo Dadò Deutschschweizer Touristen für die Coronaregeln sensibilisieren.

Drastische Bilder zur Begrüssung: So will Fiorenzo Dadò Deutschschweizer Touristen für die Coronaregeln sensibilisieren. 

Bild: zvg

Abgebildet ist eine Person auf der Intensivstation, darunter der Schriftzug: «Möchtest du so enden? Wir bleiben zu Hause». Diese Schockbilder hat Fiorenzo Dadò, Kantonsrat und Präsident der Tessiner CVP, an einer Brücke eingangs des Maggiatals aufgehängt. Dadò, wohnhaft in Cevio im Maggiatal, hat beobachtet, dass sich weiterhin Deutschschweizer Touristen zu ihren Ferien- und Zweitwohnungen ins Tessin begeben – trotz des Appells des Bundesrats, des Tessiner Regierungsrats und Tessiner Persönlichkeiten wie Schönheitskönigin Christa Rigozzi, den Südkanton zu meiden.

«Viele Menschen bleiben nur zu Hause und passen auf, wenn sie Angst haben, zu erkranken, im Spital zu landen und sogar zu sterben»

, begründet Dadò die drastische Bildsprache. Die Gefahr, das Tessiner Gesundheitssystem zu überlasten, bleibe real.

Fiorenzo Dadò.

Fiorenzo Dadò.

Dadò befürchtet, dass die leichten Signale der Entspannung, die rückläufigen Infektionszahlen, viele Deutschschweizer, aber auch Einheimische dazu verleiten, vermehrt im Tessin Ausflüge zu unternehmen. Der CVP-Kantonsrat kritisiert den Bundesrat, dass er es beim Aufruf daheim zu bleiben belassen habe, anstatt den Reiseverkehr ins Tessin über Ostern ganz zu verbieten. «Die Situation verschärft sich wegen des sonnigen Wetters. Es ist eine Illusion zu glauben, dass die Informationskampagne der Polizeien die Menschen davon abhält, über den Gotthard oder den San Bernardino in den Süden zu fahren.» Damit würden aber die Anstrengungen der Tessiner zunichte gemacht. Der Kanton Tessin ist am stärksten vom Coronavirus betroffen. Bis am Donnerstag wurden 2724 Personen positiv auf das Virus getestet und 219 Todesopfer registriert. Die Regierung hat zudem Massnahmen zur Eindämmung des Virus erlassen, die noch weiter gehen als die Einschränkungen des Bundesrats. Senioren dürfen zum Beispiel Senioren am Vormittag nur bis zehn Uhr selber einkaufen.

Unbekannte haben die Plakate entfernt

Dadò kritisiert, vielen Deutschschweizern fehle das Bewusstsein für die Tessiner Notlage. Deshalb brauche es drastische und schmerzhafte Botschaften, um die Menschen zum Nachdenken anzuregen. Dadò glaubt nicht, dass die Deutschschweizer wegen den Plakaten umkehren. «Aber ich verspreche mir von meiner Aktion, dass sie für das Problem sensibilisiert werden und sich besser an die Coronaregeln halten», sagt er. Am Donnerstag hingen die Plakate aber plötzlich nicht mehr an der Brücke, wie das Onlineportal ticinonews.ch berichtet. Wer sie entfernt hat, weiss weder die Gemeinde Avegno noch Dadò. Falls er sie wieder finde, werde er die Plakate wieder montieren, sagt Dadò. Jene, die sie entfernt hätten, würden die Interessen von wenigen vertreten zu Lasten der Gesundheit der Allgemeinheit. «Sie sollen eine Gewissensprüfung machen und Verantwortung übernehmen.»

Zahlreiche Tessiner Gemeinden setzen derweil auf mildere Massnahmen als Furcht einflössende Bildbotschaften. Sie haben Deutschschweizer Zweitwohnungsbesitzer in Briefen aufgefordert, das Tessin zu meiden. Derweil erzählt man sich bereits Episoden von Deutschschweizern, welche Autonummern abmontieren, um nicht den Unmut der Einheimischen auf sich zu ziehen.

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