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Ruedi Häusermanns «Henosode» kommt in Zürich zur Uraufführung

Das Schauspielhaus Zürich bringt am 29. Januar in der Schiffbau-Box den Theaterabend «Henosode» von Ruedi Häusermann zur Uraufführung. Ein Probenbesuch.
Das Henosode-Quartett und Klaus Brömmelmeier mit der Flüstertüte proben für den Theaterabend «Henosode» von Ruedi Häusermann. Uraufführung ist am 29. Januar 2019. (Bild: Schauspielhaus Zürich)

Das Henosode-Quartett und Klaus Brömmelmeier mit der Flüstertüte proben für den Theaterabend «Henosode» von Ruedi Häusermann. Uraufführung ist am 29. Januar 2019. (Bild: Schauspielhaus Zürich)

(sda)

Ein Raum der Verheissung? Des Rückzugs? Der Konzentration? Das alles könnte das schlichte Bühnengeviert sein, wo sich Ruedi Häusermanns jüngstes Werk, seine zehnte Arbeit am Schauspielhaus Zürich, abspielen wird. An der rechten und der hinteren Wand eine Galerie, die links in eine Treppe hinunter ins Erdgeschoss mündet. Von hier gehen vier Türen und ein Fenster ins (N)Irgendwo. Notenständer, Stühle, ein Klavier, ein übereck platziertes Podest lassen den «Salon des Gelingens» erahnen, wie das Stück im Untertitel heisst.

Davon ist momentan noch nichts zu sehen. Dafür steht da der Komponist und Regisseur Häusermann und erklärt den vier Musikern und sieben Darstellern ruhig und leise die zu spielende Szene. Und versichert sich zum Schluss: «Seid ihr zufrieden?»

Die Topfpflanze schauderts

Dann gehts los. Durchzug Salon 1. Der Wind wimmert und summt durch den Raum, zupft an den Topfpflanzen, bauscht den Vorhang am Fenster, lässt die Streicher tremolieren. Eine rätselhaft sinnliche Szene, die sich kaum in Worte fassen lässt, aber typisch ist für Häusermann. Für ihn, der wie ein spielendes Kind Klängen, Gesten, Zufällen Ernsthaftigkeit und Poesie verleiht.

Doch Spiel, Impro und Zufall können kaum durch einen ganzen Abend tragen. Das wird sofort klar, wenn Häusermann einen mehrere A4-Seiten langen Kartonleporello auffächert. In verschiedenen Farben reiht sich da Kolonne an Kolonne: eine Art akribisches Drehbuch, das Szenerie, Handlung, Positionen, Text und Musik festhält - ein erstaunlich wohl strukturiertes Zauberreich!

Am Anfang und lange vor der szenischen Einrichtung, sagt Häusermann, stehen die komplexem Quartettkompositionen, bezeichnenderweise in einer betont runden, warmen Besetzung mit Geige, zwei Bratschen und Cello. Zu diesem Zeitpunkt habe er noch gar keine Bilder oder gar Aktionen im Kopf. Zusammen mit den Quartettisten werden dann in einem langwierigen und intensiven Prozess Klänge, Artikulations- und Spielweisen gesucht, probiert, ausgelotet, die oft an der Grenze zum Geräusch und zur Hörbarkeit angesiedelt sind.

Es sei eine Musik, der man sich zuwenden müsse, weil sie einen in überraschende, ungewohnte Bereiche führe; absichtslose Musik, die durch ihre Offenheit nichts und alles evozieren kann. Genau wie die szenischen Bilder, die Häusermann und sein Team schrittweise um diese Klangwelt herum gruppieren.

Auch diese lassen der Fantasie des Zuschauers grossen Spielraum. Sie sind sozusagen nur Ansporn, die eigene Einbildungskraft in Gang zu setzen. Häufig sind es flüchtige, fast traumartige Sequenzen wie die eingangs beschriebene Windszene. Oder wallende Nebelschwaden, wandernde Schattenbilder, geheimnisvolle Lichtreflexe, sachter Schneefall, verhallender Glockenklang.

Blick aufs Nebensächliche

Häusermanns Klangwelten verbinden sich kongenial mit ausgewählten Texten von Karl Valentin, Loriot und vor allem Robert Walser. Allen gemeinsam ist der konzentrierte Blick auf nebensächliche Dinge und Situationen, denen man gemeinhin keinen Wert beimisst. Die objektiv und aus zielgerichteter Warte tatsächlich kaum von Bedeutung sind. Die aber, so Häusermann, durch unsere Hinwendung ihren Wert bekommen. Eine Haltung, die sich die Erwachsenen abgewöhnt haben, die es sich jedoch wenigstens einen magischen Theaterabend lang zurückzuerobern gelte.

Man müsse, so seine Überzeugung, jene Kräfte pflegen, wo der gradlinige Verstand versage. So wird denn der Bühnenraum unversehens zur Spielwiese für den Musiker, der ebenso sehr Theatermann ist, und seine Spielgefährten. Damit trifft er den Kern eines Phänomens, das man als «Urtheater» bezeichnen könnte. Nämlich die Erschaffung einer Welt, die zwar auf Illusion beruht, die aber dank unserer Konzentration und Bereitschaft, sie als Schein zu akzeptieren, real wird. Mitunter mit Augenzwinkern und feinem Humor.

«Henosode» - nun, dann ist es halt so! Auch der Titel des Abends ist typisch Häusermann. Dass darin ein Prise Resignation mitschwingt, mag er nicht glauben. Er empfindet das Wort viel eher als Ausdruck heiterer Gelassenheit, als Zeichen, dass man die Tür einen Spalt offenlässt. Gerade weit genug, damit ein überraschender Ton, ein Duft, ein Lichtstrahl einzudringen vermag. Und immer wieder zum Staunen verleitet.

Verfasser: Bruno Rauch, ch-intercultur

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