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Gescheiterter Luxusauto-Händler muss sechs Jahre ins Gefängnis

Das Lenzburger Bezirksgericht spricht Riccardo Santoro schuldig. Der Anwalt des Luxusautoverkäufers wird das Urteil anfechten.
Noemi Lea Landolt
Wegen Betrug, Misswirtschaft und anderer Delikte muss ein ehemaliger Luxusauto-Händler für sechs Jahre ins Gefängnis. Dies entschied das Bezirksgericht Lenzburg (Symbolbild). (Bild: Keystone/ALESSANDRO DELLA BELLA)

Wegen Betrug, Misswirtschaft und anderer Delikte muss ein ehemaliger Luxusauto-Händler für sechs Jahre ins Gefängnis. Dies entschied das Bezirksgericht Lenzburg (Symbolbild). (Bild: Keystone/ALESSANDRO DELLA BELLA)

Am Mittwoch hat das Bezirksgericht Lenzburg in einem der grössten Fälle von Wirtschaftskriminalität im Kanton Aargau ein Urteil gefällt. Die Richter haben Riccardo Santoro des gewerbsmässigen Betrugs, der Misswirtschaft, Veruntreuung, Urkundenfälschung und der ungetreuen Geschäftsbesorgung schuldig gesprochen. Sie verurteilten den ehemaligen Inhaber der Garage SAR Premium Cars in Dintikon, die Luxusautos zum Leasing angeboten hatte, zu einer Gefängnisstrafe von sechs Jahren. Der damaligen Leasing-Partnerfirma Fidis Finance AG sprach das Gericht Schadenersatz von gut 12 Millionen Franken zu. Nur in einigen wenigen Anklagepunkten wurde Santoro freigesprochen – entweder wegen Verjährung oder wegen des Grundsatzes «Im Zweifel für den Angeklagten». Als Zusatzstrafe aus früheren Verfahren verhängte das Gericht eine unbedingte Geldstrafe von 320 Tagessätzen à 80 Franken. Dazu kommen Verfahrenskosten und eine Ersatzforderung.

Freispruch gefordert

Der 47-Jährige hatte die Hände während der Urteilseröffnung zuerst unter dem Bauch und später hinter dem Rücken verschränkt und lauschte den Ausführungen, ohne dabei gross eine Miene zu verziehen. Während des dreitägigen Prozesses Anfang Januar führte er aus, er sei anders, als er in den Medien dargestellt werde. Ein «ganz normaler Mensch, der nur arbeiten und Geld verdienen wollte». Er sei kein Autokönig und auch kein Märchenerzähler (die AZ berichtete). Santoro wies jegliche Schuld zurück. Sein Verteidiger kritisierte in seinem Plädoyer, die Staatsanwaltschaft habe sich vom Anwalt der Leasingfirma beeinflussen lassen und kein faires Verfahren geführt. Die Chefetage der Fidis AG habe über Jahre von den Leasingraten profitiert. Er verlangte einen vollumfänglichen Freispruch und zudem eine Genugtuung von 30 000 Franken, weil sein Mandant in den Medien vorverurteilt worden sei. Die Lenzburger Bezirksrichter glauben Santoro, dass er nicht von Anfang an unlautere Absichten hatte. «Aber er hat sich übernommen, konnte sich sein Scheitern nicht eingestehen und hat eine kriminelle Energie entwickelt», sagte Gerichtspräsident Daniel Aeschbach. Während des Prozesses habe er selber gesagt, er sei «nur» Automechaniker und seine Stärken würden beim Verkauf von Fahrzeugen liegen. Für die Richter ist klar, dass er sich in Funktionen begeben hatte, für die er «fachlich nicht geeignet» war. «Er hat ein Leasing-Modell entwickelt, das geradezu toxisch war», sagte Aeschbach. Sein Verschulden wiege schwer. Das Gericht sprach aufgrund der Gläubigerforderungen von einem Verlust von über 36 Millionen Franken. Er habe vorsätzlich gehandelt. Es sei ihm um «die Befriedigung seines Egos gegangen», so Aeschbach. Obwohl er den «wirtschaftlichen Nonsens» viel früher hätte stoppen können, habe er weitergemacht. Während des Strafverfahrens habe er sich immer als Opfer gesehen und die Fehler anderen und nicht sich selber zugewiesen.

«Bedauerliches» Urteil

Anders als die Verteidigung findet das Bezirksgericht nicht, dass die Staatsanwaltschaft in diesem Fall als Marionette der Leasingfirma gehandelt hatte. «Die Fidis war nie verantwortlich für Handlungen oder Unterlassungen der SAR Premium Cars», stellte Aeschbach klar. Das Urteil sei «bedauerlich», sagte der Verteidiger nach der Urteilseröffnung. Er bemängelt, dass Verurteilungen aufgrund «beweisloser Situationen» erfolgt seien. Es sei auf Urkunden abgestützt worden, die zum Teil aus Sicht der Verteidigung nicht verwertbar seien, da sie unter Manipulationsverdacht stünden. Er werde zusammen mit seinem Mandanten das begründete Urteil studieren. Es könne aber davon ausgegangen werden, dass sie das Urteil ans Obergericht weiterziehen würden. Der Staatsanwalt hatte für Santoro eine siebenjährige Haftstrafe gefordert. Entsprechend zufrieden ist er mit dem Urteil. Ebenso der Anwalt der Leasingfirma Fidis. Das Urteil bestätige die Position seiner Klientin als Opfer von Riccardo Santoro und mache deutlich, dass sie nicht die Verantwortung für sein Verhalten trage.

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