Neuer Direktor modernisiert Strafvollzug auf dem Thorberg

Der neue Direktor der Justizvollzugsanstalt Thorberg im Kanton Bern, Hans-Rudolf Schwarz, führt einige Neuerungen ein. So kommen künftig Straftäter zuallererst in eine Eintrittsabteilung, wo ihre Stärken und «risikoorientierten Defizite» abgeklärt werden.

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Unter anderem in einer Schreiner- und Korbmacherwerkstatt wird abgeklärt, welche Fähigkeiten neu eintretende Thorberg-Gefangene haben.
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Blick auf einen Innenhof, die Kapelle und einen Zellentrakt der Justizvollzugsanstalt Thorberg.

Unter anderem in einer Schreiner- und Korbmacherwerkstatt wird abgeklärt, welche Fähigkeiten neu eintretende Thorberg-Gefangene haben.

KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA VALLE
(sda)

Danach werden für jeden Gefangenen individuelle Ziele erstellt, wie Schwarz am Dienstag an einer Medienkonferenz auf dem Thorberg sagte. Mit einem verstärkt interdisziplinär ausgerichteten Prozess soll angestrebt werden, dass die Gefangenen die Ziele erreichen.

Auf Anfrage sagte Benjamin Brägger, diese Neuerungen seien «absolut notwendig und richtig». Denn sie entsprächen den Anliegen der Revision des Schweizerischen Strafgesetzbuchs von 2007.

Damals sei festgehalten worden, dass der Strafvollzug das soziale Verhalten des Gefangenen zu fördern habe, insbesondere die Fähigkeit, straffrei zu leben. Brägger ist Sekretär des Strafvollzugskonkordats Nordwest- und -Innerschweiz, zu dem der Kanton Bern gehört, und untersuchte 2014 als externer Experte die Zustände auf dem Thorberg.

Laut Brägger sieht das Strafgesetzbuch auch vor, dass das Anstaltspersonal zusammen mit dem Gefangenen einen Vollzugsplan erstellt. Diese Anforderungen würden nun auf dem Thorberg mit Verspätung erfüllt. Noch vor sechs Jahren habe es dort fast keine solchen Vollzugspläne gegeben.

Einen Schritt weiter als die meisten Justizvollzugsanstalten von heute gehe Thorberg-Direktor Schwarz mit dem Plan, eine Eintrittsabteilung zu schaffen und den Vollzugsplan interdisziplinär umzusetzen. Das sei «modern», so Brägger. Als ehemaliger Direktor der Justizvollzugsanstalt Witzwil BE mit ihrem offenen Vollzug sei Schwarz für die Umsetzung dieser Pläne die richtige Person.

Gelinge die Umsetzung, erfolge dies zum Nutzen sowohl von Gefangenen als auch der Gesellschaft.

Unruhige Zeiten hinter sich

Die Sicherheitsdirektion des Kantons Bern lud die Medien am Dienstag aufs Gelände bei Krauchthal BE, weil der Thorberg bewegte Zeiten hinter sich hat. Eine Sonderprüfung der kantonalen Finanzkontrolle ergab im September 2018, dass das Amt für Justizvollzug seine Führungsaufgabe auf dem Thorberg nur ungenügend wahrnimmt.

Seit 2014 kam es dort zu zwei Abgängen von Direktoren; der jetzige Direktor Schwarz ist seit Anfang Jahr im Amt.

Der Thorberg ist eine von elf Justizvollzugsanstalten des Strafvollzugskonkordats Nordwest- und Innerschweiz. Bis zu 180 Insassen nimmt sie auf, für 130 Personen ist sie Arbeitgeberin. Der Thorberg dient unter anderem dem Vollzug von langen Freiheitsstrafen, von stationären therapeutischen Massnahmen und von Verwahrungen.

Schwarz stellte am Dienstag eine ganze Reihe von weiteren Neuerungen vor, so unter anderem, dass eine ganze Reihe von Kaderleuten ihre Büros künftig in den Zellentrakten haben. Bisher arbeiten sie im historischen Schloss auf dem Anstaltsareal. Schwarz will, dass diese Leute näher bei den Gefangenen sind.