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Der Bodensee hat plötzlich eine neue Insel

Faszinierende Auswirkung des wasserarmen Jahres: Vor den Rheindämmen am Oberen Bodensee hat sich eine Insel gebildet. Sie dürfte im Frühjahr wieder verschwinden, wenn der Rhein mehr Wasser führt und der Seepegel steigt.
Marcel Elsener
Siehe da: Der Bodensee hat eine neue Insel. (Bild: Benjamin Manser)

Siehe da: Der Bodensee hat eine neue Insel. (Bild: Benjamin Manser)

Piloten und Wassersportler in der Bregenzer Bucht wissen schon seit Monaten davon, doch für den Grossteil der Öffentlichkeit ist es eine Sensation: Vor der Rheinmündung bei Hard hat sich diesen Sommer im Bodensee eine Sandinsel gebildet, die nun zunehmend sichtbar ist. Die Insel liegt 300 Meter vor den sogenannten Vorstreckungsdämmen des Rheins und ist gut 100 Meter lang und 20 Meter breit. Mit Freuden benutzt wird das fragile Gebilde bereits von Wasservögeln, doch Menschen – namentlich Schlauchböötler und Touristiker – sollen sich langfristig keine Hoffnungen machen: Im nächsten Frühjahr, wenn der Rhein mehr Wasser führt und der Seepegel ansteigt, dürfte die Sandbank wieder verschwunden sein.

Ein natürlicher Prozess in einer grösseren Flussmündung, doch in diesem Fall auch für die Internationale Rheinregulierung aussergewöhnlich genug für eine Mitteilung: Dass eine Insel in dieser Grösse entstehen konnte, liege am «heurigen hochwasserfreien Abflussgeschehen». Aufgrund des ungewöhnlich niedrigen Seewasserstands sei sie nun «seit einigen Monaten mit freiem Auge gut erkennbar».

Keine Illusion, sondern temporäre Realität: Die Insel vor den Rhein-Vorstreckungsdämmen im See. (Bild: IRR)

Keine Illusion, sondern temporäre Realität: Die Insel vor den Rhein-Vorstreckungsdämmen im See. (Bild: IRR)

Vorläufig noch keine Ausbaggerungen nötig

Die jährlich zwei bis drei Millionen Kubikmeter Sand, die der Rhein in den Bodensee schiebt, führen zu natürlichen Ablagerungen und einem fortschreitenden Verlandungsprozess. Dieser kommt laut der Mitteilung vielerorts in den Alpen vor, beispielsweise am Ticino im Lago Maggiore, an der Reuss im Untersee, an der Aare im Bielersee oder an der Bregenzerach im Bodensee. Die Hochwassersicherheit – erstes Anliegen der Rheinregulierung – sei durch diese Verlandungs­erscheinungen nicht beeinträchtigt; auf beiden Seiten der Insel, vor allem auf der rechten Seite (Richtung Bregenz), halte eine Tiefenrinne «mehr als das erforderliche Abflussprofil» frei. Alarmierend wäre ein stationärer Pfropfen, doch davon kann keine Rede sein.

«Wir müssen die Insel nicht entfernen, aber die künftige Entwicklung im Auge behalten», sagt der österreichische Rheinbauleiter Mathias Speckle. Will heissen, man vermisst im Winter ihre Ausmasse. Die Untiefen vor der Rheinmündung verlangten schon mehrfach neu gesetzte Seezeichen für die Schifffahrt, doch eine solche Insel ist laut Speckle eine Premiere – und eine temporäre Ausnahmeerscheinung, die wohl über den Winter andaure. Bei starken Regenfällen könne die Insel allerdings bereits im Herbst wieder verschwinden, schätzt Speckle; im Frühjahr dürfte sie jedenfalls einen Meter unter Wasser sein. In Jahren mit normalen Wassermengen, sprich genügend Niederschlägen und einer ordentlichen Schneeschmelze, werden die Sandmassen des Rheins grösstenteils Richtung Seemitte getragen.

Die Bregenzer Bucht wird künftig verlanden

Was ausnahmsweise am Rhein passiert, ist in der Mündung der Bregenzerach gang und gäbe: Dort entstehen immer wieder Inseln über mehrere Jahre, wo denn auch Pionierpflanzen wachsen können. Von Zeit zu Zeit werden sie von Baggern allerdings wieder abgetragen.

Die Entwicklung des Alpenrhein-Deltas wird seit 1911 periodisch vermessen und überwacht; seit 2009 wird der Feststoffeintrag an zwei Messstellen im Rhein kontinuierlich registriert. Auf dieser Basis überprüft die Rheinregulierung mit Unterstützung von Experten und mit Computermodellen die Entwicklung. Die aktuelle Insel sei «ein Indiz für eine beginnende dynamische Bildung eines Mündungsdeltas am Ende der Vorstreckungsdämme», schreiben die Rheinfachleute. Sie haben deshalb eine Studie in Auftrag gegeben, die vom Institut für Seenforschung in Langenargen und von der Versuchsanstalt für Wasserbau der ETH Zürich begleitet wird. Jedoch wissen die Experten, dass die Verlandung ein unaufhaltsamer Prozess ist, der mit der letzten Eiszeit begann. In gut 40000 Jahren wird der Bodensee verschwunden sein, wie der Geograf Oskar Keller launig vorgerechnet hat. Wenn nicht der ganze See, so doch die Bregenzer Bucht werde in ferner Zukunft verlanden, weiss Speckle und fügt schmunzelnd an: «Wir setzen die Leitplanken, doch was nachfolgende Generationen anstellen, ist deren Sache. Vielleicht finden sie unsere Vorstreckung ja eine Schnapsidee.» Die derzeit sichtbare Insel bietet Anlass für mancherlei Gedankenspiele.

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