Mutmasslicher Attentäter von Strassburg sass in Schweizer Gefängnis

Der mutmassliche Attentäter von Strassburg ist auch in der Schweiz mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Er sass in Basel im Strafvollzug wegen Raub- und Einbruchsdelikten. Inzwischen fahndet die französische Polizei öffentlich nach dem Verdächtigen Chérif Chekatt.

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«Greifen Sie auf keinen Fall selber ein»: Die französische Polizei warnt vor dem mutmasslichen Attentäter von Strassburg. (Bild: Screenshot Twitter)

«Greifen Sie auf keinen Fall selber ein»: Die französische Polizei warnt vor dem mutmasslichen Attentäter von Strassburg. (Bild: Screenshot Twitter)

(sda)

Sie hat am Mittwochabend einen offiziellen Fahndungsaufruf mit einem Foto herausgegeben. Der Gesuchte sei «gefährlich», warnte die französische Polizei auf Twitter. «Greifen Sie auf keinen Fall selber ein.» Chekatt ist demnach 1.80 Meter gross und hat eine «normale Statur». Wer Informationen über seinen Aufenthaltsort hat, soll sofort die Polizei verständigen.

Der Verdächtige soll am Dienstag drei Menschen getötet und 13 weitere verletzt haben. Der in Strassburg geborene 29-jährige Franzose, dessen Familie aus Algerien stammt, war nach Angaben des deutschen Bundeskriminalamts (BKA) 2016 und 2017 in Süddeutschland «wegen allgemeinen Diebstahls» inhaftiert worden.

Auch in der Schweiz im Gefängnis

Der mutmassliche Attentäter ist auch in der Schweiz mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Er sass in Basel im Strafvollzug wegen Raub- und Einbruchsdelikten. Die Grenzwacht habe die Sicherheitsvorkehrungen nach entsprechenden Informationen aus Frankreich erhöht, erklärte Cathy Maret, Mediensprecherin beim Bundesamt für Polizei (Fedpol), gegenüber dem Westschweizer Fernsehen RTS.

Trotz seiner Delikte in der Schweiz habe es für die Schweizer Behörden keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gegeben, sagte Maret. Der Mann habe in Basel eine mehrmonatige Gefängnisstrafe abgesessen.

Die Kantonspolizeien Zürich, Luzern und St. Gallen liessen auf Anfrage verlauten, dass sie die Lage laufend analysierten und Neubeurteilungen durchführten. Allfällige Änderungen würde aber aus polizeitaktischen Gründen nicht kommuniziert.

Der mutmassliche Attentäter stand in Frankreich wegen des Verdachts religiöser Radikalisierung unter Beobachtung. Nach Geheimdienstangaben galt er dort als Sicherheitsrisiko.

Eine auf Islamisten spezialisierte Internet-Beobachtungsgruppe in den USA erklärte, Anhänger der Miliz Islamischer Staat (IS) würden den Anschlag feiern. Bislang hat sich keine Organisation zu dem Anschlag bekannt.

Feuergefecht mit Polizei

Die Behörden riefen die Einwohner in der Stadt auf, nach Möglichkeit ihre Häuser nicht zu verlassen. Der Attentäter hatte sich auf seiner Flucht zwei Feuergefechte mit der Polizei geliefert. Möglicherweise ist er verwundet. Allerdings gab es dafür keine Bestätigung. Am Dienstagmorgen hatte die Polizei die Wohnung des 29-Jährigen im Zuge von Mordermittlungen durchsucht. Auch seien fünf Personen befragt worden.

Vize-Innenminister Laurent Nuñez erklärte, der Verdächtige sei mehrmals im Gefängnis gewesen, zuletzt Ende 2015. Nach Angaben des BKA wurde der mutmassliche Attentäter 2017 aus Deutschland nach Frankreich ausgewiesen. «Er war französischen Sicherheitsbehörden bekannt als radikalisierter Islamist», teilte die deutsche Behörde mit.