Mit der Öffnung der Grenzen kehrt ab Montag Normalität ein

Nach drei Monaten eingeschränkter Reisefreiheit wegen der Coronavirus-Pandemie hat die Schweiz hat am Montag um Mitternacht die Landesgrenzen für EU- und Efta-Bürger wieder geöffnet. Es herrscht damit wieder die volle Personenfreizügigkeit.

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Menschen beim Einkaufen im Einkaufszentrum «Lago», aufgenommen in Konstanz, Deutschland.
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Am Tag der Wiedereröffnung der Grenzen bildet sich eine lange Warteschlange vor einem Paketshop im deutschen Weil am Rhein.
Zwei Frauen und ein Mann übertreten in Thonex GE die Grenze zu Frankreich.
Seit Montag sind die Einreisebeschränkungen aufgehoben: Beamte entfernen eine Absperrung bei der Grenze zu Frankreich.
Grenzwächter am Autobahn-Zoll in Kreuzlingen.
Marion Dammann, Landrätin des Landkreises Lörrach und Präsidentin des Trinationalen Eurodistrikts Basel (l.) und Elisabeth Ackermann, Regierungspräsidentin Basel-Stadt, tauschen Blumen aus auf der Dreiländerbrücke zur Wiedereröffnung der Grenzen im französichen Huningue.
In Basel werden die Strassensperren an der Grenze zu Frankreich entfert.

Menschen beim Einkaufen im Einkaufszentrum «Lago», aufgenommen in Konstanz, Deutschland.

KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER
(sda)

Mit der Grenzöffnung sei ein wichtiges Grundrecht an die Bürger zurückgegeben worden: die Reisefreiheit. Allerdings bedeute das nicht, dass die Coronavirus-Pandemie ein «Ablaufdatum» bekommen habe, sagte Bundesrätin Karin Keller-Sutter im Interview mit Radio SRF. Mit dem Lockdown hatten die Grenzübertritte gemäss Keller-Sutter um 60 bis 70 Prozent abgenommen.

Grosse Freude über die wiedergewonnene Reisefreiheit herrschte unter anderem in Basel: Behördenvertreter aus der trinationalen Region Basel feierten am Morgen das Ende der dreimonatigen Grenzschliessung. Für die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann war dieser Anlass «ein starkes Zeichen gegenseitiger Wertschätzung».

Das Lebensgefühl des Dreiländerecks habe ihr in den vergangenen Monaten schmerzlich gefehlt, sagte Ackermann an der Feier auf der Dreiländerbrücke zwischen Weil am Rhein D und Huningue F.

Nun gelte es, über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit eine weitere Grenzschliessung dieser Art zu verhindern, sagte die Basler Regierungspräsidentin weiter. Auch Behördenvertreter aus Deutschland und Frankreich freuten sich über die Wiedereröffnung der Grenzen. Während der Grenzschliessung sei die Region enger zusammengewachsen. Es habe sich gezeigt, «dass wir nicht nur Nachbarn oder Partner, sondern Freunde sind», hiess es an der Feier.

Einkaufen im Ausland wieder möglich

Die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) stellte am Montag eine Zunahme des grenzüberschreitenden Verkehres in allen Regionen fest, wie die EZV auf Anfrage mitteilte. So habe der Verkehr an den stark frequentierten Grenzübergängen in den Ballungsräumen Basel, Chiasso, Genf und im Raum Schaffhausen/Zürich stark zugenommen.

Diese grosse Zunahme sei zum einen dem grossen Bedürfnis zuzuschreiben, im benachbarten Ausland wieder einzukaufen oder die teils seit Wochen in Paketzentren lagernde Ware abzuholen. Zudem hätten zahlreiche Reisende die Schweiz im Transit durchquert. An den wenig frequentierten Grenzübergängen und auf den Nebenachsen sei der Zuwachs indes nur unwesentlich gewesen.

Noch kein riesiger Ansturm

Ein Ansturm von Einkaufstouristen aus der Schweiz war im Warenhaus Rheincenter in Weil am Rhein D indes nicht auszumachen. Auch in Konstanz war dies nicht der Fall, in den Geschäften und Restaurants war aber mehr los als üblicherweise zum Wochenstart.

«Es ist ein Wochentag. Die Leute müssen arbeiten», sagte Peter Herrmann, Manager des Lago-Centers in Konstanz, der sich über die Rückkehr der Normalität freut. Er rechnet mit rund 25'000 bis 28'000 Besuchern. Im «Lago» machen die Einkäufe von Schweizerinnen und Schweizer laut Herrmann rund 30 bis 35 Prozent des Umsatzes aus.

Nachbarländer: Reisen in ÖV mit Masken

Für eine Bilanz des grenzüberschreitenden Reiseverkehrs sei es Momentan zu früh, hiess es auf Anfrage bei der SBB. Belastbare Zahlen würden erst Ende Juni vorliegen.

Die Züge seien gut ausgelastet, hiess es derweil bei der BLS. Die Bahngesellschaft geht davon aus, dass auch der Freizeitverkehr ausserhalb der Pendlerzeiten wieder anzieht, insbesondere an den Wochenenden. Da in Italien ein Maskenobligatorium gelte, würden alle Fahrgäste in BLS-Zügen zwischen Domodossola und Brig Masken tragen.

Auch am Autoverlad Simplon zwischen Brig und Iselle würden seit Sonntag wieder mehr Züge verkehren, auch die Nachfrage habe angezogen.

Derweil in der Schweiz in den öffentlichen Verkehrsmitteln keine Maskenpflicht herrscht, muss in Fernverkehrszügen (ICE/IC/EC) in Deutschland eine Maske aufgesetzt werden. Je nach Bundesland können abweichende Regelungen in Regionalzügen und S-Bahnen bestehen. Auch auf allen Reisen in öffentlichen Verkehrsmitteln in Frankreich, Italien und Österreich gilt eine Maskenpflicht. Sobald ein Zug über die Schweizer Grenze ins Ausland rollt, müssen Reisende eine Schutzmaske aufsetzen.

Die Öffnung der Schweizer Grenze für EU- und Efta-Bürger markiert für den Flughafen Zürich gemäss dessen Aussage den «Anfang der Rückkehr in die neue Normalität». Das Passagieraufkommen sei im Vergleich zu vor Corona noch immer auf tiefem Niveau. Der Flughafen zeige sich jedoch bereits wieder viel belebter, als während der Lockdown-Phase. Um aufzuatmen sei es allerdings noch zu früh.

Lockerungen seit Mitte Mai

Zwischen der Schweiz, Österreich und Deutschland waren die Einreisebeschränkungen bereits am 16. Mai gelockert worden. Die Grenzübergänge zwischen der Schweiz sowie Deutschland und Österreich waren seither geöffnet.

Es fanden lediglich risikobasierte, aber keine systematischen Grenzkontrollen mehr statt. Die Grenzen zu diesen zwei Ländern durfte aber nur passieren, wer in einer grenzüberschreitenden Beziehung lebt, Verwandte besuchen will oder im anderen Land eine Zweitwohnung hat. Italien hatte seine Grenzen unilateral bereits am 3. Juni geöffnet.

In einigen Länder bestehen Restriktionen wie Maskenpflicht oder eine 14-tägige Quarantäne. Das Bundesamt für Gesundheit rät deshalb Reisenden, sich vor einem Auslandaufenthalt über die Bestimmungen im Zielland zu informieren.