Bevölkerungsschutz
Michaela Schärer leitet neu das Bundesamt für Bevölkerungsschutz

Nach dem unerwarteten Abgang von Benno Bühlmann an der Spitze des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (Babs) hat Verteidigungsministerin Viola Amherd am Donnerstag die künftige Amtsdirektorin vorgestellt. Übernehmen wird die 50-jährige Juristin Michaela Schärer.

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Mit der 50-jährigen Juristin Michaela Schärer übernimmt erstmals eine Frau die Spitze des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (Babs).

Mit der 50-jährigen Juristin Michaela Schärer übernimmt erstmals eine Frau die Spitze des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (Babs).

KEYSTONE/PETER SCHNEIDER
(sda)

Der Bundesrat hat Schärer am Mittwoch als neue Babs-Direktorin ernannt. Sie tritt ihr Amt am 1. Januar 2021 an, wie es in einer Mitteilung heisst. Schärer ist die erste Frau an der Babs-Spitze. Sie wuchs im Waadtland auf und ist perfekt bilingue.

Zur Nominierung einer neuen Direktorin oder eines neuen Direktors setzte das Verteidigungsdepartement (VBS) eine Findungskommission ein. Laut Amherd haben sich 55 Personen - 46 Männer und neun Frauen - für das Amt beworben. Gefragt gewesen seien etwa Führungs- und Verhandlungserfahrung, eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit und Durchsetzungskraft. «Ich habe mit vier Personen ein Gespräch geführt, Schärer hat mich am meisten überzeugt», sagte Amherd.

Die Verteidigungsministerin betonte, dass in ihrem Departement Männer immer noch übervertreten seien. In vielen Bereichen sei die geforderte 30-Prozent-Mindestschwelle für Frauen noch nicht erreicht. Deshalb sei für sie klar: «Wenn ich kompetente Frauen finde, wähle ich die Frau.»

Amherd hob das gute Netzwerk ihrer neuen Amtsdirektorin hervor. Schärer kenne viele Personen bei Bund, Kantonen und Sicherheitsorganisationen.

«Dialog mit Kantonen essenziell»

«Ich bin kein Mensch der grossen Worte, sondern eher der Taten», betonte Schärer vor den Medien. In ihrer jahrelangen Tätigkeit habe sie «alle Aspekte der Verwaltung kennengelernt» und «eine grosse Erfahrung, komplexe Organisationen mit zahlreichen Partnern zu führen».

Ihr Ziel sei es, das Bundesamt weiterzuentwickeln. Ohne bereits inhaltliche Schwerpunkte zu kommunizieren, sagte sie: «Der Dialog mit den Kantonen ist essenziell.» Im Krisenmanagement müsse man sich künftig vielleicht sich auf gewisse Gremien konzentrieren und diese verstärken.

Schärer trat im April 1995 ins damalige Eidgenössische Militärdepartement (EMD) ein. Seither ist sie der Bundesverwaltung treu geblieben. Sie arbeitete unter anderem im Rechtsdienst des Generalstabs, im Generalsekretariat VBS und im Stab des Chefs VBS.

2006 wechselte Schärer das Departement und arbeitete fortan bei der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV). Per Juli 2017 wurde Schärer zur stellvertretenden EZV-Direktorin ernannt. Nach einer internen Reorganisation übernahm sie die Verantwortung für den Bereich Zoll mit 2000 Mitarbeitenden. Seit Januar 2020 ist sie Chefin des Direktionsbereichs Operationen mit dem Auftrag, die vier Zollkreise und die sieben Grenzwachtregionen mit bis zu 3500 Mitarbeitenden in einer Organisation zusammenzuführen.

Viel zu tun

Schärer leitet künftig ein zentrales Amt für die Sicherheit in der Schweiz. Während der Corona-Pandemie sei das Babs ein «wertvoller, vor allem im Hintergrund tätiger Partner», sagte Amherd. Doch auch an der Front ist das Amt sichtbar, insbesondere mit dem Zivilschutzaufgebot zur Unterstützung der Kantone.

Zu den grössten Herausforderungen für das Amt gehört laut Amherd die Umsetzung des neuen Zivilschutzgesetzes, das Anfang 2021 in Kraft tritt. Bund und Kantone müssen fortan mit sinkenden Zivilschutzbeständen umgehen. Das Babs rechnet damit, dass jährlich etwa 6000 Zivilschützer benötigt werden, um einen Gesamtbestand von 72’000 Personen zu halten.

Weitere Projekte seien beispielsweise die Weiterentwicklung des nationalen Sicherheitsverbundssystems oder der Schutz kritischer Infrastrukturen. Es handelt sich um «technisch komplexe Geschäfte von zentraler Bedeutung für unser Land», sagte Amherd. Es gelte, finanziell Prioritäten zu setzen und eng mit den Kantonen zusammenzuarbeiten.

Vorgänger eckte an

Der vorherige Babs-Chef Bühlmann hatte per Ende März 2020 nach knapp sechs Jahren im Amt den Hut genommen. Er habe das Arbeitsverhältnis mit dem Bund einvernehmlich aufgelöst, hatte der Bundesrat im Dezember 2019 bekanntgegeben. Es habe «unterschiedliche Auffassungen über die Weiterentwicklung des Bevölkerungsschutzes» gegeben.

Bis Ende Jahr leitet noch Armeekader Jean-Paul Theler das Bundesamt. Er hatte den Job Anfang April 2020 ad interim angetreten. Schon im Januar war kommuniziert worden, dass Theler längstens bis Ende Jahr im Amt bleibt. Er übernimmt per Anfang 2021 die Funktion als Chef Armeestab.