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Das Thurgauer Konkursamt schliesst die Akten Rolf Erb – rund 80 Millionen Franken gehen an die Gläubiger

Nach 16 Jahren endet das Konkursverfahren Rolf Erb. Die Vermögenswerte, die Erb kurz vor der Pleite an Familienmitglieder überschrieben hat, konnten zurück in die Konkursmasse zurückgeholt werden. Für die Gläubiger ein Erfolg.

Silvan Meile
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Das Schloss Eugensberg oberhalb von Salenstein. Der Verkaufserlös floss in die Konkursmasse Rolf Erb. (Archivbild).

Das Schloss Eugensberg oberhalb von Salenstein. Der Verkaufserlös floss in die Konkursmasse Rolf Erb. (Archivbild).

Bild: Key/Gian Ehrenzeller

Hunderte Bundesordner stapeln sich beim Thurgauer Konkursamt. Jetzt können sie ins Archiv getragen werden. «Nach einer so langen Zeit ist das ein schöner Moment», sagt Martin Wenk, Abteilungsleiter des Konkursamtes Thurgau. Damit kann der Fall Erb, der 16 Jahre dauerte, abgeschlossen werden. Wenk war vom ersten Tag an diesem Verfahren beteiligt.

Martin Wenk, Abteilungsleiter beim Konkursamt Thurgau.

Martin Wenk, Abteilungsleiter beim Konkursamt Thurgau.

Bild: Donato Caspari

Damals waren lediglich rund 100'000 Franken in der Konkursmasse der Milliardenpleite von Rolf Erb. Damit nicht mehr bei ihm zu holen war, überschrieb Erb kurz vor dem Konkurs praktisch alle Vermögenswerte wie Liegenschaften, eine Immobiliengesellschaft, Grundstücke und eine Sammlung wertvoller Oldtimer an Familienmitglieder, hauptsächlich an seine beiden damals einjährigen Zwillinge

Gläubiger erkämpfen sich die Vermögenswerte

Das nahmen zahlreiche Gläubiger nicht hin. «Nebst den Geldforderungen ging es ihnen auch ums Prinzip», sagt der Frauenfelder Anwalt Matthias Hotz. Er vertrat die Gläubigergruppe über all die Jahre.

«Sie sagten sich: So etwas darf in der Schweiz nicht Schule machen.»

Auch deshalb sei es ihnen Wert gewesen, einen Vorschuss zu leisten, um dagegen vorzugehen.

In diversen langjährigen Gerichtsverfahren bis vor Bundesgericht, insbesondere im Strafprozess gegen Rolf Erb, machten sie ihre Forderungen geltend. Und sie bekamen recht. Mit dem Abschluss des Verfahrens konnten sie gemäss Hotz nun rund 80 Millionen Franken in die Konkursmasse zurückholen.

Rolf Erb nach einem Prozess vor dem Zürcher Obergericht am 15. Januar 2014.

Rolf Erb nach einem Prozess vor dem Zürcher Obergericht am 15. Januar 2014.

Bild: Ennio Leanza / Key

Die grössten Beträge sind durch den Verkauf von Schloss Eugensberg für rund 35 Millionen Franken und einer Immobiliengesellschaft in Winterthur, zu der etwa das Zentrum Töss und diverse Mehrfamilienhäuser gehörten, zurückgeflossen.

Totalforderung über 6,5 Milliarden Franken

Gläubigervertreter Hotz spricht von einem grossen Erfolg und der Bestätigung einer funktionierenden Rechtsordnung. Insgesamt beliefen sich die Forderungen seiner Mandanten auf rund 6,5 Milliarden Franken. In diesem Vergleich erscheinen die nun zurückgewonnenen rund 80 Millionen Franken als kleiner Beitrag.

Anwalt Matthias Hotz.

Anwalt Matthias Hotz.

Bild: PD

Hotz relativiert: Der Betrag, den die einzelnen Gläubigen zurückbekämen, die eigentliche Konkursdividende, sehe verhältnismässig gut aus. Unter den Forderungen von insgesamt 6,5 Milliarden Franken seien Solidarverpflichtungen, Bürgschaften und Patronatsvereinbarungen, die Erb privat für verschiedene Gesellschaften seiner Firmengruppe einging. Entsprechende Forderungen würden sich untereinander und mit solchen der Konkursverfahren der einzelnen Gesellschaften teilweise überschneiden.

Hotz sagt:

«Die 80 Millionen Franken sind ein stolzer Betrag, wir sind mit null gestartet.»

Dieser Erfolg sei nur möglich gewesen, weil alle Gläubiger an einem Strick gezogen hätten. Die Hartnäckigkeit und Geduld habe sich ausbezahlt.

Martin Wenk vom Konkursamt kann nun den Fall Erb abschliessen.

«Wir konnten restlos alle Vermögenswerte, die in seinem Privatbesitz waren und kurz vor dem Konkurs an Familienmitglieder überschrieben wurden, zurückholen.»

Das Konkursverfahren Rolf Erb wurde im Juli 2004 eröffnet, nach dem Zusammenbruch der Winterthurer Erb-Gruppe, die in vier Holding-Gesellschaften und dem Privatvermögen der Familie Erb aufgeteilt war. Bis zu seinem Tod im April 2017 wohnte Rolf Erb auf Schloss Eugensberg.

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