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Kommentatoren loben Leuthards Art - Baustellen als Kritikpunkte

Nach der Rücktrittsankündigung von Doris Leuthard aus dem Bundesrat haben die Zeitungskommentatoren einstimmig ihr aussergewöhnliches Geschick zum Schmieden von Kompromissen hervorgehoben. Mancherorts wird aber auch Kritik an ihrer Arbeit laut.
Die Presse hat sich in ihren Kommentaren zum Rücktritt von Doris Leuthard sehr positiv über ihren Instinkt für Mehrheiten geäussert. (Bild: KEYSTONE/ANTHONY ANEX)

Die Presse hat sich in ihren Kommentaren zum Rücktritt von Doris Leuthard sehr positiv über ihren Instinkt für Mehrheiten geäussert. (Bild: KEYSTONE/ANTHONY ANEX)

(sda)

«Neue Zürcher Zeitung»:

«Ihre Popularität setzte Leuthard gezielt ein. Sie war ihr politisches Kapital in Abstimmungskämpfen. Die strahlende Bundesrätin verhalf damit auch ihrer Partei, der serbelnden CVP, zu einer Auffrischung. (...) Die Energiewende zeigt Leuthards zentrale Stärke - zu erkennen, was mehrheitsfähig ist, ihren Sinn für das Machbare. Daraus resultiert aber auch eine Schwäche: Oft versuchte sie gar nicht erst, nach nachhaltigeren Lösungen zu streben. (...) In der Verkehrspolitik sicherte Leuthard zwar mit zwei Fonds die Finanzierung von Strassen- und Schienenausbauten. Doch ihr fehlte ein Konzept für die längerfristige Entwicklung der Mobilität. (...) Das Mediendossier hielt Leuthard lange Zeit auf Sparflamme. (...) Ungeachtet dessen war ihre Konstanz auffallend: In ihrer zwölfjährigen Amtszeit hatte sie keine grösseren Hänger, wie ihn andere Bundesräte erleiden. (...) Grossen Wert legte sie auf eine gewisse Distanz zur Partei. Die CVP hätte sie gerne öfter vor ihren Karren gespannt. (...) Sie sei etwas amtsmüde geworden, sagte Leuthard am Donnerstag. Dünnhäutiger, sagen Weggefährten. Gegen aussen sichtbar war dies nicht. Die Bundesrätin hat den Absprung rechtzeitig geschafft.»

«Tages-Anzeiger» / «Bund»:

«Dass sie das gerne gemacht hat, gelenkt und gestaltet, merkt man in jedem Moment ihres Abschieds. Sie fühlt sich verantwortlich für das Funktionieren der Regierung, viel mehr als andere. Der Bundesrat, das ist ihr Gremium. (...) Sie verkörpert Erfolg und Durchsetzungswillen und jene Art von 'Swissness', mit der sich viele identifizieren können. (...) Ein Flair für Theatralik verbunden mit einer aussergewöhnlichen Überzeugungskraft und einem feinen Instinkt für Timing und Mehrheitsfähigkeit. Ihre Allzweckwaffe ist eine Dialektik der Mitte: Wo ich stehe, ist das Mass, ist die Vernunft. Mit dieser Methode räumt Doris Leuthard in ihren fast 13 Jahren im Bundesrat reihenweise Volksinitiativen aus dem Weg. (...) Mit ihrem Temperament eckt sie aber auch an. Doris Leuthard ist eine schonungslose Gegenspielerin. Im direkten Duell bewegt sie sich oft an der Grenze dessen, was sich für Magistraten geziemt. (...) Die Kehrseite ist: Ihr Wille zum Erfolg bringt oft mehrheitsfähige, aber inhaltlich eher unauffällige Lösungen hervor.»

«Luzerner Zeitung» / «Nordwestschweiz»:

«Zupackend. Zugänglich. Ohne Allüren. Auch nach 12 Jahren im Bundesrat ist Leuthard noch immer 'Eusi Doris'. Und das ist nicht despektierlich gemeint, sondern beschreibt einen Teil ihres aussergewöhnlichen Polit-Talents. Auch die beiden SP-Magistraten Simonetta Sommaruga und Alain Berset beherrschen das politische Einmaleins bestens. Doch Leuthard wirkt nie zu kontrolliert, nie zu glamourös. Egal ob in knatterndem Hochdeutsch, breitem Englisch oder im Français fédérale. Egal ob im Gespräch mit Staatschefs, Wirtschaftsbossen oder Büezern. Sie trifft den Ton - und alle fühlen sich wohl. (...) Leuthard-Kritiker, die gibt es durchaus: Sie, die Leuthards Auftritt manchmal als arrogant empfinden, die der Aargauerin Kritikunfähigkeit vorwerfen. Dabei wissen aber auch sie: Leuthard weiss wovon sie spricht. Sie kennt ihre Dossiers. Aber tatsächlich, wenn Leuthard sauer ist, dann lässt sie dies selbst Parlamentarier spüren. Gestandene Ständeräte wirken wie Schulbuben, wenn sie von Leuthard abgekanzelt werden - durchaus mit Charme, aber eben auch mit Kaltblütigkeit.»

«Blick»:

«Ja, Frau Leuthard, wir sind zufrieden mit Ihnen. Sie haben ihre Arbeit toll gemacht. Danke! (...) Sie war das beliebteste Mitglied der Regierung. (...) Kaum eine Bundesrätin wusste sich so gekonnt in Szene zu setzen wie die abtretende Doris Leuthard. Das begann schon ganz am Anfang ihrer Karriere - im Wahlkampf für den Ständerat machte sie mit Duschgel Werbung für den 'erfrischenden Aargau'. Leuthard legte immer Wert auf den perfekten Auftritt. (...) Somit verlässt mit Leuthard nicht nur eine beliebte Bundesrätin die nationale Bühne, sondern auch eine Stilikone.»

«Nordwestschweiz»:

«Mit Doris Leuthard tritt eine charismatische Bundesrätin zurück. Eine, welche die Menschen mit Charme, Offenheit, Authentizität und emotionaler Intelligenz für sich und ihre Projekte einnahm. (...) Leuthard war mehr als eine Strahlefrau. 'Gestalten statt verwalten' hiess ihr Motto. (...) Eine sehr erfolgreiche Amtszeit. Und doch ist die Zeit reif für den Rücktritt. Die Verkehrsministerin sah sich politisch faktisch lahmgelegt, da sich die Diskussionen fast nur noch um den Zeitpunkt ihres Rücktritts drehten.»

«Watson»:

«Mit Doris Leuthard tritt eine Bundesrätin zurück, die sich stets einer beträchtlichen Popularität erfreuen konnte. Mehr als zwölf Jahre war sie im Amt, so lange wie keine Frau zuvor. Ihre Erfolgsbilanz lässt sich sehen: Von 18 Volksabstimmungen hat sie nur zwei verloren. Doch die Strahlefrau aus dem Aargau mit dem gewinnenden Lachen hat nicht nur geglänzt. (...) Man hatte bei Doris Leuthard (zu) oft den Eindruck, dass sie auf ihre Popularität schielt und schmerzhafte Entscheide scheut. Mit ihrer positiven Ausstrahlung und ihrem Kommunikationstalent hätte sie vielleicht mehr bewegen können.»

«Basler Zeitung»:

«Eine sachbezogene Leistungsbilanz über Bundesrätin Doris Leuthards Wirken ist in zwei Zeitabschnitte zu unterteilen. In den ersten von 2006 bis 2010, als sie das Volkswirtschaftsdepartement führte, und in den zweiten, achtjährigen im Uvek, dem Infrastrukturdepartement. Als Wirtschaftsministerin überzeugte Leuthard in schwieriger Zeit. (...) Mit dem Wechsel ins viel grössere Schlüsseldepartement Uvek (...) zeigte die Bundesrätin vermehrt auch Schwächen. So versäumte es Leuthard zu lange, personelle und richtungspolitische Missstände zu beheben, (...) Die katastrophalen Folgen leuenbergerscher Blockadepolitik bei der Strasseninfrastruktur ging sie deutlich zu spät und viel zu zögerlich an. (...) Auch bremste Doris Leuthard das staatliche Mammutprojekt 'Grüne Wirtschaft', ein Aktionsplan mit 27 Massnahmen, deutlich zu schwach ab. Es bleiben somit Baustellen. Die grösste dabei ist die Energiewende, die nur eine halbe Wende ist. (...) So ist schon heute klar: Funktionieren wird das so nie.»

«Le Temps»:

«Es wird sehr schwer werden, die aussergewöhnliche politische Persönlichkeit Doris Leuthards zu ersetzen».

«24heures» / «La Tribune de Genève»:

«Ein Aufbruch ohne Gefühle ist kaum möglich. Und so ist es Doris Leuthard wie bei allem, was sie seit ihrem Eintritt in den Bundesrat im Jahr 2006 angefasst hat, auch bei ihrem Rücktritt gelungen, ihre Leidenschaft für das Gemeinwohl und das Land zu vermitteln. (...) In den kommenden Wochen wird die Regierung aber richtungsweisende Entschiede über die Zukunft der Beziehungen zu unseren wichtigsten wirtschaftlichen und kulturellen Partnern treffen. Entscheide, die nun andere treffen müssen. Doris Leuthard sagte am Donnerstag, es gebe keinen guten Zeitpunkt, um abzutreten. Das stimmt zwar, aber es gibt Zeiten, die besser gewählt wären als andere.»

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