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Kinderstück von Michael Ende am Schauspielhaus Zürich

Michal Endes Allegorie über die Zerstörung der Umwelt lässt sich witzig und hintersinnig auf die Bühne bringen und vermag Kinder und Erwachsene gleichermassen anzusprechen.
Das Weihnachtsmärchen «Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch» von Michael Ende hatte am 10. November im Schauspielhaus Zürich Premiere. (Bild: Keystone/Raphael Hadad Photography)

Das Weihnachtsmärchen «Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch» von Michael Ende hatte am 10. November im Schauspielhaus Zürich Premiere. (Bild: Keystone/Raphael Hadad Photography)

(sda)

Das Foyer des Schauspielhauses gleicht an diesem Samstagnachmittag einem Ameisenhaufen. Oder einem Bienenstock. Es «gramselt» und wuselt und summt und sirrt. Auf dem Programm steht das traditionelle vorweihnächtliche Familienstück: «Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch», wie der volle Titel des edukativ-allegorischen Zaubermärchens lautet, Michael Endes letztem Buch, das schon mehrmals als Vorlage für die Bühne, aber auch für ein Hörspiel, ein Puppentheater, eine Comic-Serie, ja sogar eine Oper diente.

In der Villa Alptraum

Endlich gehts los, und der Vorhang hebt sich über dem schauerlichen Kabinett des Schwarzmagiers Beelzebub Irrwitzer in seinem giftgrünen Schlafrock. Dominiert wird das Sammelsurium der Angewandten Infamie von einem gigantischen Kamin im Hintergrund. Auf dem Kaminsims thront eine Uhr mit Digitalanzeige und, uuhh, zwei Knochenhänden statt eines Pendels, die jede vergangene Stunde mit einem Henkerbeil exekutieren. Eben zeigt sie 17:00. Das bedeutet Stress, denn in wenigen Stunden ist nicht nur wiederum ein Tag vorbei, sondern - es ist Silvesterabend! - ein ganzes Jahr.

Der Stress ist verständlich, denn Prof. horroris causa Irrwitzer, kriegt auch noch Besuch von Maledictus Made (Ludwig Boettger), dem infernalischen Gesandten des Untersten Herrschers. Er weist den Magier darauf hin, dass dieser das jährliche Plansoll an Gräueln wie Verbreitung von Seuchen, Manipulation des Klimas, Vergiftung von Gewässern und dergleichen Schandtaten nicht erfüllt habe. Daher drohe ihm um Mitternacht Pfändung und Auslöschung.

Aus dieser Ausgangslage entwickelt sich die ebenso spannende wie haarsträubende Geschichte im Wettlauf mit der Zeit. Als wäre das nicht genug, tritt auch noch Beelzebubs garstige Tante Tyrannja Vamperl (Friederike Wagner) auf. Ihr droht das gleiche Schicksal, und so muss man halt zusammenspannen, auch wenn man sich im Grunde aus tiefstem Herzen hasst.

Zusammenspannen heisst, den altüberlieferten Wunschpunsch brauen, von dessen Rezeptur jeder nur die Hälfte besitzt. Bei jedem Schluck dieses Tranks kann man in der Silvesternacht die garstigsten Wünsche tun, die also gleich in Erfüllung gehen. Und so Versäumtes im Nu erledigen lassen.

Zum Glück sind da noch Kater Maurizio (Vera Flück) und Rabe Krakel (Claudius Körber), die mit grossem Einsatz einen gefrorenen Glockenton des Silvestergeläuts ins höllische Gebräu schmuggeln, der die bösen Wünsche in gute umwandeln wird.

Aufwand, Vielfalt, Sorgfalt

Michael Ende hat sich allerhand an Anspielungen, Kalauern und Zaubereffekten einfallen lassen. Die Schwestern Rast, Christina (Regie) und Franziska (Bühne/Kostüme), haben mit Aufwand, Ideen, Gags und Überraschungen ebenfalls nicht gegeizt, um dem an raschen, bunten, schrillen Games geschulten jungen Publikum zu zeigen, was auch eine reale Bühne zu bieten hat.

Mit äusserst lebendigen und lebhaften Schauspielern, die in Sachen Spielwitz, Gestik und Wendigkeit, ja nicht einmal punkto groteskes Aussehen und bizarrer Kostümierung hinter den Kunstfiguren zurückstehen müssen.

Auf die Frage, was ihr denn am besten gefalle, meint Lisa (6) lakonisch: «Gute Frage!» Etwas fragend lässt uns dagegen Keno (11) zurück: «Eigentlich wärs cooler, wenn mal die Bösen gewinnen würden, aber es braucht natürlich ein Happy End.» Alles klar?

Fazit: Fantastische Kostüme, Schauspieler, die mit Lust und Virtuosität bei der Sache sind, eine temporeiche Regie und ein spannendes Stück - obs wirklich schon für 7-Jährige verständlich ist, wie das Schauspielhaus vorschlägt, bleibe dahin gestellt. Aber wenn ge-slapstickt und über die Stühle im Parkett gekraxelt wird, wenn es so richtig «chlöpft» und «tätscht» und qualmt, haben auch die Kleinsten ihren Spass. Und auch ein wenig Angst.

Verfasser: Bruno Rauch, ch-intercultur

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