Kinderbetreuung soll gestärkt aus der Corona-Krise hervorgehen

Die Kinderbetreuung soll aus der Corona-Krise gestärkt hervorgehen. Mittelfristig brauche es daher mehr Geld und mehr Betreuungsplätze, fordern 38 Organisationen wie Gewerkschaften, Frauen-, Kinderschutz- und Familienorganisationen, Parteien und Interessenvertretern.

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Für den schrittweisen Ausstieg aus der Corona-Krise ist die familienexterne Kinderbetreuung von grosser Bedeutung.

Für den schrittweisen Ausstieg aus der Corona-Krise ist die familienexterne Kinderbetreuung von grosser Bedeutung.

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER
(sda)

Um familienexterne Betreuungsplätze zu erhalten und auszubauen sowie das Kindswohl zu schützen, sei jetzt ein zielgerichtetes Vorgehen von Bund, Kantonen und Gemeinden nötig, hiess es am Dienstag einhellig an einer Video-Medienkonferenz in Bern. Die Kinderbetreuung spiele eine zentrale Rolle in der Corona-Krise und müsse auch ein zentrales Element jeder Ausstiegsstrategie sein.

Die Pandemie mache klar, wie wichtig die Kinderbetreuung für Wirtschaft und Gesellschaft sei. Sie müsse daher als Teil des Service Publik für alle zur Verfügung stehen, erklärte etwa Katharina Prelicz-Huber, Präsidentin der Gewerkschaft VPOD.

Gelder und Konzepte gefragt

Die Massnahmen zur finanziellen Sicherheit von Betreuungseinrichtungen seien aber nach wie vor ein Flickenteppich. Bund und Kantone müssen laut Prelicz-Huber auch finanziell Verantwortung übernehmen, da Eltern ihre Kita-Beiträge nicht mehr zahlen können oder wollen. Kitas könnten ihre Kosten zum Teil nicht mehr decken, weil zudem Neuanmeldungen weggefallen seien.

Eine finanzielle Unterstützung von Kitas sei notwendig, erklärte auch Regula Bühlmann, Zentralsekretärin des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB). Bühlmann wollte jedoch nach eigenen Angaben bewusst keine Angaben zur Höhe dieser Hilfe machen.

Es brauche jetzt tragende Konzepte zur Entflechtung von Erwerbsleben und Kinderbetreuung. Die öffentliche Hand müsse das Betreuungsangebot ausbauen und die Politik solle bei der Finanzierung helfen.

Vor einem Backlash in der Gleichberechtigung von Mann und Frau warnten verschiedene Teilnehmende der Videokonferenz. Die Krise akzentuiere die Bedeutung der Betreuungsarbeit, die seit jeher und auch in der Corona-Krise zu einem Grossteil von Frauen geleistet werde.

Claudine Esseiva, Präsidentin der Business Professional Woman, etwa forderte für die zweite Phase der Normalisierung nach dem 11. Mai eine klare und verlässliche Kommunikation, wer Betreuungsangebote von Kitas annehmen könne. Ansonsten drohten erreichte Erfolge der Gleichstellung zunichte gemacht zu werden.

Wenn man verhindern wolle, dass auf die Corona-Krise eine Betreuungskrise folge, braucht es nach Ansicht der verschiedenen Organisationen jetzt ein gesamtschweizerisches Vorgehen. Kritisiert wird, dass der Bundesrat zwar verordnet hat, dass die Kinderbetreuung aufrechterhalten werden muss, aber darauf verzichtet hat, den Betrieb oder die Finanzierung in dieser aussergewöhnlichen Situation zu regeln.

Kritik an kantonalem Wildwuchs

Die Folge sei ein Wildwuchs an kantonalen Regelungen bezüglich Finanzierung und Zulassungskriterien, der für Verwirrung und Frust sorge. Arbeitnehmende versuchten im Homeoffice, ihrer Erwerbsarbeit und den Kindern gerecht zu werten. Mit der Öffnung zusätzlicher Dienstleistungsbetriebe seit Montag spitze sich die Situation weiter zu, da Eltern vermehrt wieder an ihrem Arbeitsplatz präsent sein müssten.

Zusätzliche Herausforderungen um den sicheren Betrieb und den Gesundheitsschutz von Kindern, Betreuungspersonal und Eltern zu gewährleisten stehen bevor, wenn Schulen, Kindergärten und Spielgruppen im Mai den Betrieb wieder aufnehmen dürfen. Ausserdem zeichnet sich ab, dass die Betreuung durch Grosseltern wohl längerfristig ausfallen wird und entsprechend kompensiert werden muss.