Immigrierte vertrauen Staat und Polizei stärker als Einheimische

Der Teil der Schweizer Wohnbevölkerung mit Migrationshintergrund hat grösseres Vertrauen in Staat und Polizei als Einheimische. Abstimmen tun sie fast so häufig wie hier Geborene.

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Menschen mit Migrationshintergrund partizipieren in der Schweiz politisch fast so stark wie solche ohne. Das Vertrauen in Staat und Behörden ist bei Immigrierten sogar stärker.

Menschen mit Migrationshintergrund partizipieren in der Schweiz politisch fast so stark wie solche ohne. Das Vertrauen in Staat und Behörden ist bei Immigrierten sogar stärker.

Keystone/STEFFEN SCHMIDT
(sda)

Während 41 Prozent der Einheimischen Vertrauen ins politische System haben, sind es unter den Eingewanderten 53 Prozent. Ins Rechtssystem vertrauen 50 Prozent der Personen ohne Migrationshintergrund gegenüber 60 Prozent der Immigrierten. Leicht geringer unterscheiden sich die beiden Gruppen, wenn es um die Polizei geht: 65 Prozent der Einheimischen setzen ihr Vertrauen darauf, bei den Eingewanderten sind es 70.

Das Vertrauen Eingewanderter in die Behörden ist nicht dem Wohlstand geschuldet: Denn sie haben dreimal so viele Probleme, über die Runden zu kommen wie Bewohner ohne Migrationshintergrund. Auch die Sozialhilfequote beträgt bei Personen mit Migrationshintergrund fast drei Mal mehr: 6,1 gegenüber 2,3. Das zeigen die neuesten Indikatoren des Bundesamts für Statistik (BFS) für das Jahr 2019, die am Dienstag veröffentlicht wurden.

Die Eingewanderten der ersten Generation sind dabei finanziell schlechter dran als die der zweiten. Dafür haben Angehörige der zweiten Generation doppelt so häufig Wohnprobleme wie Einheimische und 10 Prozent häufiger als Migranten der ersten Generation.

Einheimische und Eingewanderte erstaunlich einig

Bei all dem ist die Empfindung, unterprivilegiert zu sein, bei Menschen mit Migrationshintergrund nicht viel stärker als bei Einheimischen. Drei Viertel von ihnen fordern Chancengleichheit für Schweizer und Ausländer - bei den Einheimischen sind 68 Prozent derselben Ansicht. Ein Fünftel der Immigrierten findet, Schweizer müssten bessere Chancen haben, von den Einheimischen ist ein Viertel derselben Meinung.

Knapp 60 Prozent der erwachsenen Eingewanderten haben im Jahr 2018 mindestens an 8 von 19 Abstimmungen mitgemacht, unter den Einheimischen waren es 67 Prozent. Nachdem die politische Partizipation der Eingewanderten gemäss BFS-Zahlen in den Jahren 2010 bis 2016 kontinuierlich abgenommen hat, ist sie seither wieder im Steigen begriffen.