IKRK-Chef Maurer pocht auf humane Bedingungen in Flüchtlingslagern

Um die Corona-Pandemie einzudämmen, sollen die humanen Bedingungen in Flüchtlingslagern und Gefängnissen eingehalten werden. Für IKRK-Präsident Peter Maurer ist dies entscheidend, um eine Katastrophe zu verhindern.

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Der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Peter Maurer, fordert die Einhaltung humaner Bedingungen in Flüchtlings- und Vertriebenenlagern.

Der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Peter Maurer, fordert die Einhaltung humaner Bedingungen in Flüchtlings- und Vertriebenenlagern.

KEYSTONE/MARTIAL TREZZINI
(sda)

Sollten die Menschen dort weiterhin unter desolaten Bedingungen leben müssen, dürfte sich das Coronavirus innerhalb wie ausserhalb der Lager rasant ausbreiten, sagt Maurer im Interview mit der «NZZ am Sonntag».

Kriege stehen nicht still

«Die Pandemie mag Europa und New York zum Stillstand gebracht haben. Doch Kriege und Gewalt kommen nicht zum Stillstand wegen Covid-19.» Nun werden die humanitären Aktivitäten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) durch Grenzschliessungen noch erschwert, wie Maurer sagt.

Es werde ersichtlich, weshalb in Gefängnissen humane Bedingungen essenziell seien. Nicht nur, weil die Gefangenen ein Recht auf humanitäre Behandlung hätten, es sei im eigenen Interesse der Behörden: «Wenn ihr nicht menschenwürdige Rahmenbedingungen in euren Gefängnissen und Lagern herstellt, wird das auf euch und eure Gesellschaften zurückfallen», so Maurer.

Denn wenn das Virus in Gefängnissen und Lagern nicht eingedämmt werde, verbreite es sich überall im Land. «Vielleicht wird nun die Bereitschaft grösser, menschenwürdige Bedingungen zu schaffen.» Diese Rahmenbedingungen in Flüchtlingslagern und Gefängnissen seien entscheidend, um diese Pandemie einzudämmen und eine Katastrophe und die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern.

Flüchtlinge und IKRK-Mitarbeiter schützen

Nötig sei zudem die uneingeschränkte Solidarität der internationalen Gemeinschaft. Das IKRK versuche in Syrien, aber auch in Jemen, im Irak, in Somalia, im Südsudan oder in Nigeria, das bereitzustellen, was derzeit essenziell sei bei der Bekämpfung dieser Pandemie. Unter anderem werde versucht, die Wasserversorgung zu beschleunigen.

In der syrischen Provinz Idlib herrsche eine äusserst schwierige Situation, sagt Maurer. Humanitäre Organisationen hätten dort nur einen sehr beschränkten Zugang: «Dort sind wir im totalen Blindflug. Einen guten Zugang haben wir dagegen im Nordosten von Syrien.»

Auch das IKRK-Personal zu schützen sei eine Herausforderung: «Wir haben das Grundlegende an Materialien und sind daran, mehr zu beschaffen. Die materiellen Aspekte sind aber klein im Vergleich zu den politischen und administrativen Hürden.» Zudem müsse man verhindern, dass die Helfer diejenigen seien, die das Virus in die Länder bringen würden, sagt Maurer.

Ausbruch der Pandemie erstaunt nicht

Das IKRK erhalte im Gegensatz zu anderen Hilfsorganisationen Ausnahmebewilligungen, weil die Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung vor Ort oft mit den Regierungen zusammenarbeitet. Die Organisation sei in den 30 fragilsten Regionen dieser Welt sehr gut präsent und vernetzt.

Der Ausbruch der Pandemie erstaunt Maurer nicht. Man habe in den letzten Jahre beobachtet, wie Krankheiten, darunter Kinderlähmung und Ebola, die man glaubte besiegt zu haben, wieder zurückgekehrt seien. Maurer zählt deshalb weiterhin auf die internationale Solidarität und hofft, dass die Staaten trotz der Coronavirus-Krise in den eigenen Ländern substanzielle Gelder für die humanitäre Hilfe spenden.