Grüne Kühlung für den Zürcher Münsterplatz

Die Schweiz muss sich auf häufigere Hitzewellen im Sommer einstellen. Städte heizen sich dabei besonders auf. Wie Städteplaner dem durch Begrünung optimal entgegenwirken können, zeigt eine Simulation der Empa und ETH am Beispiel des Zürcher Münsterhofs.

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Grüne Insel in der Stadt: Der Berner Künstler Heinrich Gartentor begrünte letztes Jahr für einige Wochen den Zürcher Münsterplatz. Und kam damit der optimalen Kühlungsmöglichkeit gegen Hitzestress auf dem Platz schon sehr nahe.

Grüne Insel in der Stadt: Der Berner Künstler Heinrich Gartentor begrünte letztes Jahr für einige Wochen den Zürcher Münsterplatz. Und kam damit der optimalen Kühlungsmöglichkeit gegen Hitzestress auf dem Platz schon sehr nahe.

Keystone/WALTER BIERI
(sda)

Aytaç Kubilay macht sich Gedanken über die Zukunft. Eine Zukunft mit immer wärmeren Sommern mit mehr Hitzewellen. Insbesondere in Städten können diese sehr belastend werden, denn Städte heizen sich stärker auf als das Umland. Bäume bringen bekanntermassen Schatten und Kühlung. Aber reichen ein paar Bäume und Grünflächen hier und da? Oder könnte man gezielter vorgehen, um grössere Kühlungseffekte zu erreichen?

Dem sind Kubilay und seine Kolleginnen und Kollegen von der Empa und ETH Zürich mit Simulationen nachgegangen. Am Beispiel des Zürcher Münsterplatzes haben sie erste Modellrechnungen durchgespielt, wie die Empa am Donnerstag mitteilte.

Der Münsterplatz in der Zürcher Altstadt ist im Sommer nicht gerade ein kühler Ort. Grösstenteils mit Pflastersteinen bedeckt, teils betoniert, kein einziger Baum. Von fast allen Seiten ist er von Gebäuden umgeben, deren Fassaden sich in der Sonne stark erhitzen.

Wiese oder bewässerte Ziegel

Ganz anders könnte sich die Temperatur im Sommer gestalten, wenn der Platz nicht gepflastert, sondern von Erde und Gras bedeckt wäre. Das zeigte die Simulation der Empa- und ETH-Forschenden. Der Boden würde sich so nachts stärker abkühlen und tagsüber weniger Wärme speichern.

In weiteren Berechnungen untersuchten die Wissenschaftler, wie stark verschiedene Gestaltungen des Platzes den Eindruck von Hitzestress beim Menschen reduzieren würde. Schon wenn man nur einen Viertel der gepflasterten Fläche am Münsterplatz durch einen anderen Bodenbelag ersetzen würde, wäre der «Backofen» im Sommer entschärft, schrieb die Empa. Ein Belag aus porösen Ziegeln etwa, die bewässert werden, könnte für Verdunstungskälte sorgen. Auch eine Wiese als Bodenbelag würde helfen, auch wenn sie nicht dauernd bewässert und entsprechend zeitweise austrocknen würde.

Geschickt platzierte Bäume kühlen wirksam

Noch angenehmer würde es bei Hitze auf dem Münsterplatz, wenn schattenspendende Bäume gepflanzt würden. Kubilay und sein Kollege Lento Manickathan simulierten den Effekt von vier eng stehenden Bäumen auf der Nordostseite des Platzes. «Der Schatten der Bäume und zugleich ihre Transpiration würden die Hitzebelastung erheblich verringern», liess sich Kubilay zitieren. Die gefühlte Temperatur auf dem Platz würde auf weiten Teilen des Platzes um bis zu zwei Grad sinken.

Die Forschenden wollen ihr Simulationsprogramm nun weiter verfeinern, damit Stadtplanern sie für detaillierte Vorhersagen verwenden können.

Im Sommer 2019 sah der Münsterplatz bereits einige Wochen fast so aus, wie es die Simulationen der Forscher für eine optimale Kühlung vorhersagten: Der Berner Künstler Heinrich Gartentor liess den Platz im Rahmen einer Kunstaktion mit einer extra herangezogenen Magerwiese bedecken und zwei Bäume aufstellen. Bei der Stadt häuften sich bis zum Ende der Aktion im September die Anfragen, ob die Kunstaktion nicht permanent installiert bleiben könnte.