Gletscher

Gauligletscher dürfte Dakota früher ausspucken als vermutet

Im November 1946 stürzte ein US-Militärflugzeug auf den Berner Gauligletscher ab - die «Dakota». Ein Forschungsteam hat nun berechnet, dass die grössten Teile des Wracks bereits in den kommenden Jahren auftauchen werden.

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Die abgestürzte Dakota am 23. November 1946 auf dem Gauligletscher: Die grössten Teile des Wracks dürften in den nächsten Jahren wieder an der Oberfläche erscheinen.

Die abgestürzte Dakota am 23. November 1946 auf dem Gauligletscher: Die grössten Teile des Wracks dürften in den nächsten Jahren wieder an der Oberfläche erscheinen.

KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/GRUNDER, SCHMIDLI, MATTER
(sda)

Dank einer spektakulären Rettungsaktion überlebten der Pilot und die elf Insassen. Aber die amerikanische Maschine blieb seit dem Absturz verschollen, nur einzelne Trümmerteile tauchten vor wenigen Jahren wieder auf.

Dass der Gletscher bald noch mehr Teile des Wracks freigeben wird, fand ein Team von Forschenden der ETH und Universität Zürich gemeinsam mit dem Labor Spiez und der Schweizer Armee anhand von radioaktivem Material in Eisproben heraus.

Halbe Tonne Eis entnommen

Die Atomwaffentests der USA und Russland der 50er und 60er Jahre hinterliessen radioaktive Spuren im Gletschereis. Diese Rückstände erlauben Wissenschaftlern, das Eis zu datieren und die Fliessbewegung des Gletschers zu rekonstruieren.

Mit einem Computermodell berechneten die ETH-Forschenden, wo die Soldaten in den Gletscher bohren mussten, um Eis aus der Zeit des kalten Kriegs zu gewinnen. Während die Forschenden für die erste Bohrkampagne mit ihren Vorhersagen die richtigen Stellen nicht tupften, gelang dies bei der zweiten Kampagne im Sommer 2019, wie die ETH Zürich mitteilte.

So entnahmen die Soldaten dem Gletscher fast eine halbe Tonne Eis an insgesamt 200 Punkten, das anschliessend auf radioaktive Elemente untersucht wurde. «In den Bohrkernen der zweiten Kampagne sind die zwei Hauptpeaks der Verschmutzung mit radioaktiven Stoffen aus den Jahren 1957 und 1962 gut zu erkennen, bevor die Kontamination dann nach 1963 abrupt abbricht», sagte Guillaume Jouve von der ETH und der Uni Zürich.

Schneller als gedacht

Die Daten erlaubten es den Forschenden, ihr Fliessmodell für den Gauligletscher zu verfeinern. Demnach bewegen sich die Eismassen schneller talwärts als man bisher dachte, wie sie im Fachmagazin «The Cryosphere» berichten.

Und: Die Daten lassen die Herzen mancher Gletscherarchäologen höherschlagen. Denn das Team kam zum Schluss, dass die grössten Teiles des Dakota-Wracks nahe der bisherigen Funde wohl in eher als vermutet wieder zum Vorschein kommen werden.