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Forschende stellen neuen Therapieansatz bei Diabetes vor

Die Insulintherapie ist das Mittel der Wahl bei Diabetes, birgt aber Risiken und Nebenwirkungen. Forschende der Uni Genf haben durch Versuche mit Mäusen ein Molekül identifiziert, das den Weg zu einer neuen Kombitherapie ebnen soll.
Wenn die Blutzuckerregulation des Körpers nicht mehr funktioniert, ist die Insulinspritze das Mittel der Wahl, den Blutzucker in Balance zu halten. Eine neue Kombitherapie könnte womöglich mit weniger Nebenwirkungen einhergehen. (Bild: KEYSTONE/AP/REED SAXON)

Wenn die Blutzuckerregulation des Körpers nicht mehr funktioniert, ist die Insulinspritze das Mittel der Wahl, den Blutzucker in Balance zu halten. Eine neue Kombitherapie könnte womöglich mit weniger Nebenwirkungen einhergehen. (Bild: KEYSTONE/AP/REED SAXON)

(sda)

Wer an Diabetes Typ 1 oder einer schweren Form des «Alterszuckers» Typ 2 leidet, hat die Insulin-Spritze als ständigen Begleiter. Die Therapie ist jedoch nicht ohne Risiken: Überdosis kann zu gefährlicher Unterzuckerung, eine zu geringe Dosis zu schädlicher Hyperglykämie führen. Ohne ausreichenden Zuckervorrat baut die Leber Fette ab und produziert dabei Stoffwechselprodukte namens Ketone, die in grosser Menge schädlich werden können. Zudem erhöht die Langzeittherapie das Risiko für Herzkreislauferkrankungen, weil Fett- und Cholesterolgehalt im Blut steigen.

Forschende um Roberto Coppari von der Universität Genf fokussieren daher bereits seit fast zehn Jahren auf ein anderes Hormon, das ebenfalls Blutzucker und Blutfettgehalt regulieren könnte. Dieses Hormon namens «Leptin» spielt eine Rolle bei der Regulierung des Hungergefühls, ist aber als Therapeutikum schwierig einzusetzen, wie die Universität in einer Mitteilung vom Mittwoch festhielt. Damit behandelte Personen entwickeln eine Leptin-Resistenz.

Protein hilft bei Zuckerregulation

Deshalb untersuchten die Genfer Forschenden, welche Mechanismen durch Leptin angestossen werden, um neue Möglichkeiten der Blutzuckerregulation aufzutun. Fündig wurden sie bei Untersuchungen mit Mäusen, die selbst kein Insulin produzieren konnten und mit Leptin behandelt wurden. Bei ihnen fand sich eine grosse Menge eines Proteins namens S100A9 im Blut.

Auf den ersten Blick kein besonders vielversprechender Kandidat. Zusammen mit seinem Partnerprotein S100A8 bildet S100A9 einen Komplex namens Calprotectin, der Symptome von Entzündungs- oder Autoimmunerkrankungen auslöst. Die Versuche mit Mäusen zeigten jedoch, dass grosse Mengen des S100A9 dieses Problem beheben: Das Überangebot dieses Proteins scheint die Bildung des schädlichen Calprotectin zu unterdrücken, wie die Wissenschaftler im Fachblatt «Nature Communications» berichten.

Hochdosiertes S100A9 verbesserte zudem die Blutzuckerregulation der Insulin-losen Mäuse, sowie eine bessere Regulation von Blutfetten und Stoffwechselprodukten, die unter Insulin-Dauertherapie problematisch werden können.

Abklärung mit Patienten

Derzeit seien klinische Abklärungen im Gange, ob sich dieser Therapieansatz auch auf menschliche Patienten übertragen lässt, schrieb die Uni Genf. Darauf deuten auch Ergebnisse aus früheren Studien hin, die einen Zusammenhang zwischen erhöhten S100A9-Mengen im Blut und einem geringeren Diabetesrisiko festgestellt hätten, erklärte Coppari gemäss der Mitteilung.

Die Forschenden arbeiten auf eine Kombinationstherapie aus niedrig dosiertem Insulin und S100A9 hin, um die Blutzuckerregulation zu verbessern und Nebenwirkungen der Insulintherapie zu reduzieren.

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