Biologie

Forschende entdecken ein Langzeitgedächtnis-Gen

Forschende der Universität Basel haben bei Fadenwürmern einen molekularen Mechanismus entdeckt, der Gelerntes ins Langzeitgedächtnis überträgt. Die Ergebnisse sind auch für Menschen interessant, da die Prozesse bei allen Lebewesen nahezu identisch ablaufen.

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Längst nicht alles, was der Mensch erlernt, merkt sich das Gedächtnis für immer. Forschende der Uni Basel haben nun einen molekularen Mechanismus entdeckt, der eine zentrale Rolle für ein gutes Langzeitgedächtnis spielt.

Längst nicht alles, was der Mensch erlernt, merkt sich das Gedächtnis für immer. Forschende der Uni Basel haben nun einen molekularen Mechanismus entdeckt, der eine zentrale Rolle für ein gutes Langzeitgedächtnis spielt.

KEYSTONE/GAETAN BALLY
(sda)

Wie hiess nochmals die eigene Kindergärtnerin? Und was gab es heute zum Frühstück? Ob sich Erlerntes oder Erlebtes langfristig im Gedächtnis festsetzt oder gleich wieder vergessen geht, hängt laut der im Fachmagazin «Current Biology» veröffentlichten Studie mit einem bestimmen Gen namens mps-2 zusammen.

Demnach zeigte sich in Experimenten mit genmanipulierten Fadenwürmern: Fehlte den Organismen das mps-2-Gen, besassen sie zwar das gleich gute Kurzzeitgedächtnis wie ihre Artgenossen. Ihr Langzeitgedächtnis war jedoch schlechter, wie die Uni Basel am Dienstag mitteilte.

Zwei Proteine als Angriffspunkte für Medikamente

Ähnlich wie Menschen erleiden auch Fadenwürmer einen altersabhängigen Gedächtnisverlust. Das mps-2-Gen spielt laut der Studie auch hier eine Rolle: Das Gen codiert für ein Protein, das mit einer reduzierten Gedächtnisleistung zusammenhängt. Je älter die Fadenwürmer, desto weniger produzierten sie dieses Protein.

Die Herstellung dieses Proteins wird von einem anderen Protein namens NHR-66 gedrosselt. Führten die Forschenden den Würmer MPS-2-Proteine zu oder inaktivierten NHR-66, wiesen sie dieselbe Gedächtnisleistung wie jüngere Artgenossen auf.

Die beiden Moleküle könnten daher in Medikamenten das Vergessen im Alter abmildern, wie die Forschenden hoffen.

http://doi.org/10.1016/j.cub.2020.10.069