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Fernsehen und Gratiszeitung prägen Meinungsbildung

Das Fernsehen hat in der Schweiz den grössten Einfluss auf die Meinungsbildung - vor dem Radio, der Presse und den Online-Medien. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung im Auftrag des Bundes.
Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) hat das Mediensystem unter die Lupe genommen. Im Bild Bernard Maissen, Leiter der Abteilung Medien (rechts), und Stefan Thommen, Mitglied der Geschäftsleitung von Publicom. (Bild: KEYSTONE/MARCEL BIERI)

Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) hat das Mediensystem unter die Lupe genommen. Im Bild Bernard Maissen, Leiter der Abteilung Medien (rechts), und Stefan Thommen, Mitglied der Geschäftsleitung von Publicom. (Bild: KEYSTONE/MARCEL BIERI)

(sda)

Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) hat am Dienstag den ersten «Medienmonitor Schweiz» präsentiert. Bisher habe trotz vieler Studien der Gesamtüberblick gefehlt, sagte Bakom-Vizedirektor Bernard Maissen vor den Medien.

Der Medienmonitor, den das Forschungsbüro Publicom erstellt hat, soll das ändern: Auf einer Webseite werden Befunde zusammengeführt und visualisiert. Der Monitor gibt Auskunft über den Einfluss verschiedener Mediengattungen und Medienmarken auf die Meinungsbildung in der Schweiz und in den Sprachregionen. Auch die Besitzverhältnisse und unternehmerischen Verflechtungen werden dargestellt.

SRG und Tamedia an der Spitze

Das einflussreichste Medienunternehmen ist gemäss der Untersuchung die SRG SSR, gefolgt von Tamedia. Die einflussreichsten Einzelmedien sind die Tamedia-Gratiszeitungen «20 Minuten / 20 minutes / 20 minuti», vor den Fernseh- und Radioprogrammen der SRG SSR. Hinsichtlich der Meinungsmacht sei «20 Minuten» gesamtschweizerisch die klare Nummer eins, schreiben die Forscher.

Zur Ermittlung der Meinungsmacht beurteilten Mediennutzerinnen und -nutzer in einer repräsentativen Befragung die Leistungen der Marken als Informationsmedien. Diese qualitative Bewertung wurde mit den Resultaten von Reichweitenstudien kombiniert. Bei der Meinungsmacht handle es sich um das Potenzial, eine meinungsbildende Wirkung zu entfalten, erklärte Stefan Thommen von Publicom.

Alte für TV, Junge für «20 Minuten»

Der Medienmonitor zeigt auch Unterschiede zwischen verschiedenen Altersgruppen auf. Gesamthaft hat das Fernsehen den grössten Einfluss auf die Meinungsbildung. Bei den unter 30-Jährigen aber liegt das Fernsehen mit einem Anteil von nur 19 Prozent hinter Radio, Print und Online. Diese Gruppe zieht vor allem «20 Minuten» zur Meinungsbildung bei. Mit grossem Abstand folgen bei den jungen Medienkonsumentinnen und -konsumenten Radio SRF 3 und «Blick».

In den ältesten Publikumsgruppen dagegen dominieren die Fernseh- und Radioprogramme der SRG SSR. Bei der Gruppe der 45- bis 59-Jährigen hat das Fernsehen einen Anteil von 33 Prozent an der Meinungsmacht, bei den über 60-Jährigen sind es gar 41 Prozent. Online-Angebote kommen über alle Altersgruppen betrachtet auf 17 Prozent, bei den unter 30-Jährigen auf 24 Prozent.

«Blick» wichtiger für Männer

Auch zwischen den Sprachregionen gibt es Unterschiede. Zwar hat das Fernsehen in allen Sprachregionen die grössere Meinungsmacht als die Presse. In der Deutschschweiz ist Print aber stärker als in den lateinischen Sprachregionen. Online-Angebote liegen in allen drei Landesteilen an letzter Stelle.

In der Deutschschweiz ist bei den Medienmarken SRF 1 der Meinungsmacht-Leader, knapp vor «20 Minuten» und Radio SRF 1. Die einzigen Bezahlzeitungen in den Top Ten der meinungsbildenden Medienmarken sind «Blick» und «Tages-Anzeiger». Der «Blick» ist bei Frauen auf Position vier hinsichtlich der Meinungsmacht, bei Frauen nur auf Position zehn.

Meinungsbildung nicht gefährdet

Publicom kommt zum Schluss, dass das Schweizer Mediensystem im Jahr 2017 eine ausgewogene Meinungsbildung der Bevölkerung garantiert hat. Die Erhebung zeige eine vielfältige Medienlandschaft, die ihre gesellschaftliche Funktion weitgehend erfülle - trotz schwieriger Marktbedingungen und potenziell schädlicher Konzentrationstendenzen, schreibt das Forschungsbüro.

Einzelne Medienmarken oder Konzerne seien nicht in der Lage, die Meinungsbildung über Gebühr zu prägen. Zwar formierten sich in vielen Räumen ein «Duopol» mit der SRG und Tamedia. Es sei jedoch nicht anzunehmen, dass in absehbarer Zeit ein einziger Anbieter in einem der Märkte zu dominant werden könnte.

Angesichts der anhaltenden Tendenz zur Vereinheitlichung von Inhalten sei jedoch Wachsamkeit angezeigt, sagte Thommen. Das Ergebnis unterstreiche auch die Bedeutung der Konzessionspflicht für eine ausgewogene Berichterstattung. Die «massive Überalterung» des TV-Publikums stelle das heutige, rundfunkzentrierte Fördersystem jedoch vor grosse Herausforderungen für die künftige Absicherung einer ausgewogenen Meinungsbildung.

www.medienmonitor-schweiz.ch

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