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Experten empfehlen: Kanton Bern soll Zweisprachigkeit besser nutzen

Der Kanton Bern soll seine Zweisprachigkeit künftig mehr als Chance und als Potenzial begreifen und nicht als Bürde und Last. Das empfiehlt eine Expertenkommission nach einer Analyse des Ist-Zustands.
Der Kanton Bern sollte laut einer Expertenkommission seine Zweisprachigkeit konsequent zur Schau stellen - wie diese Bäckerei in Biel. (Bild: KEYSTONE/MARTIN RUETSCHI)

Der Kanton Bern sollte laut einer Expertenkommission seine Zweisprachigkeit konsequent zur Schau stellen - wie diese Bäckerei in Biel. (Bild: KEYSTONE/MARTIN RUETSCHI)

(sda)

In einem am Montag veröffentlichten Bericht an die Berner Kantonsregierung formuliert die Kommission eine «Vision der kantonalbernischen Zweisprachigkeit», die drei Elemente enthält: Französisch- und Deutschsprachige sollen sich im Kanton Bern wohl fühlen - in einem Kanton, der eine echte Zweisprachigkeit lebt.

Der Kanton Bern soll im Weiteren national als vorbildlich für seinen Umgang mit der Zweisprachigkeit wahrgenommen werden. Drittes Element der Vision ist: Bern fungiert zwischen Deutschschweiz und Romandie als Bindeglied. Da die Kantonshauptstadt auch Bundesstadt sei, stehe der Kanton Bern besonders in der Verantwortung.

Kommissionspräsident Hans Stöckli sagte am Montag bei der Präsentation des Berichts vor den Medien in Bern, der Kanton Bern müsse künftig den Mehrwert in den Vordergrund rücken, den die Mehrsprachigkeit bedeute, nicht die Kosten.

Die Zweisprachigkeit bedeute etwa einen Mehrwert als kulturelle Bereicherung. Sie trage zur Anpassungsfähigkeit der Bewohner bei und sei ein Element eines attraktiven Wohn-, Tourismus- und Wirtschaftsstandorts: Das sagte der Berner SP-Ständerat und frühere Stadtpräsident der zweisprachigen Stadt Biel weiter.

46 Empfehlungen

Die Kommission hat 46 Empfehlungen formuliert mit dem Ziel, dass sich der Kanton Bern in Sachen Zweisprachigkeit profiliert und sich Deutsch- und Französischsprachige in diesem Kanton wohl fühlen. Zu ihnen gehört, dass die Berner Regierung eine Zweisprachigkeitsstrategie entwickelt.

Auch soll ein kantonales Zweisprachigkeitsgesetz erlassen werden. An einen kantonalen Zweisprachigkeits-Förderfonds denken die Fachleute ebenfalls und dass Sprachkompetenzen in der Kantonsverwaltung lohnrelevant werden. Auf allen Schulstufen möchte die Kommission einen obligatorischen Klassenaustausch einführen.

Für Listenspitäler empfiehlt sie gewisse Mindestanforderungen, etwa zweisprachige Beschilderungen und Internetauftritte. Die Kommission wollte auch empfehlen, die Strassen und Plätze Berns zweisprachig zu beschriften, liess diese Empfehlung aber nach Widerstand aus der Stadt Bern fallen.

Ihre Empfehlungen stützt die Kommission unter anderem auf eine Befragung von 500 Personen aus allen Teilen des Kantons Bern. Dieses «Zweisprachigkeitsbarometer» ergab nach Angaben der Kommission, dass 69 Prozent der Befragten denken, die Zweisprachigkeit trage zur Attraktivität des Kantons Bern bei.

Versprechen eingelöst

Die Berner Kantonsregierung setzte die Expertenkommission im Mai 2017 ein. Sie löste damit ein Versprechen ein, das sie vor den Abstimmungen von 2013 zur Zukunft der Jura-Region abgegeben hatte. Damals versprach die Berner Regierung, das seit 2004 bestehende Sonderstatut für den Berner Jura auszubauen.

Im Zusammenhang mit diesem Ausbau wollte die Berner Regierung den Stand der Zweisprachigkeit im Kanton Bern und deren Entwicklungsmöglichkeiten untersucht haben.

Wie Stöckli sagte, ist es nun am Berner Regierungsrat, die Konsequenzen aus dem über 100-seitigen Bericht zu ziehen. Es sei klar, dass die Förderung der Zweisprachigkeit etwas kosten werde. Die Berner Regierung hat in einem ersten Schritt die Staatskanzlei beauftragt, bis Ende Juni 2019 eine Würdigung des Berichts und einen Umsetzungsvorschlag auszuarbeiten.

Elf Prozent Französischsprachige

Der Kanton Bern zählte 2016 bei etwas mehr als einer Million Einwohner rund 110'500 Französischsprachige. Das sind elf Prozent der Bevölkerung. Die Französischsprachigen leben im Berner Jura, in der zweisprachigen Stadt Biel und im übrigen Kanton Bern, dort vorab in der Umgebung Biels, in der Stadt Bern und in den Agglomerationen.

Laut dem Bericht nimmt die französischsprachige Bevölkerung des Kantons Bern in letzter Zeit stärker zu als die deutschsprachige. In den zwei anderen zweisprachigen Kantonen der Schweiz, den Kantonen Freiburg und Wallis erreicht die deutschsprachige Minderheit laut Bundesamt für Statistik einen Anteil von 27 und 26 Prozent.

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