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Eine neue App für die Zukunft: So wollen die SBB den Verkehr revolutionieren

Schon im Dezember wollen die SBB ihre neue Mobilitätsplattform lancieren, die verschiedene Verkehrsmittel an einem Ort bündelt. Das Ziel: die «weltbeste» App zu entwickeln.
Dominic Wirth
Die neue App soll den Verkehr in der Schweiz umkrempeln. (Bild: KEYSTONE/Anthony Anex)

Die neue App soll den Verkehr in der Schweiz umkrempeln. (Bild: KEYSTONE/Anthony Anex)

Es sollte eigentlich um die Zukunft gehen. Doch so ganz ohne Gegenwart geht es gerade nie für Andreas Meyer. Der SBB-Chef steht aufgrund der Sicherheitsprobleme der EW-IV-Wagen derzeit ziemlich unter Druck. Und so sagte Meyer an der Medienkonferenz am Dienstag zuerst ein paar Worte zu den Sonderkontrollen, die derzeit an den Wagen durchgeführt werden. Bei einem von ihnen hatte Anfang Monat der Einklemmschutz versagt. Ein Zugbegleiter wurde tödlich verletzt. Die angeordneten Sonderkontrollen sollen, so Meyer, am Mittwoch abgeschlossen sein.

Dann wandte sich Meyer der Zukunft zu. Und für die hat die SBB grosse Pläne. Sie wollen eine neue Mobilitätsapp lancieren, die nichts weniger als einen «Quantensprung» bedeuten und die «weltbeste» ihrer Art werden soll, wie Meyer sagte. Für die Entwicklung kooperiert die Bundesbahn mit Axon Vibe, einem Luzerner Software-Unternehmen. Dessen Verwaltungsratspräsident, Stefan Muff, verkaufte einst seinen Kartendienst Endoxon an Google. Mit der Technologie wurde später Google Maps massgeblich ausgebaut. Die SBB beteiligen sich mit fünf Prozent an Axon Vibe, das auch im Nahverkehr von New York tätig ist.

Erster Partner sollen Circ und Mobility sein

Per Publibike von der Haustür bis zum Bahnhof, und später, nach der Fahrt im Zug, die letzten Meter zum Ziel per E-Scooter zurücklegen: All das, so die Vision der SBB, soll schon bald über eine Plattform gebucht und bezahlt werden. Im Dezember will die Bundesbahn eine entsprechende App aufschalten. Sie soll dereinst auch die individuellen Verkehrsmittel-Vorlieben des Nutzers kennen und Reisen entsprechend planen.

Erste mögliche Partner sind der Velo-Verleiher Publibike, das Carsharing-Unternehmen Mobility oder der E-Scooter-Anbieter Circ. Entsprechende Absichtserklärungen liegen laut Ladina Purtschert, der Projektleiterin bei den SBB, vor.

Ab Dezember planen die SBB einen Versuchsbetrieb, das Ziel sind 5000 Nutzer. Laufend sollen neue Angebote dazukommen. Irgendwann soll das Angebot die heutige SBB-Mobile-App mit ihren über drei Millionen aktiven Nutzern ersetzen. Allerdings ist das noch Zukunftsmusik: Ein entsprechender Entscheid wird erst in eineinhalb Jahren gefällt.

SBB-Chef Meyer und die Vertreter von Axon Vibe waren bemüht, Bedenken etwa bezüglich des Datenschutzes zu zerstreuen. Die Daten sollen dem User gehören, sagte Stefan Muff. Seine Vision ist eine grosse, «ein Frontalangriff auf das Silicon Valley». Er wolle ein Exportgut schaffen, eine «weltweite Mobilitätsplattform», wie er es formulierte. Andreas Meyer betonte, die Plattform werde allen Anbietern offenstehen und es werde auch keine Lenkung auf Verkehrsträger und keine Provisionen für die SBB geben.

Pro Bahn ist irritiert über den Zeitpunkt

Die SBB wollen sich für die Zukunft rüsten. Es war an der Pressekonferenz viel von neuen Kundenbedürfnissen die Rede, die es zu decken gelte. Pro Bahn, die Interessenvertretung der Kunden des öffentlichen Verkehrs, reagiert indes kritisch auf die Pläne. Präsidentin Karin Blättler hinterfragt einerseits angesichts der aktuellen Probleme die Prioritätensetzung. «Die SBB haben derzeit eigentlich genug zu tun, ich verstehe nicht, weshalb in dieser schwierigen Zeit ein solches Projekt lanciert wird», sagt Blättler. Zudem ist sie der Ansicht, dass es nicht Aufgabe der SBB sei, eine entsprechende Plattform aufzubauen. «Das müsste man allenfalls anderen, privaten Playern überlassen», sagt Blättler.

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