Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Eine Hommage an die vergessene Bedeutung der Taschentücher

Heute sind Taschentücher aus Papier, ein Alltagsutensil: Sie werden benutzt und weggeworfen. Eine schöne Ausstellung im Museum Appenzell erinnert an ihre Bedeutung, als sie noch aus Stoff und kostbar waren.
Eine vielseitige Ausstellung im Museum Appenzell widmet sich der heute vergessenen Bedeutung von Taschentüchern. Gezeigt werden unter anderem die kreativen Entwürfe von Appenzeller Firmen in Musterbüchern. (Bild: Museum Appenzell)

Eine vielseitige Ausstellung im Museum Appenzell widmet sich der heute vergessenen Bedeutung von Taschentüchern. Gezeigt werden unter anderem die kreativen Entwürfe von Appenzeller Firmen in Musterbüchern. (Bild: Museum Appenzell)

(sda)

Die Ausstellung beginnt im Parterre des Museums mit Auslagen von Taschentüchern, wie sie früher in Schaufenstern von Geschäften präsentiert wurden. Zu sehen sind sie in allen möglichen Farben und Designs. Der Zeitgeist der 1950-er und 1960-er Jahre lässt sich unschwer herauslesen.

Im ersten Stock geht es um die Zeit, als in die Stoffquadrate noch nicht profan hineingeschneuzt wurde. Taschentücher waren luxuriöse Zierstücke, sorgfältig ausgewähltes modisches Beiwerk - eigentliche Kostbarkeiten. In den 1870-er Jahren bewahrten Damen das parfümierte Tüchlein im Dekolleté oder im Ärmel auf.

Zentrale Rolle der Frauen

Der Ort der Ausstellung ist kein Zufall: Appenzell war ab 1920 ein wirtschaftliches Zentrum für die Herstellung und Veredelung von Taschentüchern. Aus kleinen Betrieben entwickelten sich eigentliche Taschentuchfabriken mit zahlreichen Arbeitsplätzen und Exporten in alle Welt. Unter anderem liessen die Unternehmen bei der Firma Jura extra schwere Bügeleisen herstellen, damit die Tüchlein effizient gebügelt werden konnten.

Die Rolle der Frauen war bei Produktion und Verkauf zentral: Die sogenannten Ferggerinnen arbeiteten zum Teil direkt mit den Agenten von grossen Pariser Kaufhäusern zusammen. Sie nahmen Aufträge entgegen und garantierten für deren Qualität. Die Stickarbeiten gaben sie dann an Heimarbeiterinnen weiter.

Die noch aus der Hochblüte der Stickereizeit stammende Fingerfertigkeit der Appenzellerinnen mit der Nadel erwies sich als entscheidender Standortvorteil. Sie versahen die feinen Stoffe mit verschlungenen Monogrammen, kunstvollen Blumenmotiven, oder fertigten als Rouliererinnen Rollsäume an.

Kreative Entwürfe

Kreativität war dabei stets gefragt. Bei bedruckten Taschentüchern verlangten die Kundinnen und Kunden immer wieder neue Entwürfe. In der Ausstellung zu sehen sind etwa Musterbücher der Firma Huber-Lehner AG ab den 1950-er Jahren. Jeden Frühling und Herbst wurden neue Kollektionen kreiert. Sujets, Muster und Farben richteten sich jeweils nach der neuesten Mode.

Die Blütezeit der Taschentücher dauerte ein paar Jahrzehnte und ist längst vorbei. Die Ausstellung lässt nun diese vergangene Zeit wieder aufleben. Sie dauert noch bis zum 3. November.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.