Dschihad-Aufruf ist erlaubt: Kritisierter Imam bleibt straffrei

Ein Strafverfahren zeigt, wie ein Prediger zu Unrecht unter Verdacht geraten ist. Ein Zeitungsartikel und eine SVP-Anzeige haben dazu geführt, doch in den Ermittlungen änderte sich das Bild.

Andreas Maurer
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Die König-Faysal-Moschee ist immer wieder im Fokus von Journalisten und Strafverfolgern: Hier eine Razzia von 2016. (Bild: Roland Schmid, Basel, 27.9.2016)

Die König-Faysal-Moschee ist immer wieder im Fokus von Journalisten und Strafverfolgern: Hier eine Razzia von 2016. (Bild: Roland Schmid, Basel, 27.9.2016)

«Imam ruft in Basel zum Dschihad auf – In einer Moschee wird der Kampf gegen Ungläubige gepriesen» – so lauteten die Frontschlagzeilen der «Sonntags-Zeitung» im Juni. Sie berichtete über eine Freitagspredigt in der König-Faysal-Moschee. Drei Tage später erstatten zwei SVP-Politiker Anzeige wegen öffentlicher Aufforderung zu Gewalt. Die Basler Staatsanwaltschaft eröffnete darauf ein Strafverfahren gegen den Imam, einen 64-Jährigen aus Lörrach. Nun hat sie es rechtskräftig eingestellt, weil sich der Verdacht nicht erhärten liess.

Die Einstellungsverfügung setzt sich mit der Frage auseinander, wie der Dschihad-Aufruf zu verstehen war. Dazu muss man wissen: Es gibt zwei Arten von Dschihad, eine harmlose und eine gefährliche. Mit dem grossen Dschihad ist der tägliche Kampf gegen die eigenen Laster gemeint. Mit dem kleinen Dschihad hingegen ist der bewaffnete Kampf gegen Ungläubige gemeint.

In seiner Predigt sagte der Imam: «Mit dem Dschihad kämpft man gegen die Feinde Gottes.» Dies sei nach dem Glauben an Gott der beste Weg, um diesem näher zu kommen. Der Imam machte die Aussage im Kontext einer historischen Schlacht und sagte, was man daraus lernen könnte. Die Zeitung interpretierte dies als «verkappten Aufruf zum bewaffneten Kampf gegen Ungläubige» und stellte einen Bezug zu Terrororganisationen her.

Der Imam verteidigte sich im Artikel, er habe nur aus der Prophetentradition zitiert und nicht den gewaltsamen Dschihad gemeint. Die Zeitung taxierte die Aussage als Ausrede. Der Moscheeverwalter verteidigte die Predigt zudem mit der Aussage, gemeint sei höchstens ein defensiver Kampf. Die Zeitung taxierte die Argumentation als «verschmitzt». Der Text ist eine Indiziensammlung für die Interpretation der Predigt als Aufruf zum bewaffneten Angriffskampf.

Der Journalist in der Einvernahme

Die Basler Staatsanwaltschaft führte zwei Einvernahmen durch. Zuerst befragte sie den Moscheeverwalter, der angab, die Predigt habe vom grossen Dschihad gehandelt, also vom alltäglichen Kampf gegen die Laster. Für die zweite Einvernahme wurde der Autor Kurt Pelda aufgeboten. Er sagte, der Nachweis, der Imam habe öffentlich zu offensiven Operationen gegen Ungläubige aufgerufen, sei unmöglich zu erbringen.

Im Zeitungsartikel hat er den Nachweis zwar tatsächlich nicht erbringen können, aber er hat einen wortreichen Versuch dafür unternommen. Gegenargumente hat er erwähnt, aber entkräftet.

Nach den zwei Einvernahmen kam der Staatsanwalt zum Schluss, dem Beschuldigten könne keine Straftat nachgewiesen werden. Dennoch erwähnt er ein zusätzliches Argument für die Unschuld. 47 Moscheebesucher bezeugten in einer Unterschriftensammlung, sie hätten die umstrittene Freitagspredigt nicht als Aufruf zu Gewalt verstanden.

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Andreas Maurer