Die Glarner Landsgemeinde 2020 findet nicht mehr statt

Die vom ersten Mai-Sonntag auf den 6. September verschobene Glarner Landsgemeinde findet dieses Jahr definitiv nicht mehr statt. Der Grund ist die Corona-Pandemie. Es ist die erste Absage seit der Gründung des Bundesstaates 1848.

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Zuerst wegen der Corona-Pandemie vom Mai auf den September verschoben und jetzt ganz abgesagt: die Glarner Landsgemeinde. (Bildaufnahme von 2018).

Zuerst wegen der Corona-Pandemie vom Mai auf den September verschoben und jetzt ganz abgesagt: die Glarner Landsgemeinde. (Bildaufnahme von 2018).

KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER
(sda)

Bereits die Landsgemeinde Appenzell Innerrhoden, die jeweils Ende April durchgeführt wird, ist dieses Jahr abgesagt worden. Die politischen Geschäfte wurden vergangenes Wochenende an der Urne entschieden, ebenso die Wahl von Monika Rüegg Bless in die Regierung.

Die Glarner Regierung teilte am Dienstag mit, dringliche Geschäfte würden statt an der Landsgemeinde im Landrat (Kantonsparlament) behandelt. Die übrigen Traktanden würden auf die Landsgemeinde 2021 verschoben. Dem Landrat sollen sechs Geschäfte zur Beschlussfassung unterbreitet werden, darunter die Wahl des neuen Landammanns sowie jene des Landesstatthalters.

Fallzahlen steigen auch im Glarnerland

Zur Absage der alljährlich wichtigsten politischen Versammlung im Glarnerland führte vor allem der Umstand, dass die von der Regierung festgelegte maximale Coronavirus-Fallzahl «mit grosser Wahrscheinlichkeit überschritten wird». Es wurde ein Grenzwert von zehn miteinander nicht verknüpften Ansteckungsfällen in den zwei Wochen vor der Landsgemeinde definiert.

Die Regierung schrieb, weltweit zeichne sich eine zweite pandemische Welle ab. Auch im Glarnerland steige die Zahl der Ansteckungen seit Anfang August wieder kontinuierlich. Zwischen dem 10. und dem 24. August seien 16 Personen mit positivem Coronavirus-Befund registriert worden. Eine Rolle spielte bei den Überlegungen der Regierung zudem die voraussichtlich zu erwartende tiefe Stimmbeteiligung im Ring.

Selbst in Kriegsjahren versammelt

Eine Absage der Landsgemeinde mit deren über 600-jähriger Tradition ist in den letzten Jahren nie vorgekommen. Seines Wissens sei die Versammlung in den vergangenen 50 Jahren stets durchgeführt worden, abgesehen von wetterbedingten Verschiebungen, sagte der Glarner Ratsschreiber Hansjörg Dürst auf Anfrage.

Tatsächlich ist es die erste Verschiebung der Glarner Landsgemeinde in der heutigen Form. Verschoben oder später weitergeführt wurde die Landsgemeinde jedoch schon einige Male, wie die Glarner Behörden mitteilten.

Die Stimmberechtigten versammelten sich im Ring auf dem Zaunplatz mitten im Hauptort Glarus, selbst als in Europa ein Krieg tobte. Sowohl in den Jahren des Ersten Weltkrieges von 1914 bis 1918 als auch zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges von 1939 bis 1945 wurde die Landsgemeinde alljährlich abgehalten.