Bundespräsidentin Sommaruga stellt sich den Fragen von Jugendlichen

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga hat sich am Dienstag im Medienzentrum den Fragen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus der ganzen Schweiz gestellt. Erfahren hat man dabei unter anderem, dass der Bundesrat keine Whatsapp-Chatgruppe hat.

Drucken
Teilen
Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga stellte sich den Fragen der Jugendlichen.

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga stellte sich den Fragen der Jugendlichen.

KEYSTONE/ANTHONY ANEX
(sda)

Für einmal waren es Jugendliche und junge Erwachsene, die vis-à-vis der Bundespräsidentin im Medienzentrum des Bundes Platz nahmen - und nicht nur die Journalisten.

Die zehn Jugendlichen und jungen Erwachsenen waren zwischen 13 und 23 Jahre alt und hatten an der Aktion «Frag die Bundespräsidentin!» teilgenommen, die vom Dachverband Schweizer Jugendparlamente (DSJ) organisiert worden war. Die Fragen drehten sich etwa um Klimapolitik, die Corona-Pandemie, den Militärdienst, den Frauen nicht leisten müssen, und die Einbindung der Jugendlichen in die Politik.

Politische Fähigkeiten

Letzteres war der Bundespräsidentin offensichtlich ein Anliegen. Sie sei für ein mehr Mitspracherecht von Jugendlichen in den politischen Prozessen. Entsprechende Schritte müssten jedoch mit einer verstärkten politischen Bildung einhergehen, die die Schulen leisten müssten, erklärte Sommaruga.

Sie ermunterte die Teilnehmenden, im Rahmen von Jugendparlamenten oder Jungparteien ihre Forderungen an die Politikerinnen und Politiker zu stellen. Das Erlernen der Landessprachen sei wichtig, wenn man in politisieren wolle, aber auch die Fähigkeit, sich immer wieder in die Rolle des politischen Gegners hineinzuversetzen. «Ich habe auch schon mit meinem Mann Rollenspiele gemacht und übernahm für einmal die Position des Gegners.» Das helfe auch, die Argumente der Gegenseite besser zu verstehen und zu sagen: «Bei diesem Punkt hat er eigentlich recht.»

Für andere einstehen

Sie selbst sei eher schüchtern gewesen als Jugendliche und hätte wohl kaum an solch einem Anlass wie hier im Medienzentrum teilgenommen. Zur Politik sei sie durch die Arbeit im Frauenhaus gekommen. «Ich wollte mich für die Anliegen dieser Frauen einsetzen - das hat mich politisiert.» Dies brauche es immer wieder in der Schweiz: Menschen, die sich für andere einsetzten, die selbst für sich vielleicht nicht einstehen könnten.

Aber auch die Einführung des Frauenstimmrechts war für Sommaruga eine prägende Erfahrung. Wenn sie mit den Eltern am Abstimmungssonntag auf die Gemeinde ging, um abzustimmen, sei immer nur der Vater in das Gemeindehaus. «Als ich elf Jahre alt war, ging plötzlich auch meine Mutter mit dem Stimmcouvert auf die Gemeinde.»

Auf die Frage nach den sozialen Medien sagte Sommaruga, sie hätte sich vor zwei Jahren dafür entschieden, auf Twitter und Instagram präsent zu sein. Sie hätte dies aber lernen müssen. Und Nein: «Der Bundesrat hat keine Whatsapp-Chatgruppe.» Man telefoniere, gehe Kaffee trinken oder am Abend ein Bier. «Mit wem ich Kaffee und mit wem Bier trinke, verrate ich hier aber nicht.»