Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Bischof Vitus Huonder: «Verhütung gehört zur Kultur des Todes»

Exakt 50 Jahre nachdem sich der Papst gegen Empfängnisverhütung ausgesprochen hat, ermahnt Bischof Vitus Huonder seine Schäfchen zum Verzicht.
Pascal Hollenstein
Der umstrittene Bischof von Chur Vitus Huonder. (Michel Canonica / Tagblatt)

Der umstrittene Bischof von Chur Vitus Huonder. (Michel Canonica / Tagblatt)

50 Jahre ist es her, dass der damalige Papst Paul VI. eine veritable Bombe platzen liess. «Humanae Vitae» hiess diese Bombe, mit dem auf Deutsch etwas umständlichen Untertitel «Über die rechte Ordnung der Weitergabe des menschlichen Lebens». Die Enzyklika, ein lehramtliches Schreiben und damit verbindlich für alle Katholiken, enthielt das unmissverständliche Gebot: Verhütungsmittel wie die Pille oder Kondome dürfen nicht benutzt werden. In der Ehe nicht und schon gar nicht ausserhalb. Erlaubt sei – und dies selbstredend nur innerhalb der Ehe – zur Familienplanung einzig der Verzicht auf den Beischlaf während der fruchtbaren Tage des weiblichen Zyklus. Und auch das nur dann, wenn die Eheleute ehrliche und gute Gründe hätten, auf ein Kind zu verzichten.

Neuer Auftrieb während HIV-Krise

«Humanae Vitae» war mithin eine radikale Absage an die sexuelle Revolution, die sich dank der Erfindung hormoneller Verhütungsmittel gerade durchsetzte. Die päpstliche Bombe hatte enorme Sprengkraft und spaltet die katholische Welt, zumindest in den westlichen Ländern, bis heute. Kurz nach der Veröffentlichung der Enzyklika zeigten sich auch die Schweizer Bischöfe besorgt. In der «Solothurner Erklärung» relativierten sie das päpstliche Diktum. Am Ende, so die Schweizer Oberhirten, sei die Frage der Verhütung ein Gewissensentscheid der Eheleute. Neuen Auftrieb erhielt die Debatte zu «Humanae Vitae» und zur Verwendung insbesondere von Kondomen im Zusammenhang mit der Verbreitung der Immunschwächekrankheit Aids.

Und jetzt? Jetzt, 50 Jahre danach und passgenau zum Besuch des aktuellen Papstes in der Schweiz, legt der konservative Bischof von Chur, Vitus Huonder, nach. «Verhütung gehört zur Kultur des Todes», schreibt Huonder in einem Hirtenbrief: «Der christliche Geist kann sich in den Familien nur dann entfalten, wenn wir in der Ehe und in der Familie die Schöpfungsordnung wieder ganz zu respektieren ­lernen.»

Laut Huonder steht Verhütung nicht nur im Widerspruch zur göttlichen Ordnung, sondern auch im Gegensatz zur ganzheitlichen Liebe. Denn wenn Ehegatten die Fruchtbarkeit künstlich manipulierten, so lehnten sie einen Teil der Frau – nämlich ihre natürliche Fruchtbarkeit – ab. Enthaltsamkeit hingegen sei «ein leiblicher Akt der Liebe». Es gehe also um die Frage, womit der Mensch seine Geschlechtlichkeit steuere, schreibt Huonder: «Ob er es mit seinem Charakter, mit Selbstbeherrschung tut oder ob er die Steuerung einem Verhütungsmittel beziehungsweise einem Dritten, zum Beispiel dem Arzt, überlässt.»

Im Hirtenbrief bezeichnet Huonder die Lehren von Papst Paul VI. als «bleibendes Paradigma», im Kern also als unverrückbare Wahrheit. Der von Papst Franziskus 2014 seliggesprochene Paul VI. habe im Übrigen recht gehabt, wenn er schon vor 50 Jahren schlimme Konsequenzen der Verhütung vorausgesagt habe. Die Entkoppelung von Sexualität und Fruchtbarkeit habe dazu ­geführt, dass Frauen nicht mehr als Person respektiert, sondern als Objekt der Triebbefriedigung angesehen würden, schreibt Huonder.

Hirtenbrief als Richtschnur

Die sexuelle Freizügigkeit be­hindere zudem die persönliche Reifung der Jugendlichen und ­destabilisiere Ehen und Familien. Zudem habe die Verhütung nicht dazu geführt, dass Abtreibungen verschwänden – im Gegenteil führten gewisse Methoden dazu, dass sich die befruchtete Eizelle nicht in der Gebärmutter ein­nisten könne und somit dem Tod geweiht sei. Und weiter: «Die ­demografische Lage ist inzwischen besorgniserregend. Die europäischen Völker ersetzen die Generationen nicht mehr. Sie sind zu sterbenden Völkern geworden.»

Huonders Hirtenbrief soll heute Freitag offiziell publiziert werden und soll Mitarbeitern der Kirche und der Öffentlichkeit als Richtschnur dienen. Wie schon bei früheren streitbaren Äusserungen des Churer Oberhirten ist allerdings damit zu rechnen, dass ein schöner Teil der Priester im Bistum das Schreiben diskret behandeln wird. Die Detonation der päpstlichen Bombe von 1968 hallt ohnehin noch nach. Weitere Explosionen sind in vielen Kirchgemeinden nicht erwünscht.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.