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Bewohner von Campione d'Italia kämpfen verzweifelt für ihr Casino

Einen Monat ist es her, dass das gemeindeeigene Casino in Campione d'Italia seine Tore schliessen musste. Seither kämpft die gesamte Bevölkerung der kleinen italienischen Enklave am Luganersee für die Rettung des Spielhauses mit seinen 487 Arbeitsplätzen.
Das von Mario Botta geplante Casino dominiert das Dorfbild in Campione d'Italia. Nun steht es vor dem Aus. (Bild: Keystone/KEYSTONE/TI-PRESS/PABLO GIANINAZZI)

Das von Mario Botta geplante Casino dominiert das Dorfbild in Campione d'Italia. Nun steht es vor dem Aus. (Bild: Keystone/KEYSTONE/TI-PRESS/PABLO GIANINAZZI)

(sda)

Die Sonne strahlt über Campione d'Italia bei Lugano. Zwischen dem azurblauem See und den grünen Bergen wirkt die Enklave noch schöner als sonst. Doch seit jedem 27. Juli ist hier alles anders. Denn an dem Tag wurde ihr Casino von der Staatsanwaltschaft von Como (I) geschlossen. Die Gassen des Dorfes sind seither fast menschenleer, auf den Parkplätzen fehlen die Autos, kaum ein Geräusch durchbricht die Stille.

Nur vor dem Casino erwacht die Eklave zum Leben. Dieses imposante Gebäude aus gelbem Stein, entworfen vom Architekten Mario Botta. Das Gebäude wird von seinen Kritikern als «Ecomostro» bezeichnet, als ein hässlicher Betonklotz also, der überhaupt nicht in die Umgebung passt.

Vor allem die 13 Stockwerke des Baus stossen auf viel Verachtung, obwohl das Casino deswegen bei seiner Eröffnung im Jahr 2004 zum grössten Casino Europas gekürt wurde. Geplant wurde es damals für 90 Millionen Franken, am Ende kostete es doppelt so viel.

Grosse Solidarität

«Alle vereint für die gleiche Sache» steht auf den Plakaten, die überall an den Fassaden der Häuser und an den Strassen im Dorf angebracht sind. Direkt unter der Spielhalle, auf dem nun unbenutzten Parkplatz, haben die Mitarbeiter des Casinos ihr Hauptquartier errichtet. Bedeckt von einem grossen Zelt stehen dort eine Theke, eine Lagerküche, Tische und Bänke.

Beim Eingang werden die Besucher von einem Banner mit den Worten empfangen: «Salviamo Campione, day 32, mancato incasso 6,4 milioni di euro» ("Retten wir Campione, 32. Tag, Einkommensverlust 6,4 Millionen Euro»). Sieben Tage die Woche stehen die Mitarbeitenden im Einsatz und servieren hier den Demonstranten und ihren Unterstützern - also fast dem ganzen Dorf - zwei Mahlzeiten pro Tag.

«Die Solidarität ist grossartig. Wir werden von den Bewohnern, der Schule, dem Gewerbe und den Verbänden unterstützt und finanziert und erhalten von ihnen Obst, Gemüse und andere Lebensmittel», sagt Paolo Bortoluzzi, Mitarbeiter des Casinos und Mitglied der italienischen Gewerkschaft CGIL, im Gespräch mit der Agentur Keystone-SDA.

Kein Anspruch auf Arbeitslosengelder

Für ihn und seine 486 Kollegen, von denen jeder Zweite im Tessin wohnt, gebe es auf kurze Sicht keine Alternative zu einer Wiedereröffnung. «Keiner von uns wurde entlassen, also haben wir auch kein Recht auf Arbeitslosengelder in der Schweiz oder in Italien», sagt Bortoluzzi.

Er und zwei weitere Gewerkschafter, Claudio Padula und Gianni Tursi, verbergen ihre Bitterkeit nicht. «Der Konkurs war ein Schlag, den wir so überhaupt nicht erwartet haben, umso weniger, als dass wir schon seit sechs Jahren immer wieder Lohnkürzungen akzeptieren mussten.»

Doch die finanziellen Schwierigkeiten des städtischen Casinos sind nicht neu. Im Jahr 2017 lag der Umsatz der Spielbank bei über 90 Millionen Euro, die Schulden bei rund 100 Millionen Euro. Ein Fünf-Jahres-Rückzahlungsplan wurde zwar noch ausgearbeitet, doch der fiel ins Wasser.

Natürlich hätte das Casino besser geführt werden können, geben die Gewerkschafter zu. Doch einen wichtigen Grund für den Niedergang sehen sie auch in der Konkurrenz durch die Spielautomaten in den italienischen Restaurants und Bars und natürlich dem wachsenden Online-Markt. Und auch die Wirtschaftskrise Italiens habe eine Rolle gespielt: Das Casino von Campione ist bereits das vierte, das seine Tore schliessen musste.

«Salvini soll kommen!»

Zusätzlichen Groll hegen die Mitarbeiter gegenüber der italienischen Regierung, insbesondere dem Innenministerium. «[Innenminister Matteo ] Salvini hat keinen unserer Aufrufe beantwortet, uns zu besuchen, um zu sehen, was diese Schliessung für die Enklave bedeutet», sagt Bortoluzzi. «Er soll sich endlich bewegen und dem Dorf wieder Hoffnung geben!»

Am (morgigen) Mittwoch werden die Casino-Mitarbeiter und ihre Unterstützer bis vors Stadthaus von Como ziehen. Dort wollen sie den Stadthalter fragen, wie und wann das Spielkasino wieder geöffnet wird und welche Massnahmen er zu ergreifen gedenkt, um die Finanzen ins Lot zu bringen und wie eine solche Situation in Zukunft vermieden werden kann.

Im Hauptquartier in Campione ist mittlerweile Essenszeit, die Töpfe werden aufgetischt. Doch die Stimmung ist gedrückt: «Noch sind wir alle solidarisch, aber lange werden wir nicht mehr durchhalten», sagen die Gewerkschafter. «Wir leben in einem unhaltbaren Zustand, haben keine Arbeit mehr, ohne dass wir entlassen worden wären und sind so nicht einmal richtig arbeitslos.»

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