Basler Biozentrum wird bis zu 110 Millionen Franken teurer

Die Regierungen beider Basel rechnen beim neuen Basler Biozentrum mit Mehrkosten von 70 bis 110 Millionen Franken. Der Termin für die Eröffnung des Neubaus verzögert sich erneut um über ein Jahr auf 2021.

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Von aussen wirkt das neue Basler Biozentrum fertiggestellt, in Innern sind aber noch einige Fragen ungeklärt.

Von aussen wirkt das neue Basler Biozentrum fertiggestellt, in Innern sind aber noch einige Fragen ungeklärt.

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS
(sda)

Die Baugeschichte des ursprünglich mit Kosten von teuerungsbereinigt 338 Millionen Franken veranschlagten Neubaus des Biozentrums für die Universität Basel ist von Pech, Pleiten und Pannen geprägt.

Die ursprünglich auf Herbst 2017 angesetzte Eröffnung musste zunächst wegen eines Rekurses eines unterlegenen Generalplaners verschoben werden. Danach folgten wegen einer langen Verkettung von Schadensfällen und «ungenügender Leistungen» von beauftragten Unternehmern weitere massive Verzögerungen und Mehrkosten.

Gleich vier Regierungsräte beider Basel informierten als Vertreter der Bauherrschaft und Trägerkantone der Universität am Dienstag nun über den aktuellen Stand der Dinge. Mit einer Übergabe des Baus an die Universität wird frühestens im vierten Quartal 2020 gerechnet. Die Uni wird dann weitere neun Monate für den Umzug und Testbetrieb benötigen.

Die Kostenüberschreitungen werden auf 21 bis 33 Prozent geschätzt. Das wären Mehrkosten zwischen 70 und 110 Millionen Franken. Die Höhe der Mehrkosten hänge unter anderem davon ab, wie viele zusätzliche Kosten durch Versicherungsleistungen und Schadenersatzzahlungen gedeckt werden können, war zu erfahren. Im besten Fall wären dies 14 Millionen Franken.

Dazu kommen indirekte Mehrkosten für die Universität. Diese ergeben sich einerseits durch die Verzögerung des Bezugs des Neubaus. In Folge davon konnte auch der geplante Neubau des Zentrums für Biomedizin an der Stelle des alten Biozentrum-Baus nicht termingerecht in Angriff genommen werden. Die Uni hofft auf den Goodwill der beiden Basler Kantonsparlamente, dass sie unter dem Strich zumindest von den massiven direkten Mehrkosten verschont bleiben werde, wie Universitätsratspräsident Ulrich Vischer sagte.

Schlaflose Nächte

Der Basler Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels sprach von einer «ungewöhnlichen Häufung von ausserordentlichen Ereignissen». Es sei das einzige Projekt in seiner elfjährigen Tätigkeit als Bauchef im Regierungsrat gewesen, das ihm wirklich schlaflose Nächte bereitet habe. Er räumte ein, dass die Planung und Ausschreibung des hochkomplexen Projekts offensichtlich den Anforderungen nicht genügt habe.

Wessels zählte zwei Wellen von Pannen und Schadenfällen auf: Alles begann mit dem Rekurs eines Generalunternehmers gegen die Auftragsvergabe. Es folgten der Konkurs eines beteiligten Unternehmers und eine ganze Reihe an Schadenfällen beim Brandschutz, bei den sanitären Einrichtungen, technische Störungen beim Sonnenschutz sowie eine ganze Reihe an Wasserschäden und am Schluss auch Vandalenakte.

Das alles hatte bis heute rund 52 Millionen Franken an Zusatzkosten zur Folge. Mit 23,5 Millionen Franken fallen dabei Nachforderungen von Unternehmern für ihren Zusatzaufwand stark ins Gewicht.

Die eigentlichen Bauarbeiten seien mittlerweile «weitgehend» fertiggestellt, sagte der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer, der den Vorsitz der Bauherren-Lenkungsausschusses innehat. Die Schadenfälle seien «nach heutigem Wissenstand» behoben. Gegenwärtig sorge das Herauffahren der Gebäudeautomation bei den Verantwortlichen für Unsicherheiten.

Vergangenheitsbewältigung

Die Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektorin Monica Gschwind informierte, dass für die Zeit bis zur Fertigstellung einige organisatorische Massnahmen getroffen worden seien. So wurde eine Taskforce der Baukommission eingesetzt und die Projektleitung der Bauherrschaft mit 25 Spezialisten verstärkt. Für die Verhandlungen mit den Unternehmern und Versicherungen habe man einen Bau-und Planungsrechtsspezialisten beigezogen.

Die beiden Kantone wollen nach eigenen Angaben ihre Lehren aus der missglückten Baugeschichte ziehen. So werden das Basler Finanzdepartement sowie die Baselbieter Finanz- und Kirchendirektion nach Projektabschluss eine externe Expertise in Auftrag geben, sagte Cramer.