Ausstellung zu Basel während der Nazi-Zeit im Historischen Museum

Mit der Ausstellung «Grenzfälle» beleuchtet das Historische Museum Basel die Geschicke des Grenzkantons Basel-Stadt während der Zeit des Nationalsozialismus. Sie zeichnet ein Bild, das vom politischen Widerstand bis zu lukrativen Geschäftsbeziehungen reicht.

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Blick in die Ausstellung «Grenzfälle» im Historischen Museum Basel, die sich unter anderem mit dem jüdischen Basel und der Flüchtlingspolitik befasst.
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Die Ausstellung «Grenzfälle» im Historischen Museum Basel wirft auch einen Blick auf geografische Grenzfälle wie hier auf den Grenzzaun zu Deutschland.
Die Ausstellung «Grenzfälle» im Historischen Museum Basel geht auch den Spuren der Nazis in Basel nach, wo es unter anderem eine Auslandsektion der Hitlerjugend gab.

Blick in die Ausstellung «Grenzfälle» im Historischen Museum Basel, die sich unter anderem mit dem jüdischen Basel und der Flüchtlingspolitik befasst.

Historisches Museum Basel
(sda)

Beim Betreten der Ausstellungsräumlichkeiten im Untergeschoss der Barfüsserkirche wird der Blick automatisch von einer grossen Hakenkreuzfahne angezogen, die in einer Vitrine ausgelegt ist. Nicht weit davon weg ist nicht ganz so augenfällig ein Glasgefäss mit dem Farbstoff «Polarrot» der Basler Chemiefirma Geigy (heute Novartis) ausgestellt.

Diese Gegenüberstellung hat wie vieles in der Ausstellung «Grenzfälle - Basel 1933-1945» Symbolcharakter. Geigy machte während des Dritten Reichs unter anderem mit Farbstoffen gute Geschäfte mit dem nationalsozialistischen Regime. «Polarrot» wurde beispielsweise zum Einfärben der Hakenkreuzfahnen verwendet.

Die Fahne und der Farbstoff stehen für zwei von sechs Themenbereiche der Ausstellung, die von der Politik, über die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland und die geistige sowie militärische Landesverteidigung bis zum jüdischen Basel reichen.

Geografische und moralische Grenzfälle

«Wir erzählen 47 Geschichten zu Basel während der NS-Zeit», sagt Ausstellungskurator Patrick Moser - wohl bewusst, dass diese, auf eine Ausstellung konzentriert, ziemlich verkürzt wiedergegeben werden müssen. Dabei spielen persönliche Schicksale ebenso eine Rolle, wie die geografischen, menschlichen und moralischen «Grenzfälle», welche die Geschicke des Kantons während dieser Zeit prägten.

So wird zum Beispiel dargestellt, dass das politisch rote Basel im Gegensatz zum wirtschaftlichen Profitstreben unter anderem beim Umgang mit Flüchtlingen ein von heute aus gesehen besseres, weil humaneres Bild abgab, als dies der Bund getan hatte.

Auf der anderen Seite lebten 1933 gut 20'000 Deutsche im Kanton, die sich zum Teil in der Auslandsektion der NSDAP organisiert hatten und im «braunen Haus» an bester Basler Adresse trafen.

Bis in die Gegenwart

Die Ausstellung präsentiert zahlreiche Objekte aus der damaligen Zeit, die zum Teil aus der eigenen Sammlung stammen, aber auch von zehn institutionellen und fünfzehn privaten Leihgebern zur Verfügung gestellt worden sind. Darunter finden sich zu erwartende Objekte wie die Hakenkreuzfahne, aber auch überraschende Dokumente wie etwa ein Gebetsaufruf des Klosters Mariastein gegen den Kommunismus.

Dazu kommen neben Schrifttafeln zahlreiche Bild-, Video und Tondokumente. Zu hören sind zum Beispiel Basler Schnitzelbänke aus den NS-Jahren, die das Museum hat nachsingen lassen.

Ein besonderes Augenmerk haben die Ausstellungsmacher auf die Schulen gerichtet. Speziell für sie wurde ein Ausstellungsprolog mit allgemeinen Angaben zur NS-Zeit eingerichtet - unter anderem mit einem Reliefbildnis von Adolf Hitler, das im Rhein gefunden wurde.

Und schliesslich wirft die Ausstellung, die am Freitag eröffnet werden wird, einen Blick in die Gegenwart. Auf einem Monitor sind zum Beispiel Hakenkreuz-Schmierereien von heute zu sehen, die denen ähneln, die während den NS-Jahren an jüdischen Institutionen angebracht worden waren.

Die Ausstellung «Grenzfälle - Basel 1933-1945» zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs im Historischen Museum Basel dauert bis 28. März 2021. Zur Ausstellung ist im Christoph Merian Verlag eine gleichnamige 284-seitige Publikation erschienen.