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Armeechef Rebord tritt aus gesundheitlichen Gründen zurück

Armeechef Philippe Rebord tritt auf Ende Jahr zurück. Grund sind eine schwere Thrombose und ein anstehender Eingriff am Hüftgelenk.
Armeechef Philippe Rebord und Verteidigungsministerin Viola Amherd informieren über den Rücktritt Rebords und die Suche nach einem Nachfolger. (Bild: KEYSTONE/PETER KLAUNZER)

Armeechef Philippe Rebord und Verteidigungsministerin Viola Amherd informieren über den Rücktritt Rebords und die Suche nach einem Nachfolger. (Bild: KEYSTONE/PETER KLAUNZER)

(sda)

Wegen des Hüftgelenks habe er Mühe, lange zu stehen oder zu gehen, sagte Rebord am Donnerstagmorgen vor den Bundeshausmedien. Das Gelenk bereite ihm permanent Schmerzen. Er habe sich deshalb zum Rücktritt auf Ende 2019 entschieden, erklärte Rebord. Bis dahin werde er «durchbeissen». Der Operation werde er sich erst Ende Jahr unterziehen.

Verteidigungsministerin Viola Amherd bedauert den Rücktritt. «Wir haben uns von Anfang an gut verstanden», sagte sie. Rebord habe sie sehr unterstützt. Sie schätze auch dessen menschlichen Führungsstil. Im Namen des Gesamtbundesrates, den sie am Mittwoch informiert hatte, dankte Amherd Rebord für sein grosses Engagement.

Die Verteidigungsministerin kündigte einen weiteren Wechsel an: Korpskommandant Daniel Baumgartner wird vom Kommando Ausbildung zurücktreten. Er habe sie um seine Versetzung auf den 1. Januar 2020 gebeten, sagte die Verteidigungsministerin. Zu den Gründen machte sie keine Angaben. Es sei Baumgartners Wunsch, betonte sie. Rebord sagte dazu, die beiden Rücktritte seien nicht abgesprochen gewesen.

Findungskommission sucht Nachfolger

Nun beginnt die Suche nach einem Nachfolger für Rebord. Amherd setzt zu diesem Zweck eine Findungskommission ein, die das Anforderungsprofil festlegen und einen Nachfolger für Rebord vorschlagen soll. Wer der Kommission angehören wird, ist noch nicht bekannt. Gewählt wird der Chef der Armee am Ende vom Bundesrat.

Das Ziel ist, dass der neue Armeechef im Herbst beginnt, sodass er noch einige Zeit mit Rebord zusammenarbeiten kann. Für die Nachfolge kämen theoretisch nicht nur Korpskommandanten in Frage, sagte Amherd auf eine entsprechende Frage. Bisher seien aber immer Korpskommandanten zum Armeechef gewählt worden.

Klare Vorstellungen hat Rebord: Aus seiner Sicht kommen nur Personen aus der Armeeführung in Frage. Sie hätten den Überblick, sagte er. Die meisten anderen arbeiteten in einem «Silo», wobei das nicht despektierlich gemeint sei. Würde eine Person von ausserhalb der Armeeführung gewählt, bräuchte sie eine längere Einarbeitungszeit.

Jahrzehntelang in der Armee

Der 61-jährige Walliser Rebord hatte Ende 2016 die Nachfolge von André Blattmann übernommen. Im April 2016 hatte ihn der Bundesrat bereits zu Blattmanns Stellvertreter ernannt.

Rebord ist seit über 30 Jahren Berufsmilitär. Nach dem Studium in Lausanne - Geschichte, Geographie und Französisch - trat er 1985 beim Instruktionskorps der Infanterie in die Armee ein. Nach einem Studienaufenthalt am Collège interarmées de défense in Paris wurde Rebord Stabschef der Generalstabsschulen und im Jahre 2000 Kommandant der Panzerabwehrschule in Chamblon VD.

2001 wurde er Projektleiter «Rekrutierung Armee XXI». Von 2004 bis 2008 war Rebord dann Kommandant Rekrutierung innerhalb des Personellen der Armee. Auf den 1. Januar 2009 ernannte ihn der Bundesrat zum Kommandanten der Infanteriebrigade 2 und beförderte ihn zum Brigadier. 2014 folgte die Beförderung zum Divisionär und die Ernennung zum Kommandant Höhere Kaderausbildung der Armee/Chef Stab Operative Schulung.

Kampfjets und Fliegerabwehr

Im September 2018 hatte der Bundesrat beschlossen, Rebords Arbeitsverhältnis über das ordentliche Rücktrittsalter hinaus bis Ende 2020 zu verlängert. Mit der Umsetzung der Armeereform WEA und dem Programm Air2030 sei die Armee in einer Phase, die Kontinuität und Stabilität erfordere, begründete er den Schritt.

Nun kürzt Rebord um ein Jahr ab und hinterlässt seinem Nachfolger die WEA-Umsetzung und die Beschaffung von Kampfjets und Fliegerabwehrraketen. Bisher hatte er beide Projekte ohne grössere Pannen auf Kurs gehalten, auch wenn das Vorgehen bei der Luftverteidigung politisch im Gegenwind steht.

Im Zusammenhang mit der Armeereform warnte Rebord schon bei seinem Amtsantritt, dass die Armee bald zu wenige Rekruten haben könnte, um die Bestände zu füllen. Der Armeechef machte nie einen Hehl daraus, dass er den Zivildienst für zu attraktiv hielt. Sein Engagement hat inzwischen Früchte getragen: Im Februar schlug der Bundesrat eine Revision des Zivildienstgesetzes vor, mit der die Hürden für den Zivildienst erhöht werden sollen.

Frauenanteil erhöhen

Rebord hatte sich auch stets dafür eingesetzt, den Frauenanteil der Armee zu erhöhen. Sein Anliegen, den Orientierungstag auch für junge Frauen obligatorisch zu machen, scheiterte bisher an verfassungsrechtlichen Bedenken. Bei der neuen Verteidigungsministerin Viola Amherd stösst das Anliegen jedoch auf offene Ohren: Sie will die Frauenförderung in der Armee gezielt vorantreiben.

Belastet wurde Rebords bisherige Amtszeit durch den Spesenskandal in der Armee. Rebord hatte die Partnerinnen von Stabsoffizieren mit dem Helikopter an ein Seminar im Wallis einfliegen lassen. Nachdem ein Untersuchungsbericht solche Praktiken enthüllt hatte, räumte Rebord moralische Fehler ein und versprach einen Kulturwandel.

Noch schwerer als Rebord belastete der Bericht aber Ausbildungschef Baumgartner. Er soll exklusive Weihnachtsessen und Alkoholexzesse auf Kosten der Armee bewilligt haben. Baumgartner verschenkte auch Goldmünzen und bekam beim Abschied als Logistikbasis-Chef selber eine solche geschenkt. Für die beiden Offiziere hatten diese Ergebnisse des Untersuchungsbericht keine rechtlichen Konsequenzen.

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