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Bundesanwaltschaft trennt sich von Fifa-Chefermittler Olivier Thormann

Olivier Thormann hat im Strafverfahren gegen Exponenten des Weltfussballverbands Fifa keinerlei Verfehlungen begangen. Dennoch verlässt der Chef der Abteilung Wirtschaftskriminalität die Bundesanwaltschaft.
Balz Bruppacher
Olivier Thormann, Abteilungsleiter für Wirtschaftskriminalität bei der Bundesanwaltschaft, war ins Visier eines Strafermittlers geraten. Jetzt wurde er von jeglichem Anfangsverdacht entlastet; das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone)

Olivier Thormann, Abteilungsleiter für Wirtschaftskriminalität bei der Bundesanwaltschaft, war ins Visier eines Strafermittlers geraten. Jetzt wurde er von jeglichem Anfangsverdacht entlastet; das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone)

Amtsgeheimnisverletzung, Begünstigung, Sich bestechen lassen und Vorteilsannahme: Es sind keine Lappalien, mit denen sich der Leitende Staatsanwalt des Bundes im Bereich Wirtschaftskriminalität, Olivier Thormann, konfrontiert sah, als er Ende Oktober vorsorglich freigestellt wurde. Nun ist alles in sich zusammengefallen. Der von der Aufsichtsbehörde der Bundesanwaltschaft mit der Klärung der Vorwürfe beauftragte ausserordentliche Staatsanwalt Ulrich Weder hat das Strafverfahren gegen Thormann vollumfänglich eingestellt, wie er am Freitag mitteilte. Der Anfangsverdacht sei nicht erhärtet, sondern entkräftet worden.

Um was es bei den Informationen genau ging, die Bundesanwalt Michael Lauber Ende September veranlassten, die Aufsichtsbehörde einzuschalten und die das Verfahren gegen Thormann auslösten, ist nach wie vor nicht bekannt. Der Anfangsverdacht sei im Zusammenhang mit Verhaltensweisen und Äusserungen Thormanns im Kontakt zu einem damaligen Fifa-Mitarbeiter in dessen Funktion als Vertreter der Privatklägerschaft im Verfahrenskomplex Weltfussball gestanden, heisst es in der Mitteilung Weders. Gegenstand der Abklärungen seien die Straftatbestände der Amtsgeheimnisverletzung, der Begünstigung, des Sich bestechen lassens und der Vorteilsnahme gewesen.

Weitere Angaben zu den Vorwürfen machte der ausserordentliche Staatsanwalt nicht. Weder bestätigte nur frühere Angaben der Bundesanwaltschaft (BA), wonach die Vorwürfe in keinem Zusammenhang mit den beiden Treffen zwischen Lauber und Fifa-Präsident Gianni Infantino stünden, die durch die Football-Leaks-Recherchen bekannt geworden waren. Das Strafverfahren habe er aus formellen Gründen eröffnet, sagte Weder. Wenn sich ein Anfangsverdacht nicht erhärtet, wäre auch eine sogenannte Nichtanhandnahmeverfügung möglich. Daran hatte aber auch Thormann kein Interesse, wie dessen Verteidiger, der Freiburger Rechtsanwalt André Clerc, auf Anfrage sagte: „Wir wollten eine saubere Klärung der Angelegenheit und haben auch einen Freispruch erster Klasse erhalten.“ Clerc gab auch bekannt, dass die Kosten des Verfahrens vollumfänglich zu Lasten des Bundes gehen.

Thormann kehrt nicht zurück

Die Vorwürfe an Thormann seien völlig haltlos gewesen, sagte der Verteidiger weiter und bezeichnete das Vorgehen des Bundesanwalts als leichtfertig. Er verstehe aber auch, dass man die Vorwürfe nicht einfach habe im Raum stehen lassen können. Ein Verfahren wegen Falschbeschuldigung oder Irreführung der Rechtspflege wäre an sich denkbar, wird laut Clerc aber nicht angestrengt. Wichtig sei für Thormann, dass nichts von den Verdächtigungen hängen bleibe. Auf die Suspendierung bei der BA angesprochen, sagte der Verteidiger, Thormann werde die Bundesanwaltschaft trotz des Freispruchs verlassen. Darauf habe sich Thormann in einem Gespräch mit Lauber geeinigt. Zu den Abgangsmodalitäten und machte Clerc keine Angaben. Thormann werde seine Lehr- und Forschungstätigkeit fortsetzen. Die Bundesanwaltschaft äusserte sich zum Abgang Thormanns vorerst nicht.

Die Bundesanwaltschaft teilte mit, das Arbeitsverhältnis mit Thormann sei nach einem bilateralen Gespräch und einer eingehenden. Lagebeurteilung aufgelöst worden. Die BA danke Thormann für die geleistete Arbeit. Dies gelte insbesondere für den erfolgreichen Aufbau der Abteilung Wirtschaftskriminalität. Weitere Auskünfte erteilte die BA nicht.

Die Angelegenheit, die nun als Sturm im Wasserglas erscheint, hinterlässt einen schalen Nachgeschmack. Die BA verliert nicht nur ihren obersten Ermittler gegen die Wirtschaftskriminalität. Sondern es bleibt auch ein Reputationsschaden. Denn die Angelegenheit machte weltweit Schlagzeilen, weil neben der Fifa-Affäre auch grosse internationale Fälle wie die Skandale um den malaysischen Staatsfonds 1MDB und um die Korruption der brasilianischen Konzerne Petrobras und Odebrecht zum Zuständigkeitsbereich Thormanns gehörten. Fragen wirft schliesslich die Kommunikation auf: Laut der Mitteilung des ausserordentlichen Staatsanwalts erging die Einstellungsverfügung gegen Thormann bereits am 9. November. Das heisst an jenem Tag, als die Tamedia-Zeitungen erstmals über die Freistellung Thormanns berichteten und die BA auf Anfrage eine erste Stellungnahme veröffentlichte.

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