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Rekord-Razzia gegen Dopinghändler: 234 Festnahmen und 3,8 Millionen beschlagnahmte Präparate

Bei der «Operation Viribus» werden weltweit 3,8 Millionen Präparate konfisziert, etwa Anabolika. Die sind auch hierzulande ein Problem.
Dominic Wirth
Italienische Polizisten mit sichergestelltem Doping. (Bild: KEY)

Italienische Polizisten mit sichergestelltem Doping. (Bild: KEY)

Es ist eine Razzia, wie es sie laut der europäischen Polizeibehörde Europol noch nie gegeben hat. Im Visier der «Operation Viribus» standen in erster Linie Händler von illegalem Doping, Anabolika etwa, und gefälschter Medizin. 33 Länder und auch die Weltantidoping-Agentur Wada waren beteiligt, und am Ende präsentierte Europol imposante Zahlen: 234 Festnahmen, 3,8 Millionen beschlagnahmte Präparate, 9 ausgehobene Untergrund-Labore. Im Zentrum der Razzia stand das Doping im Amateursport, doch die Ermittler nahmen an Sportveranstaltungen auch 1357 Urin- und Blutproben. Wo genau sie das taten, teilte Europol nicht mit.

In den vergangenen zwanzig Jahren ist der Handel mit anabolen Steroiden laut Europol stark gewachsen. Das liegt vor allem am Internet, wo illegale «Online-Apotheken» Hochkonjunktur geniessen. Die dort verkauften Produkte setzen primär Bodybuilder ein, um Körperfett zu reduzieren und das Muskelwachstum zu beschleunigen; sie werden in den sozialen Medien immer intensiver beworben und unter anderem mit Kryptowährungen bezahlt.

Jeder fünfte Bodybuilder dopt

Auch die Schweizer Behörden sassen mit am Tisch, als Ende Mai in Budapest die «Operation Viribus» besprochen wurde. Allerdings kam es laut der Eidgenössischen Zollverwaltung hierzulande zu keinen Aktionen; weder wurde jemand festgenommen, noch wurden Durchsuchungen durchgeführt. Das bedeutet aber nicht, dass die illegalen Substanzen nicht auch hierzulande ein Thema wären, sagt Beat Steiner, Vizedirektor von Antidoping Schweiz. Dort landen Sendungen, welche der Zoll bei Kontrollen abfängt. Im vergangenen Jahr war dies laut Steiner 472 Mal der Fall; in den meisten Fällen handelte es sich bei den illegalen Importen um Anabolika.

Wie verbreitet die Einnahme solcher Substanzen in den Schweizer Fitnesszentren tatsächlich ist, weiss niemand. Gemäss Studien aus anderen europäischen Ländern sollen 10 bis 20 Prozent der Bodybuilder anabole Steroide einnehmen. Beat Steiner sagt, er gehe davon aus, dass die leistungsfördernden Mittel auch in der Schweiz «in stattlichem Rahmen» genutzt werden. Er spricht von einem «sehr grossen Markt».

Während der Eigenkonsum von Anabolika nicht strafbar ist, kommt mit dem Gesetz in Konflikt, wer die Substanzen herstellt oder handelt. Auch in der Schweiz wurden schon Dopinghändler-Ringe ausgehoben. Etwa 2013 in den Kantonen Thurgau, Zürich, Bern und Zug sowie im deutschen Bundesland Baden-Württemberg. Dabei wurden 20'000 Ampullen Anabolika und Testosteron sowie 140'000 Anabolika-Tabletten sichergestellt. 2015 zerschlugen 140 Polizisten in den Kantonen Aargau, Bern und Solothurn einen grossen Dopinghändlerring.

Gefährlich für Herz, Leber und Niere

Leistungsfördernde Mittel sind bei Amateursportler beliebt, weil sie rasch wirken. Allerdings können sie auch zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen, zu Leberschäden oder Herz- und Kreislaufproblemen etwa. «Das ist eine gefährliche Sache», sagt Domenic Schnoz von der Zürcher Fachstelle zur Prävention des Suchtmittelmissbrauchs. Dort hat man den Eindruck, dass der Konsum von Anabolika «in den letzten Jahren zugenommen hat».

Aus diesem Grund hat die Fachstelle eine Website eingerichtet, um «mit den Mythen aufzuräumen», wie Schnoz es formuliert. «Im Internet kursieren falsche, verharmlosende Informationen», sagt er. Deshalb wögen sich viele Nutzer in Sicherheit.

«Dabei sind Anabolika selbst dann sehr gesundheitsgefährdend, wenn es gute Ware ist.»

Oftmals sei das aber nicht der Fall. Laut Europol stammt der Doping-Rohstoff meist aus Osteuropa oder Asien. Den Handel kontrollieren organisierte kriminelle Gruppen, wobei der Verkauf neben dem Internet auch in illegalen Geschäften oder Fitnesszentren erfolgt.

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