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Angriff auf den Denkmalschutz

Über tausend Ortsbilder geniessen besonderen Schutz, doch nun sind sie in Gefahr. Der Nationalrat will den Abriss von Baudenkmälern erleichtern. Das soll die Verdichtung nach innen vorantreiben.
Dominic Wirth
Die Familienheim-Genossenschaft am Zürcher Friesenberg. (Bild: KEY)

Die Familienheim-Genossenschaft am Zürcher Friesenberg. (Bild: KEY)

Es ist die Sammlung der wichtigsten Baudenkmäler in der Schweiz: das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder von nationaler Bedeutung, kurz ISOS. 1274 Ortsbilder sind heute darin verzeichnet, von Stadtquartieren mit besonderem architektonischem Charakter bis zu historischen Dorfkernen. Denkmal- und Heimatschützer sind stolz auf ISOS, weil kein anderes Land ein vergleichbares Inventar führt. Die darin in der höchsten Schutzkategorie aufgeführten Ortsbilder stehen unter besonderem Schutz. Sie können nicht oder nur unter strengen Auflagen abgerissen oder umgebaut werden. Doch wie lange das noch so bleibt, ist unklar. Denn der Druck auf das Ortsbild-Inventar ist zuletzt stark gestiegen.

Jüngstes Beispiel dafür sind zwei Vorstösse, die in der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie (Urek) des Nationalrats jeweils knapp angenommen wurden. Anfang Woche stimmte die Urek einer parlamentarischen Initiative von SVP-Nationalrat Hans Egloff zu. Zuvor hatte im Januar bereits Egloffs Parteikollege Gregor Rutz mit einem ähnlichen Anliegen eine Mehrheit gefunden. Die beiden Zürcher setzen zwar bei verschiedenen Gesetzen an, doch ihre Stossrichtung ist dieselbe: Der Schutz der nationalen Baudenkmäler soll aufgeweicht werden, um die Verdichtung nach innen zu vereinfachen.

Das Beispiel Friesenberg

Hans Egloff findet, dass ISOS heute zu umfassend ist und zu viel eingetragen wurde. Er verweist etwa auf das Beispiel der Stadt Zürich. Dort sind, in unterschiedlichen Schutzkategorien, insgesamt 76 Prozent der Siedlungsfläche erfasst. Und er führt ein aktuelles Beispiel an, das für ihn das Problem illustriert: Der Fall Friesenberg. Im Stadtzürcher Quartier wollte eine Genossenschaft zwei ihrer ältesten Siedlungen aus den 1920er-Jahren abbrechen - und dort Neubauten mit mehr gemeinnützigen Wohnungen erstellen. Also: nach innen verdichten, so, wie das laut dem Raumplanungsgesetz künftig im ganzen Land häufiger passieren soll, um das Kulturland zu schonen. Der Zürcher Heimatschutz wehrte sich gegen das Vorhaben. Er hält die beiden Siedlungen, die im ISOS mit dem höchsten Erhaltungsziel eingetragen sind, für hochgradig schutzwürdig. Anfang Monat hiess das Zürcher Verwaltungsgericht die Beschwerde gut. Das öffentliche Interesse am Erhalt des «hochrangigen Schutzobjekts», so das Gericht, überwiege jenes an der Verdichtung bestehenden Wohnraums und auch die finanziellen Privatinteressen.

Für Hans Egloff ist klar: Der ISOS-Schutz steht in Konflikt mit der Verdichtung nach innen. «Wir können nicht alles haben», sagt der HEV-Präsident. «Wir wollen das Kulturland schützen, gleichzeitig wird es auch in den Städten wegen des Denkmalschutzes immer schwieriger, etwas zu bauen», sagt er. Es gelte nun, den Ermessensspielraum zu erweitern – und die Verdichtung nach innen höher zu gewichten als bis anhin. Die entsprechende parlamentarische Initiative wurde mit 12 zu 11 Stimmen bei 2 Enthaltungen angenommen. Sie geht nun an die Ständeratskommission.

Initiative soll Inventare stärken

Adrian Schmid ist der oberste Heimatschützer des Landes. Er warnt vor den beiden SVP-Vorstössen. «Die Folgen wären eine weitere Beeinträchtigung unserer identitätsbildenden Ortsbilder. So riskieren wir, dass unser baukulturelles Erbe weiter zerstört wird», sagt Schmid. Er bestreitet, dass die Verdichtung nach innen durch das ISOS verunmöglicht werde. «Vielmehr geht es darum, sorgfältig zu verdichten, unter Berücksichtigung sämtlicher Interessen. Die Vorstösse aus der SVP wollen dagegen nur eines: Die Bauinteressen stärken.»

Bleibt die Frage, wie das alles zusammengehen soll, der Schutz des Kulturlandes und der Baudenkmäler. Wo soll die Schweiz überhaupt noch wachsen? Adrian Schmid sieht den grössten Handlungsspielraum in der Agglomeration. «Wir sollten diese Räume verstädtern und Brachen entwickeln, statt unsere Baudenkmäler anzugreifen», sagt er.

Fest steht, dass das Thema das Land weiter beschäftigen wird. Schmid spricht von «kontinuierlichen Angriffen», neben ISOS auch auf das Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler. Schmid will sich wehren, gemeinsam mit weiteren Umweltschutzverbänden lanciert der Heimatschutz am 19. März eine Volksinitiative, die auch eine Stärkung dieser Inventare zum Ziel hat. Dereinst dürfte also das Volk entscheiden, wie es mit ihrer Stellung weitergehen soll.

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