ABB rechnet nicht mit Jobabbau nach Verkauf der Stromnetz-Sparte

Der Industriekonzern ABB verkauft den Grossteil der rund 36'000 Mitarbeiter starken Stromnetzsparte an das japanische Unternehmen Hitachi. ABB will sich durch den Verkauf zeitgleich neu ausrichten, rechnet indes nicht mit einem weiteren Stellenabbau in der Schweiz.

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ABB rechnet nicht mit einem weiteren Stellenabbau nach dem Verkauf der Stromnetzsparte. (Bild: KEYSTONE/MELANIE DUCHENE)

ABB rechnet nicht mit einem weiteren Stellenabbau nach dem Verkauf der Stromnetzsparte. (Bild: KEYSTONE/MELANIE DUCHENE)

(sda/awp)

Der Elektrotechnik- und Maschinenbaukonzern mit Sitz in Tokio übernimmt vorerst gut 80 Prozent der «Power Grids» genannten ABB-Division. Die als «Herzstück» des Schweizer Industrieriesen geltende Sparte erwirtschaftet rund ein Drittel des Gesamtumsatzes und stellt mit rund 36'000 Mitarbeitenden ein Viertel aller Angestellten weltweit.

Über den Verkauf der Stromnetzsparte wurde schon länger spekuliert. Nicht zuletzt forderten verschiedene Aktionärsgruppen angeführt vom aktivistischen Investor Cevian eine Abspaltung der Stromnetzsparte. Der Grossaktionär von ABB hält rund fünf Prozent am Industriekonzern und zeigte sich zufrieden. Die Verkaufspläne seien «die richtigen Schritte in der Entwicklung von ABB», sagte Cevian-Co-Gründer Lars Förberg nach der Verkaufsankündigung am Montag.

Erlös fliesst an Aktionäre

Grund zur Freude haben die Investoren allemal. Gemäss der Vereinbarung erhält ABB für die 80 Prozent an der Stromnetzsparte netto 7,6 bis 7,8 Milliarden Dollar. Dieser Betrag soll laut ABB zu 100 Prozent «zügig und effizient» durch Aktienrückkäufe oder einen vergleichbaren Mechanismus an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Die bisherige Dividendenpolitik soll zudem beibehalten werden.

Gleichzeitig mit der Einigung mit Hitachi kündigt ABB eine strategische Neuaufstellung an. Die bisherige Struktur soll mit dem Abschluss der Transaktion im Jahr 2020 aufgelöst werden. Was dies für die Schweizer Angestellten in der Schweiz bedeutet, bleibt indes offen. Wie viele Angestellte hierzulande noch in der Stromnetzsparten beschäftigt sind, gibt ABB nicht bekannt.

Kein Abbau geplant

Ein Sprecher des Konzern liess gegenüber der Nachrichtenagentur AWP ausrichten, dass man nicht mit einem Stellenabbau rechne. Auch ABB-Chef Ulrich Spiesshofer betonte anlässlich einer Telefonkonferenz, dass der Fokus auf der Neueinstellung von Mitarbeitern liege und nicht auf einem Abbau. «Seitens Hitachi gab es bisher keine Anzeichen, die auf Stellenstreichungen hindeuten», ergänzte der Sprecher auf Nachfrage.

In der Schweiz produziert ABB vor allem am Standort Sécheron nahe Genf für die Stromnetzsparte. Vor gut einem Jahr kündigte das Industrieunternehmen dort die Auslagerung des ABB-Traktionstransformatorengeschäfts nach Polen an. Aus Kostengründen sollten damals 100 Stellen in der Schweiz gestrichen werden. Auf Druck der Politik einigte man sich schliesslich auf 85 Stellen.

«Aktionärsdruck nachgegeben»

Bei den Gewerkschaften stösst der Verkauf auf wenig Anklang. Ein Sprecher der Unia bezeichnete den Entscheid als getrieben durch Aktionäre und Profit. Auch der Dachverband «Angestellte Schweiz» sieht den Verkauf skeptisch: «Es scheint, als hätte man dem Aktionärsdruck nachgegeben», sagte Sprecher Hansjörg Schmid auf Anfrage.

Bezüglich eines möglichen Stellenabbaus halten sich die Gewerkschaften aber noch zurück und wollen eine erwartete Stellungnahme von ABB selbst abwarten: «Bis dahin sind wir verhalten optimistisch», so Schmid.