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800 Verdingkinder treffen sich in Mümliswil SO

Erstmals in der Schweizer Geschichte haben sich am Samstag im solothurnischen Mümliswil rund 800 ehemalige Verdingkinder und andere Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen getroffen.
Ein T-Shirt mit der Aufschrift «Für die Opfer. Für die Schweiz. Pour les victimes. Pour la Suisse. Per le vittime. Per la Svizzera.» fotografiert während des grossen Treffens ehemaliger Verdingkindern am Samstag in Mümliswil. (KEYSTONE/Anthony Anex) (Bild: Keystone/ANTHONY ANEX)

Ein T-Shirt mit der Aufschrift «Für die Opfer. Für die Schweiz. Pour les victimes. Pour la Suisse. Per le vittime. Per la Svizzera.» fotografiert während des grossen Treffens ehemaliger Verdingkindern am Samstag in Mümliswil. (KEYSTONE/Anthony Anex) (Bild: Keystone/ANTHONY ANEX)

(sda)

Die Teilnehmer des Treffens seien die letzten Zeuginnen und Zeugen, die dieses dunkle Kapitel der Schweiz miterlebt hätten, teilte das Team Wiedergutmachungsinitiative als Organisator mit.

Das gemeinsame Fest markiere den Abschluss der Wiedergutmachungsinitiative und den Start des Nachfolgeprojekts «Erzählbistro». Dieses «Erzählbistro» in Mümliswil soll für die Betroffenen ein Ort werden, wo die Auseinandersetzung mit der eigenen, persönlichen Geschichte im Zentrum steht.

In Mümliswil besteht seit Mitte 2013 eine nationale Gedenkstätte für Verding- und Heimkinder. Die Guido Fluri Stiftung hatte den Umbau eines ehemaligen Kinderheims ermöglicht. Fluri hatte früher selbst in diesem Heim gelebt. Er ist heute Immobilienhändler.

Fürsorgerische Zwangsmassnahmen waren in der Schweiz bis 1981 angeordnet worden. Zehntausende von Kindern und Jugendlichen wurden an Bauernhöfe verdingt oder in Heimen platziert, viele wurden misshandelt oder missbraucht. Menschen wurden zwangssterilisiert, für Medikamentenversuche eingesetzt oder ohne Gerichtsurteil weggesperrt, weil ihre Lebensweise nicht den Vorstellungen der Behörden entsprach.

9000 Gesuche für Solidaritätsbeitrag

Insgesamt 9018 ehemalige Verdingkinder und andere Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen reichten beim Bund ein Gesuch um einen Solidaritätsbeitrag ein. Der Bund behandelte bislang 1400 Gesuche von schwerkranken und hochbetagten Personen prioritär.

Mit den ersten Auszahlungen konnte gemäss Bundesrat früher als geplant begonnen werden. Die bisher gemachten Erfahrungen zeigten, dass es weniger Routinefälle gebe als erwartet. Die Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen erhalten einen Solidaritätsbeitrag von 25'000 Franken.

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