Verpackungskünstler Christo ist tot

Wer glaubte, dass Christo in seinem silbern verpackten Berliner Reichstag oder seinen leuchtend gelben, schwimmenden Stegen auf einem See in Italien irgendeine tiefere Bedeutung sah, der irrte.

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Zu Christos berühmtesten realisierten Projekten zählten die safranfarbenen Tore im New Yorker Central Park («The Gates»).
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Christo auf seiner Installation The Floating Piers auf dem Iseo-See im Norden Italiens, Juni 2016.
Die Installation «The Floating Piers» von 2016 in Italien.
1995 verpackte Christo den Reichstag in Berlin.
Christo und seine Frau Jeane-Claude verpackten auch die Schweiz: Hier ein paar Bäume des Berower Park in Riehen BS.

Zu Christos berühmtesten realisierten Projekten zählten die safranfarbenen Tore im New Yorker Central Park («The Gates»).

KEYSTONE/EPA/KEITH BEDFORD
(sda/dpa)

«Es ist total irrational und sinnlos», sagte der bulgarisch-amerikanischer Verpackungskünstler 2014 über seine Arbeiten. Doch die Schönheit seiner in abstrakte Objekte verwandelten Gebäude und Landschaften faszinierte Millionen. Nun ist Christo am Sonntag im Alter von 84 Jahren in New York gestorben.

Stets war es ein Spiel aus Form und Farbe, wenn der am 13. Juni 1935 als Christo Vladimiroff Javacheff im bulgarischen Gabrovo geborene Künstler wieder ein Stück Welt mit Kunststoffbahnen überzog.

Zu den berühmtesten seiner weltweit realisierten Projekte zählten die safranfarbenen Tore im New Yorker Central Park ("The Gates»), die schwimmende, mit Nylongewebe bezogene Stege auf dem Wasser des Iseo-Sees in der Lombardei ("Floating Piers») sowie der 1995 verhüllte Berliner Reichstag und die verpackte Pont Neuf in Paris.

Lange für Realisierungen gekämpft

Die teils aus vielen Kilometern Entfernung sichtbaren Installationen, etwa der «Valley Curtain» in Colorado oder gelben und blauen Riesen-Sonnenschirme in Japan und Kalifornien ("The Umbrellas»), entstanden bald nur noch im Team. Mit seiner Frau Jeanne-Claude, mit der er seit den 90er Jahren stets als Duo auftrat, kämpfte Christo von ersten Plänen bis zur Realisierung eines Projekts teils mehrere Jahrzehnte.

Die aus Casablanca in Marokko stammende und am selben Tag wie Christo geborene Jeanne-Claude war 2009 im Alter von 74 Jahren in New York an einer Hirnblutung gestorben.

Flüchtigkeit des Lebens

Die Vergänglichkeit der temporären Grossinstallationen erinnerte stets auch an die Flüchtigkeit des Lebens selbst. «Es ist irgendwie naiv und arrogant, zu glauben, dass dieses Ding für immer bleibt, für die Ewigkeit», bemerkte Christo zur Zeit der Reichstagsverhüllung.

Leuchtende Kunststoffflächen, Bauwerke und Landstriche, wie zu überdimensionalen Geschenken oder Paketsendungen verpackt - faszinierende Bilder werden von Christos Arbeit in Erinnerung bleiben.

Dass heute fast keine mehr davon zu sehen ist, dürfte ihre Pracht nur verstärkt haben. «All diese Projekte haben eine starke Dimension des Fehlens, der Zurückhaltung», sagte Christo zur Reichstagsverhüllung. «Sie werden verschwinden, wie unsere Kindheit, unser Leben.» Erst das mache die Erfahrung so intensiv.