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Trotz guter Absichten: Zwei Welten scheinen unvereinbar – das misslungene Konzert des Michael Kiwanuka

Michael Kiwanuka legt ein üppiges drittes Album vor – und überfordert beim Liveauftritt in Basel sein Publikum. Der Auftakt zu seinem Auftritt an der Baloise Session misslingt gehörig.
Stefan Strittmatter
Michael Kiwanukas Gitarrensoli sind die Höhepunkte bei seinem Auftritt in Basel. (Bild: Dominik Plüss)

Michael Kiwanukas Gitarrensoli sind die Höhepunkte bei seinem Auftritt in Basel. (Bild: Dominik Plüss)

Auf dem Albumcover thront er wie ein afrikanischer König: mit Afrofrisur, weissem Fellumhang und handbreiter Goldkette, gemalt in Öl. Es ist ein Statement, das Michael Kiwanuka im Opener seines dritten Albums weiter untermauert: «You Ain’t the Problem» eröffnet mit Congas und Gelächter, dann setzt ein treibender Blaxploitation-Funk ein, eine sägende Fuzz-Gitarre wird von Frauenstimmen gedoppelt. Dann erklingt Kiwanukas eindringliche Stimme, die zum Motown-Beat Motivationsparolen predigt. Schliesslich Streicher, ein perlendes Rhodes-Piano und Vogelgezwitscher … Kurz: die schwarze Musikgeschichte der Sixties und Seventies verdichtet auf viereinhalb Minuten.

Live stimmt etwas nicht

Auf Platte ist das ein grosser Wurf – ein Stück, das man mehrfach hören will, ja muss, um es zu erfassen. Überwältigend und erhebend zugleich. Live im Konzert hat man diese Möglichkeit nicht, und so misslingt der Auftakt zu Kiwanukas Auftritt an der Baloise Session gehörig. Am Dienstagabend krankt das Lied am schlechten, Drums-lastigen Sound in der Eventhalle der Messe Basel. Doch auch als die Abmischung stimmt, will der Funken nicht springen. Der britisch-ugandische Songwriter steht mit zusammengepressten Augen am Mikrofon. Wenn er in «Place I Belong» die ersten Zeilen singt, hat man das Gefühl, er meine seine Befindlichkeit: «Ooh, look all around / I get the feeling something is wrong.»

Beim vierten Lied droht das Konzert vollends zu entgleisen: Kiwanuka, sein langjähriger Gitarrist Michael Jablonka und die beiden Backingsängerinnen Simone Daley-Richards und Emily Holligan (alle dunkelhäutig) wiederholen in «Black Man in a White World» die Titelzeile als Mantra. Dabei scheitert das an Clubtischen sitzende (meist weisse) Publikum am Offbeat-Klatschen und macht aus dem feurigen Gospel-Rhythmus einen plumpen Stampfer. Hier prallen zwei Welten aufeinander, die trotz allen guten Absichten unvereinbar scheinen.

Erst in der Halbzeit des 70-minütigen Konzertes wendet sich das Blatt. Kiwanuka spielt seine elektrische Gitarre filigran wie eine akustische und verkündet mit brüchiger Stimme, dass er seinen afrikanischen Namen beibehalten werde, egal wie er genannt werde. Während Band und Publikum andächtig schweigen, fragt der 32-Jährige singend, was es brauche, um ein Held zu sein: Reicht es, zu sterben wie ein Held? Dann verschiebt er die Akkordfolge, die Bob Dylans «All Along the Watchtower» entlehnt ist, einen Ganzton nach oben, und der Song gewinnt an Dringlichkeit.

Das Album als Gesamtkunstwerk

«Hero» ist nicht nur der Wendepunkt des Konzertes, sondern auch das markanteste Stück auf dem neuen Album, das am Freitag erscheint. Dass sonst wenige Stücke herausstechen, liegt daran, dass Kiwanuka seinen dritten Longplayer als Gesamtkunstwerk konzipiert hat. Die Songs fliessen zusammen und spannen über 50 Minuten eine Dramaturgie, die sich im versöhnlichen «Light» entlädt. Brillant ist die Instrumentierung mit einlullenden Streichern und sperriger Gitarre. Dem Produzententeam Danger Mouse und Inflo gelingt wie schon auf dem gefeierten Vorgänger «Love & Hate» der Spagat zwischen modernem Neo-Soul und stimmigen Retro-Anleihen. Standen beim Album von 2016 die Gitarren und die Psychedelik im Vordergrund, so zieht sich nun das Klangbild in die Breite. «Kiwanuka» ist ein Abbild der schwarzen Seele in Cinemascope.

An der Baloise Session versuchen Michael Kiwanuka und seine sechs Mitmusiker gar nicht erst, dieser Riesenproduktion gerecht zu werden. Das genannte «Light» reduzieren sie auf die gepickte Akustikgitarre und die drei Stimmen. Gekoppelt mit dem folkigen «Home Again» ab Kiwanukas gleichnamigem Debüt von 2012 gerät der ruhige Block zum Höhepunkt des Konzertes und lässt zusammen mit Kiwanukas Gitarrensolo in «Final Frame» den verpatzten Start vergessen.

Michael Kiwanuka: «Kiwanuka», Polydor Records (1. November)

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