Schottische Fantasie in der St.Galler Tonhalle: Ein grosses Geschenk zum Abschluss

Am Donnerstag fand in St.Gallen das 3. Tonhallekonzert statt. Geigerin Tianwa Yang erzeugte mit leichter Hand komplexeste Klangfiguren.

Rolf App
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Geigerin Tianwa Yang. (Bild: Andrej Grilc)

Geigerin Tianwa Yang. (Bild: Andrej Grilc)

Manchmal ist es ein Künstlergespräch im Foyer, manchmal ein kleiner Auftritt danach: Die Tonhalle St.Gallen geht viele Wege, ihren Besucher jenseits gewohnter Pfade Musik nahe zu bringen. Mit einem «Late Night Special» des Pianisten Lukas Geniušas hat die Saison der Orchesterkonzerte am 26.September begonnen, am Donnerstag nun doppelte die Geigerin Tianwa Yang nach und machte mit einem Komponisten bekannt, den nur wenige kennen.

Der Belgier Eugène Ysaÿe lebte von 1858 bis 1931, er war ein Meister auf Tianwa Yangs Instrument, der seine Violinsonaten Freunden widmete. Mehr noch: Er ahmte in seiner Kompositionsweise die Kunst dieser Freunde nach. Und so bedient sich die Jacques Thibaut gewidmete Sonate Nr.2 a-Moll gern ein wenig bei Bach, und die Nummer 3 d-Moll kommt rhythmisch so komplex daher wie die Kompositionen von George Enescu, für den sie gedacht ist.

Wie Tianwa Yang da vorne steht, wie sie mit leichter Hand komplexeste Klangfiguren erzeugt und Melodien fliessen lässt, so müsste man dies zweifellos für den Höhepunkt des Abends halten, hätte man sie nicht schon vor der Pause zusammen mit dem Sinfonieorchester St.Gallen unter Michael Balke in Max Bruchs Schottischer Fantasie für Violine und Orchester Es-Dur op.46 erlebt. Und auch da musste dieses scheinbar mühelos Fliessende in ihrem Spiel an die Seele rühren.

Michael Balke arbeitet Kontraste und Farben plastisch heraus

So schön zur Geltung kommt dies allerdings auch dank des Orchesters, das mit «Into the Twilight» von Arnold Bax einen stimmungsvoll-melancholischen Anfang setzt und mit Felix Mendelssohns 3.Sinfonie a-Moll, genannt «Die Schottische» den zweiten Teil des Konzerts bestreitet.

Balke arbeitet Kontraste und Orchesterfarben wunderbar plastisch heraus, lässt das Orchester singen, flüstern oder wild auflodern – je nachdem, in welche Richtung insbesondere Mendelssohn die Stimmungen lenkt. Vor allem die Bläser treten klar hervor, ihre Spielfreude unterstreicht jene lebhafte Poesie, welche die Menschen mitnehmen in die Nacht – wenn sie nicht noch zu Tianwa Yangs «Late Night Special» bleiben.